Wie mir ein Softwarefehler beim Scannen zu einer neuen Technik verhilft…

In den vergangenen Monaten beschäftige ich mich relativ intensiv mit dem Scannen von analogem Material, Diapositive, Farb- und Schwarzweiß -Negative. Dabei verwende ich gern das vom Hersteller mitgelieferte Tool (in diesem Fall Epson Scan), bevor ich die Bilder nach Lightroom importiere .

Filmstreifen komplett scannen.

Filmstreifen komplett scannen.

Normalerweise werden in einem Vorschaumodus auf einem Filmstreifen erkannte Bilder als einzelne Miniaturen angezeigt — bis ich auf folgende Problemsituationen stoße: Bei “freigestellten” Motiven vor durchgehend schwarzem Hintergrund erkennt die Software zwar prinzipiell einzelne Fotos, nicht aber das komplette Bild und beschneidet es bis zur Unbrauchbarkeit.


Verstümmelte Scans

Nachdem ich mich lange mit Zielgrößenvorgaben u. ä. herumquäle, finde ich die Lösung: die “Vorschaubilder” [T] (in der Hilfe auch “Miniaturansicht” genannt) abstellen. Bilderkennung beschneidet Fotos... Die Software scannt dann erstmal den kompletten Streifen, in dem man mit der Maus auch einen Teilbereich markieren kann, wenn man nicht alle Bilder haben möchte.

Automatische Bilderkennung beschneidet Fotos…

Mit dieser Einstellung kann man dann beispielsweise auch einen Schwarzweiß-Negativstreifen im “falschen” Modus für Diapositive scannen, was durch die Software manchmal ebenfalls verweigert wird.

Panorama-Bild

Wenn das Vorschaubild abgestellt ist — es gibt aber natürlich noch immer einen Vorschauscan (unglückliche Wortwahl bzw. Übersetzung) — hat man nicht nur den ursprünglichen Fehler beseitigt, sondern kann sogar ganz andere Bilder scannen: Analoge Panorama-Kameras wie beispielsweise die Lomography Spinner 360° liefern ein Bildformat, das deutlich breiter ist als die üblichen 36 mm. Auf einem handelsüblichen Scanner mit Durchlichteinheit lassen so rund 22 cm breite Negative digitalisieren.

Ohne Miniaturenvorschau wird nicht mehr rumgeschnippelt.

Ohne Miniaturenvorschau wird nicht mehr rumgeschnippelt.

Sprocket Hole Photo

Während beim Panorama nur die Bildbreite ein Problem ist, gibt es experimentelle Fotografie, wo auch die Bildhöhe problematisch sein kann. Dies gilt beispielsweise für die sogenannte Sprocket-(Hole-)Fotografie, gemeint sind die Zahnrandlöcher am Filmrand, deutsch Perforation. Dabei legt man einen Kleinbildfilm in eine deutlich größere Mittelformatkamera ein und belichtet so nicht nur ein breiteres Stück von 6 oder 7 cm, sondern auch in voller Höhe von etwa 3½ cm (statt 24 mm) — denn: Der Rand mit der Perforation ist natürlich ebenso lichtempfindlicher Film. Und was aus technischer Sicht ein Fehler ist, ist aus künstlerischer Sicht reizvoll. Auch dafür gibt’s spezielle Kameras, wie zum Beispiel die Sprocket Rocket Camera. Die Google-Suche liefert eine Menge Beispiele.

Bilder mit Sprocket Hole Effekt (Quelle: Google Bildersuche)

Bilder mit Sprocket Hole Effekt
(Quelle: Google Bildersuche)

Doch nicht nur (analoge) Fotolabore tun sich mit solchen “Sonderformaten” schwer — zerschneiden sie… — auch das Digitalisieren ist nicht ganz so einfach. Wenn man jetzt auch den Vorlagenhalter komplett wegläßt, kann man (fast) den gesamten Rand mitscannen. Leider ist mein Scanner nur auf maximal Kleinbildfilm ausgelegt, so daß die Perforierung nicht bis auf den letzten Millimeter mitbekomme. Die Fleißlösung: Leicht versetzt einmal den oberen und dann den unteren Teil scannen und in der Bildbearbeitung des Vertrauens zusammensetzen (geht leider nicht mit Lightroom, sondern Photoshop, Gimp usw. vielleicht sogar mit der neuen Panorama-Funktion in Lightroom 6). Wer es sich leisten kann, greift auf einen Scanner zurück, der auch Mittelformat kann (ist aber teuerer).

So kann man zum Schluß mal wieder sagen: it’s not a bug, it’s a feature..!

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