Webhosting und Domains trennen für mehr Flexibilität

Zu einer Website gehört auch ein eigener Domän-Name. Allzu leicht tappt man bei der Registrierung in die Falle der Massenhoster: Erst günstige Einstiegsangebote mit Softwarezugaben und tolle Erreichbarkeit der Bestell-Hotline sogar in der Nacht. Doch nach dem ersten Jahr gibt es saftige Aufschläge und bei Problemen wird auf eine unzureichende FAQ oder schlicht auf die AGB verwiesen — für nix zuständig, für nix verantwortlich. Da nützt es auch nichts, wenn man dort mehr als ein Dutzend Websites geschaltet hat.

Die eigene Domäne

Trotzdem verbleibt oft ein konsequenter Wechsel, weil man sich ja erst mühsam in das Procedere des speziellen Anbieters eingearbeitet hat. Komischerweise informiert auch die Konkurrenz selten darüber, wie man einen Wechsel elegant hinbekommen könnte. Da ist man sich in der Art der “Kundenbindung” wohl einig. Ein Schritt zu mehr Flexibilität und Unabhängigkeit ist die Trennung von Domain-Registrar und Speicherplatz-Hoster . — Packen wir’s an…


Webspace und Domäne trennen

Ein Teil des Problems ist die deutsche (Un-) Sitte, Domäne und Speicherplatz aus einer Hand zu erwarten. Als ich 1998 meine erste Domäne registriere, geht das kaum anders, doch inzwischen kann man das durchaus getrennt handhaben. Das erfährt man natürlich nicht aus dem Prospekt des Massenproviders, weil dann auffallen würde, a) wie teuer dort z. T. die Gebühren für Domänen sind und vor allem b) wie leicht man bei Unzufriedenheit wechseln könnte. Und wenn man im Internet danach sucht, dann findet man endlich auch Infos dazu, zum Beispiel bei NetzweltExterne Domains erleichtern das Webhosting“, T3NWelche Domain-Registrare sind auch für kleinere Mengen empfehlenswert?” oder “Wozu externe Domains gut sind” bei Berufebilder. Da kommt mir die Bloggertour der Cebit 2013 zu Hilfe, wo man sich austauschen und Tipps bekommen kann. — Als ich mich in das Thema einzuarbeiten beginne, stellt Jonas von Uberspace vor ein paar Wochen m. E. vollkommen richtig fest:

(…) im Grunde wäre es einfacher, sich für Domains einen Registrar zu suchen und bei dem die nächsten tausend Jahre zu bleiben, denn eine *Domain* ist letztlich eigentlich nur ein Datenbankeintrag bei einer Registry — da kann man eigentlich kaum etwas schlechter oder besser machen. Wenn Leute umziehen, dann eher, weil sie mit dem *Hosting* unzufrieden sind; da gibt’s eben auch viel größere Unterschiede. [gefettete Hervorhebung durch mich ]

Genau deshalb bin ich mit meinen neuen Projekten beim Webhoster Uberspace . Dort kann man wörtlich jederzeit mit hosted Web einsteigen und erhält dann erstmal je nach freiem Server eine kryptische URL à la http://strgu.lynx.uberspace.de/. Als ich dann anfrage, wie man denn die Domäne STRG-U.net schalten könne, bekomme ich Konfigurationsdaten für die DNS-Einträge (A/AAAA/MX) — oder willst du, daß wir für dich registrieren? Die Trennung von Webspace und Domäne ist bei Uberspace absolut üblich und niemand macht einem einen Vorwurf (oder behauptet gar, daß es nicht ginge), Bei Uberspace geht's ab 50 Cent/Monat los.wenn man seine Domäne “extern” mitbringen möchte.

Bei Uberspace geht’s ab 50 Cent/Monat los.

Neben Google und Mundpropaganda gibt es auch Vergleichsportale wie beispielsweise “Webhostlist“. Dort findet man eben nicht nur den schnöden Preisvergleich, sondern indirekt auch Ansatzpunkte für weitere Recherche: Welche Anbieter gibt es, welche werden besonders häufig genannt, wie wird der Service eingeschätzt? — Wem das fürs erste alles zu kompliziert ist, bekommt bei Uberspace faire Preise mit einmalig 5 Euro Einrichtung und 0,50 Euro monatlich für die “üblichen” TLDs.

Kosten analysieren

Ganz so groß wie früher ist der Preisabstand nicht mehr, aber man muß genau hinsehen. Beispiel: Strato. Oben auf der Seite findet man sensationelle 0,19 Euro/Monat(!) im ersten Jahr, danach dauerhaft(?) 0,29 Euro/Monat (macht jeweils 2,28 Euro bzw. 3,48 Euro pro Jahr). Direkt darunter kostet die de/eu-Domäne aber 0,49 Euro/Monat und in der zugehörigen Fußnote 0,99 Euro/Monat (macht jeweils 5,88 Euro bzw. 11,88 Euro pro Jahr [Korrektur: trotz Schrägstrichs geht hier wohl tatsächlich um “de” und “eu” im Doppelpack, aber mit Hinweis “.eu/.de-Domain für 12 Monate 0,49 €/Mon., danach 0,99 €/Mon. Mindestvertragslaufzeit 12 Monate.”]). Strato lockt mit günstigen Aktions-Preisen. (Quelle: Strato Homepage, 8.3.2013)Während des Aktionszeitraumes bis 31.3.2013 kann man für “de” durchaus ein Schnäppchen machen, die regulären Preise gehen im zweiten Jahr aber nach oben und können zu anderen Zeiten auch ganz anders ausfallen.

Strato lockt mit günstigen Aktions-Preisen.
(Quelle: Strato Homepage, 8.3.2013)

Noch den Durchblick? Immer genau hinsehen: Strato gibt Preise pro Monat an. Und: Für die Buchung als “Zusatzdomain” für ein Webhostingpaket gelten übrigens andere — meist deutlich höhere(!) — Preise (i. d. R. 0,99 bzw. 1,49 Euro/Monat zzgl. 2,49 Euro Einrichtungsgebühr). Das macht in meinem Fall einige “gewachsene” Pakete extrem unübersichtlich und teuerer als nötig. Darüber hinaus rechtfertigt Strato seinen m. E. schlechten Service mit einer angeblich “effizienten und kostengünstigen Abwicklung”, der aber eben nicht generell preiswerter als bei anderen und bei Verknüpfung mit Webhosting schwer vergleichbar ist (siehe o. g. Zusatzdomains).

Achtung, diese Liste ist keine Empfehlung im Sinne von “geprüft” oder “gut”, es ist meine persönliche Checkliste nach Gesprächen und einer simplen Google-Suche. Da ich diesbezüglich selbst Einsteiger bin, kann ich an dieser Stelle leider nicht Service und Brauchbarkeit des Konfigurationsbackends beurteilen. — Über konstruktives Feedback würden sich natürlich alle freuen, die ebenfalls gerade auf der Suche sind.

Die Preisangaben in der Übersicht sind ein “Schnappschuß” von Anfang März 2013. Natürlich können zum Teil noch Einrichtungs- oder Transfergebühren hinzukommen, mancher Preis ist eine “Aktion”, manchmal gibt es eine Mindestlaufzeit. Also bitte immer genau hinsehen, alles durchlesen und ggf. beim Anbieter nachfragen — das könnte dann schon der erste Test des Kundendienstes sein.

 

Was kostet eine Domäne?
Internetworx OVH TecSpace Strato

Preise, FAQ

Preise, FAQ

Preise, FAQ

Preise, FAQ

de

4,65

4,99

2,50

3,48

com

9,90

8,99

12,00

11,88

net

9,90

8,99

12,00

11,88

org

9,90

8,99

12,00

11,88

eu

8,90

8,29

12,00

9,48

biz

9,90

9,50

12,00

17,88

it

11,90

8,29

12,00

k. A.

tv

26,90

23,99

30,00

59,88

Kosten pro Jahr in Euro; alle Angaben ohne Gewähr, Stand 8.3.2013.

Nach “com” ist “de” weltweit die zweithäufigste TLD und für deutsche Kunden meist auch die günstigste (bei OVH in einer Aktion “de” für 3,04 Euro/Jahr, bei TecSpace ab 2,50 Euro/Jahr). Was bei allen Registraren auffällt, ist eine deutliche größere Auswahl an TLDs als beim Massenprovider und oft etwas günstigere Preise, besonders bei Nicht-de-Domänen. Wer sein Webprojekt etwas ambitionierter angeht, interessiert sich vielleicht auch für andere Endungen, die ein wenig mit Umdeutungen spielen. Neben “net” und “org” bietet sich beispielsweise Italien mit “IT” an oder Polen mit “PL” (für Perl; im März bei Internetworx statt 19,90 Euro für 4,99 Euro). Die ehemals gehypte TLD von Tuvalu “tv” erzielt bei weitem nicht die erträumte “Rendite” und ist fast überall für maximal 30 Euro jährlich zu haben.

Inzwischen sind in vielen Domänen-Namen auch Umlaute erlaubt, leider gibt es bei den zugehörigen E-Mail-Adressen noch immer Probleme bzw. es funktioniert schlicht nicht. Man sollte dann zusätzlich eine umlautfreie TLD buchen oder generell auf einen anderen E-Mail -Account ausweichen.

Obwohl es primär um die Verwaltung von Domänen geht, versuchen sich die einzelnen Anbieter dann doch wieder mit Extras abzuheben: OVH bietet als Zugabe ein bißchen Webhosting für Landingpages usw. TecSpace erschreckt einen bei den FAQ zunächst mit einer kleinen Fehlermeldung — “Es gibt derzeit keine TecSpace FAQ” — man muß sich durch die Navigation klicken und findet dann doch entsprechende Auskünfte, u. a. auch Webhosting…

Theoretisch kann man seine “de”-Domänen auch direkt beim Denic verwalten lassen — praktisch sind die Preise für Endkunden uninteressant (zum Beispiel 116 Euro/Jahr bzw. 58 Euro/Jahr — oder habe ich eventuell etwas falsch verstanden?). Oder sollte man zum weltweit größten Registrar GoDaddy gehen? Die Preise unterscheiden sich kaum von den o. g., zum Beispiel “com” z. Zt. 8,99 Euro/Jahr statt 12,89 Euro/Jahr zzgl. ICAN-Gebühr von 0,14 Euro/Jahr. Die “de” ist mit 9,99 Euro/Jahr (statt 15,49 Euro/Jahr) sogar deutlich teuerer. Neben der Sprache kann auch mangelnde “Ortskenntnis” der deutschen Verhältnisse zur Hürde werden.

Fazit: Aufräumen.

Es geht hier nicht in erster Linie darum Geld zu sparen, kein “Geiz ist geil”! Es ist primär die steigende Unzufriedenheit mit einem Webhoster, der mich nach über zehn Jahren “Zusammenarbeit” und knapp zwei Dutzend Domänen bei Problemen hängen läßt. Außerdem sind Abrechnungen durch o. g. Aktionspreise, Upgrades, Wandel, Preissenkung für Pakete, “kostenlose” Inklusivdomains und Aufschläge für Zusatzdomains usw. kaum noch durchschaubar. Darüber hinaus scheint mir die sogar von einem Webhoster empfohlene Trennung von Domain-Registrar und Hosting/Server ein sinnvoller Schritt zur Organisation mehrerer Websites. Wie immer bedeutet “mehr Freiheit” aber auch mehr Eigenverantwortung und Einarbeitungsaufwand. Die praktische Umsetzung betrifft:

  1. Webhosting zu anderen Providern übertragen, vorzugsweise zu Uberspace.
  2. Zusatzdomänen — insbesondere nicht-“de” — und Neuregistrierungen zu einem der o. g. Registrare übertragen.
  3. Die bestehenden reinen Domänen-“de”-Accounts vorläufig behalten, neue Domänen ggf. mit einem Registrar ausprobieren.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.