Zahlenspiele: Wenn 15.000 eigentlich weniger als 5.000 sind. [Update]

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt hast… Nach Ostermärschen und Montagsdemos sind zur Zeit wieder viele Menschen auf den Straßen unterwegs. Dabei wundere ich mich, wenn bei der Berichterstattung — über Demonstranten oder Krebszellenforschung — immer recht konkrete Zahlen genannt werden, selbst wenn es um unüberschaubaren Mengen geht. Und richtig, nach einer der letzten Demonstrationen in Leipzig fragt mal jemand nach: “Legida in Leipzig: Die Mär von den 15.000 Teilnehmern“.

Die recht hohe Zahl von 15.000 Teilnehmern wird nicht einfach aus Propagandagründen der Veranstalter verbreitet, sondern ist eine offizielle Zählung der Polizei. Diese beruht demnach auf Reihenzählung am Straßenrand und Dichtezählung vom Hubschrauber aus.

Journalisten vor Ort wundern sich dagegen, daß auf ihren Fotos zur Illustration der Menschenmassen immer so wenig Menschenmassen zu sehen sind. Beim Auszählen ihrer Bilder kommen sie auf etwas mehr als 4.000 Teilnehmer. Dies bestätigt auch die Universität Leipzig: maximal 5.000 Teilnehmer. Und das ist eher die “optimistische” Angabe. Ein exakt ausgezähltes Video ergibt sogar nur 3.800 Demonstranten.

Wer hat nun Recht? Es ist also fraglich, ob eine objektive Zählung überhaupt möglich ist. Das scheint einigermaßen unsicher. Daraus ergibt sich die Frage nach Auswahl der Zählmethode mit einer gewünschten — bekannten — Abweichung nach unten oder oben — je nach politischer Ausrichtung.

Daß die Veranstalter an hohen Zahlen interessiert sind ist selbstverständlich: Man möchte Wichtigkeit und Erfolg demonstrieren. Warum beharren aber die Behörden auf den deutlich zu hohen Werten? Kostenabrechnung nach Personen? Grundlage für Innenminister für mehr Kontrolle oder weitere Einschränkungen? Das ist natürlich eine Frage sorgfältiger journalistischer Recherche, die im Land der Dichter und Denker immer schwieriger wird. Fazit: Wir haben es schon immer gewußt: Traue keiner Statistik, bei der du nicht weißt, wie sie zustande gekommen ist — so müßte es wohl korrekt heißen.

[Update]

Bei den Krautreportern nimmt sich Rico Grimm im Beitrag “Teilnehmerzahlen bei Pegida, Legida & Co” des Themas an, mit dem praktischen Aspekt Drohnen zur Luftaufklärung zur verwenden (statt der kostspieligen Hubschrauber). Allerdings konstruiert er in diesem Zusammenhang auch gleich ein bißchen Verschwörungstheorie, wenn der Einsatz gerade beim Überfliegen von Demonstrationen verboten ist: „Wir dürfen bei den ganzen Diskussionen nicht vergessen, dass wir Drohnen auch einsetzen können, um die Mächtigen zu kontrollieren.“ wird US-Forscher Austin Choi-Fitzpatrick zitiert und endet selbst: “Sollte die Regierung es der Zivilgesellschaft schließlich nicht gestatten, Drohnen einzusetzen, gibt es ein bewährtes Mittel, Druck auszuüben: Die Menschen müssten auf die Straße gehen und für dieses Recht demonstrieren.” (Quelle: jeweils in o. g. Bericht).

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.