Wird Google Chromecast maßlos überschätzt? Alternativen.

Gerade wird es überall bejubelt: Google Chromecast ist nun auch in Deutschland erhältlich, zum Beispiel für schlappe 35 Euro bei Amazon. Doch was verbirgt sich dahinter, wenn es laut diverser Berichte den Fernseher im Wohnzimmern erobern will?

Chromecast: Wirklich alles, was mich online begeistert? (Quelle: Google)

Chromecast: Wirklich alles, was mich online begeistert?
(Quelle: Google)

Meiner Meinung nach führen die oft bemühten BuzzwordsWohnzimmer” und “Fernseher” auf eine falsche Fährte.Es handelt sich weder um ein Fernsehmodul mit dem man einem “dummen” Fernsehgerät wie mit einer Set-top-Box irgendwelche neuen Funktionen beibringen kann, noch um einen direkten Videokanal für exklusive Sender. Der so sehr gelobte Chromecast-Stick ist erstmal nichts weiter als ein WLAN-zu-HDMI-Adapter.


Hinweis: Dies ist ein Bericht nach Aktenlage bei dem ich mich auf Beschreibungen und Berichte beziehe, da mir z. Zt. kein Gerät zur Verfügung steht. Ungeachtet dessen können konstruktive Ergänzungen gern über die Kommentarfunktion abgegeben werden (bitte etwas Geduld, weil der notwendige Spamfilter erst eine Zensur durchführen muß). Selbstverständlich nehme nach Absprache gerne Spenden und Geschenke entgegen, um das Gerät in der Praxis testen zu können.

Chromecast sieht zunächst wie ein gewöhnlicher USB-Stick aus, wird aber per HDMI angeschlossen (braucht aber noch ein separates Netzteil!). Doch um Chromecast an seinen Wohnzimmerfernsehgerät nutzen zu können, bedarf es einer Menge Voraussetzungen:

  • du brauchst außerdem einen Computer, Tablett-PC oder notfalls Smartfon
  • natürlich mit Internetanschluß
  • und ein spezielles Plugin

Also nichts, mit “plug & play” an Omas Flimmerkiste… (wenn sie nicht sowieso schon Technikfreak ist) Das Plugin klinkt sich in den Browser ein und überträgt die Webseiten auf den Fernseher — nein, es übermittelt m. W. nach lediglich die URL, die Chromecast dann selbständig abarbeitet. Das setzt weiteres voraus: Diese Website muß unter Umständen Chromecast als Anwendung unterstützen. Lediglich Googles eigener Browser Chrome soll dies generell ermöglichen können (Google a. a. O.: “Mit Chromecast können Sie Filme, TV-Sendungen, Videos, Musik, Fotos, Websites und mehr auf Ihrem HD-Fernseher erleben, ganz einfach über Apps wie YouTube, Google Play, Maxdome, Watchever oder Ihren Chrome-Browser.“). Und: Lokale Dateien wie beispielsweise Videos werden nicht übertragen — da Bedarf es einer App von einem Drittanbieter, die glücklicherweise eine offene Schnittstelle dazu nutzen können. — Meines Erachtens ganz viel Wenn und Aber sowie Einschränkungen, Kompromisse und Voraussetzungen… Da fragt man sich, was daran so “revolutionär” sein soll und ob es nicht auch anders geht.

Alternative: Smart TV

Wenn man heutzutage einen Fernseher kauft, spielen Größe und Bildqualität zwar immer noch eine Rolle, aber inzwischen gibt es auch andere Aspekte wie HDMI- oder USB-Schnittstellen und eingebaute “Smart”-Funktionen. So kann mein Fernseher nicht nur selbst Internetseiten anzeigen, sondern erkennt auf Anhieb meine Fritz-Box sowie daran angeschlossene Speichermedien. Von dort kann ich direkt Fotos anzeigen oder Videos streamen, ganz ohne weiteres Zubehör. Möglich ist auch, ein Video einfach auf einen USB-Stick zu kopieren und direkt an den Fernseher anzustecken.

Alternative: Mini TV PC

Auf den ersten Blick dem Chromecast nicht unähnlich, aber doch anders sind Mini-PCs, die ebenfalls als Stick mit HDMI-Anschluß daherkommen, wie beispielsweise der MK808 . Technisch sind sie ein Mittelding zwischen Tablet(t) ohne Display und Mediaplayer und können im Prinzip alles, was ein Smartfon oder Tablett mit Android kann (z. B. Websites aufrufen und Apps installieren), wobei der Fernseher als sehr großer Bildschirm fungiert. Wenn es nicht schon als Set angeboten wird, benötigt man mindestens noch eine Maus oder besser eine kleine Funktastatur, die man direkt via Bluetooth koppeln kann.

Alternative: Mediaserver

Ein Mediaserver sieht auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche externe Festplatte aus, kann jedoch etwas mehr. Je nach Modell kann man sie direkt an den Fernseher anschließen oder ins Heimnetzwerk einbinden und von dort Medien auf den Fernseher überspielen (ähnlich Streaming von der Fritz-Box).

Alternative: HDMI-Kabel

Ganz unspektakulär einfach und preiswert ist ein langes HDMI-Kabel. Sofern das Tablett HDMI unterstützt muß man nur noch auf die richtige Variante achten (“mini” oder “micro”) und bei der Länge nicht zu geizig sein (5 m lassen Spielraum). So an den Fernseher angeschlossen wird schlicht alles, was auf dem Display zu sehen ist, auf den Fernseher übertragen — ganz ohne Bedingungen, ob eine Webseite dafür optimiert ist oder ein Video lokal auf der SD-Karte liegt.

Fazit Chromecast

Als Hardware kann Chromecast nicht besonders viel und degradiert das teure Smartfon oder Tablett zur Fernbedienung. Andererseits dient er zur Bindung an Google Mehrwertdienste “Play Store” oder “Verbündete” (Fußnote der offiziellen Chromecast-Seite: “Bei bestimmten Anbietern kann der Abschluss eines Abonnements erforderlich sein.“)– und erschwert womöglich den Zugang zu Konkurrenzprodukten. Gerade im Videobereich tummeln sich viele Anbieter und auch Amazon steht mit einem ähnlichen Projekt in den Startlöchern. Die o. g. Alternativen funktionieren dagegen weitgehend ohne Bindung an bestimmte Dienstleister, können nicht unbedingt “alles”, sind aber genau deshalb oft einfacher zu bedienen oder sogar überzeugender im Ergebnis. Neben der Neugier auf Neues muß man überlegen, was man wirklich braucht.

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