Was passiert beim Löschen — und wie kann man die Daten retten?

Wenn beim mobilen Einsatz die Speicherkarte plötzlich voll ist, möchte man auch unterwegs schon ein paar Bilder löschen, um Platz zu schaffen — oder besonders peinliche Bilder gleich in den Orkus schicken. Doch wenn man allzu flink das Löschen bestätigt oder gar aus Versehen auf “Alle löschen” landet, heißt es kühlen Kopf zu bewahren!

Bilder versehentlich gelöscht -- was nun?

Bilder versehentlich gelöscht — was nun?

Bei dem auf Speicherkarten üblichen FAT-System wird beim Löschen nicht das Bild gelöscht, sondern im Inhaltsverzeichnis der erste Buchstabe des Eintrages durch ein Sigma oder ein anderes Sonderzeichen ersetzt. — Das heißt, es gibt noch Hoffnung auf Datenrettung, wenn man richtig reagiert…

Was passiert beim Löschen und wie kann man es rückgängig machen?

  1. Diese Datei wird im Inhaltsverzeichnis nicht mehr angezeigt und kann dementsprechend auch nicht mehr ausgewählt werden. Das Bild als solches ist bis jetzt aber (noch) nicht gelöscht.
  2. Die mit diesem Inhaltsverzeichniseintrag verknüpften Speicherbereiche (Sektoren) werden als “frei” definiert.
  • Wenn jetzt eine neue Datei geschrieben werden muß, weil man ein neues Foto gemacht hat, können diese Speicherbereiche überschrieben werden (müssen aber nicht). Erst jetzt wird ein versehentlich gelöschtes Bild tatsächlich (teilweise) gelöscht.

Wenn man aus Versehen ein Bild gelöscht hat, darf man keine neuen Fotos machen! Am besten die Speicherkarte sofort entnehmen und den Schreibschutz einschalten (bei SD-Karten). Die Chancen, dann die Bilder noch retten zu können, stehen sehr gut.

Auch der Begriff “Formatieren” wird gelegentlich mißverstanden: Dabei geht es nicht um irgendein Bildformat, sondern die Speicherkarte wird in einen “jungfräulichen” Zustand zurückversetzt — wobei u. U. sämtliche Dateien auf der Speicherkarte gelöscht werden: Oft bedeutet “quick”, daß nur das Inhaltsverzeichnis neu angelegt wird und der Datenbereich unangetastet bleibt — es also ebenfalls eine Rettungschance gibt. Der Modus “low level” macht dagegen alles platt. Inzwischen weisen meistens zusätzliche Hilfetexte im Menü der Kamera darauf hin (doch Vorsicht vor schlechten Übersetzungen). — Formatieren ist somit ein wenig unangenehmer als “Löschen” bzw. “Alle Löschen”, weil dabei nicht nur die Verwaltungsinformation einer Datei gelöscht wird, sondern erheblich mehr Informationen das ganze Medium betreffend.

Achtung: Hier ist vom Löschen direkt in einer Kamera die Rede. Wenn man auf dem Computer Dateien/Fotos löscht, findet man sie i. d. R. meist unversehrt im Papierkorb und kann sie dort einfach wieder heraus nehmen!

Analogien sind immer ein wenig heikel, aber vielleicht kann man Löschen bzw. Formatieren im Vergleich mit einem dicken Buch so formulieren: “Löschen” eines Bildes oder einer Datei bedeutet, den ersten Buchstaben im Inhaltsverzeichniseintrag durch ein “X” zu ersetzen (wobei “X” als “nicht beachten” zu verstehen ist) — mehr passiert erstmal nicht. Beim “Formatieren” wird das komplette Inhaltsverzeichnis herausgerissen und weggeworfen (gelöscht!) — bei einer “Schnellformatierung” betrifft dies tatsächlich nur das Inhaltsverzeichnis, bei einer vollständigen oder “low level”-Formatierung werden alle Seiten “ausradiert”.

Hilfe per Software

Es bestehen bei überlegtem Handeln also gute Chancen, verloren geglaubte Bilder zu retten, zum Beispiel mit “Handy Recovery” (wobei das “Handy” nix mit Mobiltelefonen zutun hat). Das Programm kostet in der neuesten Version rund 50 US-Dollar — das sollte einen nicht schrecken, Gelöschte Dateien wiederbeleben (Bild: SoftPerfect)denn die kostenlose 1er Version ist noch immer verfügbar (letztes Drittel der Seite) und nicht nur für die Wiederherstellung versehentlich gelöschter Fotos geeignet. Die kostenpflichtige Version unterstützt mehr Dateisysteme und mehr Funktionen eine komplette Festplatte wiederherzustellen.

Gelöschte Dateien wiederbeleben
(Bild: SoftPerfect)

Da Speicherkarten fast ausschließlichen das einfache FAT-System verwenden und es dort auch keine komplizierten Ordnerstrukturen zu berücksichtigen gibt, ist ein “einfaches” Programm nicht nur ausreichend, es vermeidet auch eine Vergrößerung des Schadens durch Fehlbedienung. Gratis und ebenfalls leicht zu bedienen ist auch SoftPerfect File Recovery.

Tipp: Solche Software unbedingt vor einem Notfall installieren und ausprobieren, damit man später in Hektik die Lage nicht noch verschlimmert. Im Zweifelsfalle jemanden um Rat fragen, der sich damit auskennt.

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