WordPress: Rechteverwaltung mit Plugin erweitern.

Wenn es darum geht, ein anwenderfreundliches CMS zu installieren in dem sich jeder schnell zurechtfindet, gehört WordPress zu den ersten Kandidaten. Allerdings wird es anscheinend in der Mehrzahl der Installationen für Alleinblogger oder kleine Teams verwendet: Als ich mich bei der Recherche zu meinem Benutzerhandbuch für Mitarbeiter, Autoren und Redakteure mit der Funktionen der Rollen in WordPress befasse, bin ich überrascht, wie halbherzig und unzureichend die Rechteverwaltung von Haus aus umgesetzt wird.

Nicht daß es keine gäbe, aber die fünf vorgegebenen Rollen sind m. E. praxisuntauglich und für den Anwender leider auch nicht konfigurierbar — während man sich beispielsweise bei Drupal und Joomla von Anfang an damit recht intensiv auseinandersetzen muß. So muß man sich bei WP entscheiden: Ein Mitarbeiter kann nur Texte schreiben, darf sie aber nicht veröffentlichen — leider darf er auch keine Bilder einbinden. Eine Stufe höher — Autor — darf Texte mit Bildern versehen, aber auch gleich alles unkontrolliert veröffentlichen. Erstaunlicherweise werden die Wahl des Editors oder die Aktivierung der Statusleiste erst gar nicht von einer Rolle erfaßt. Doch bei WP kann man sich auf eins verlassen: Es gibt ein Plugin dafür.

Auch für das Plugin Directory von WordPress gilt: Es gibt nicht zu wenig Auswahl, sondern zuviel. Für meinen Kurztest kommen in die engere Auswahl Plugins, die einerseits gepflegt werden (letztes Update Ende 2012/Anfang 2013), andererseits deutlich in Richtung 5-Sterne-Bewertung gehen. Diese Stichprobe mache ich unter WP 3.5.1 Ende Februar 2013. — Die Kandidaten in alfabetischer Reihenfolge:

Adminimize

Adminimize 1.8.2 mit 4,5 Sternchen für Frank Bültge, der besonders deutschen WP-Nutzern gut bekannt sein dürfte. Auch wenn die Beschreibung leider erstmal auf Englisch ist, das Backend ist auf Deutsch. Das Plugin legt zwar nur einen neuen Menüeintrag unter “Einstellungen” an, dafür dort aber mit einem Dutzend eigener Unterpunkte auf einem endlos langen Konfigurationsformular. Da sieht man, was man alles auch in WP einstellen kann, wenn einen nur jemand läßt.

Adminimize: Rechte werden über Tabellen vergeben.

Adminimize: Rechte werden über Tabellen vergeben.

Es werden zwar alle vorhandenen Rollen in der Tabelle angezeigt (inkl. dem “Super Admin” den “Advanced Access Manager” dem Nutzer aufs Auge drückt; siehe unten), es ist allerdings in der gesamten Tabelle kein einziges Häkchen gesetzt was zumindest beim Schnelltest irritiert. Über zusätzliche Eingabefelder ist es möglich, eigene IDs und Klassen eines Elementes oder Tags hinzuzufügen. — Erster Eindruck: Adminize ist gemessen an der Zahl der Einstellmöglichkeiten sicherlich eines der leistungsfähigsten Plugins, allerdings mit dem Potential als ungeduldiger Schnellklicker auch richtig Mist bauen zu können.

Advanced Access Manager

Advanced Access Manager 1.6.8.3 mit 4,3 Sternen ist auf Englisch. In der Navigationsleiste legt es einen Haupteintrag AVM Group mit dem Unterpunkt “Access Manager” an. Es begrüßt einen mit der Warnung nicht an den Rechten rumzufummeln — und schreckt doch nicht davor zurück, den “normalen” Admin gleich durch einen “SuperAdmin” zu ersetzen.

Advanced Access Manager

Advanced Access Manager in der Ansicht “Posts & Taxonomies”.

Die Bedienung schwankt zwischen etwas unübersichtlich (oder nur ungewohnt?) in “Posts & Taxonomies” bis zu sehr übersichtlich beispielsweise im Menü “Capabilities” — wo sich ganz am Ende des Formulars auch eine einfache Umschaltmöglichkeit zwischen Rollen befindet. Das Plugin scheint mit dem Hinweis “Basic” auch nur Demo eines größeren Projekts zu sein. — Erster Eindruck: Das mehr oder weniger ungefragte Anlegen eines SuperAdmin stört mich sehr, die Art der Organisation könnte für Leute interessant sein, die die Tabellen der anderen Plugins nicht mögen.

Members

Members (englisch) bekommt trotz der niedrigen Versionsnummer von 0.2.2 eine Bewertung von 4,6 Sternen von mehr als 250 Usern. Unter “Benutzer” erscheinen zwei neue Menüpunkte “Roles” und “Add new Roles” sowie unter “Einstellungen” ein entsprechender Eintrag.

Übersicht der vorhandenen fünf Rollen in Members.

Übersicht der vorhandenen fünf Rollen in “Members”.

Zu jeder Rolle kann man die Rechte (capability) aufrufen und nach Bedarf anpassen. Die Standardtabelle ist recht übersichtlich, es können aber weitere Eigenschaften über “Add new Capability” hinzugefügt werden (wobei man allerdings über Insiderwissen verfügen muß, da es sich nur um eine Eingabezeile handelt). Darüber hinaus kann man neue Rollen anlegen. — Erster Eindruck: Guter Kandidat, wenn man nur ein paar Kleinigkeiten anpassen möchte.

User Role Editor

User Role Editor 3.10 mit 4,2 Sternen bietet ein deutschsprachiges Backend. Es installiert unter “Benutzer” einen “User Role Editor”, dafür nichts unter “Einstellungen”. Das Formular öffnet sich mit fetter Eigenwerbung für die man das Browserfenster erstmal deutlich erweitern muß — das fängt ja gut an… Dann ist es allerdings erfreulich übersichtlich und für die vorhandenen Rollen sind jeweils die Häkchen gesetzt, so daß man sie Stück für Stück anpassen kann.

Der User Role Editor ist ebenfalls sehr übersichtlich

Der “User Role Editor” ist ebenfalls sehr übersichtlich, hier die Rechte für einen “Autor”.

Über die Funktion “Anzeige der Rechte in allgemeinverständlicher Form” kann man in einen Modus umschalten, der nicht programmierinterne Bezeichnungen verwendet, sondern kurze Erläuterungen, zum Teil sogar mit weiterführenden Links (Fragezeichen-Icon) — Erster Eindruck: Auch dieses Plugin scheint mir gut geeignet die Rollen einfach zu verwalten ohne den Gelegenheits-Admin zu überfordern.

Fazit Rechteverwaltung

Um die gröbsten Mängel der Standardrollen zu korrigieren reichen Members oder User Role Editor. Sie bieten eine überschaubare und einfache Bedienung. Fortgeschrittene Nutzer, die gern “alles” unter Kontrolle haben wollen, setzen auf Adminimize.

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