Was machen Sie für Ihre Mitarbeiter? [Update]

In der ersten April-Woche macht Die Zeit mit folgendem Titel auf: “Meine Firma liebt mich nicht” (Quelle: “Die Zeit” via “Meedia”, 3.4.2014). “Anmoderation” auf der Titelseite lautet: “Obwohl viele Jobs sicher sind und gut bezahlt, geht die Mehrheit der Deutschen nicht gerne zur Arbeit. Zum Teil liegt das an zu hohen Erwartungen. Vor allem vermissen Mitarbeiter eines: Wertschätzung.”

Meine Firma liebt mich nicht (Quelle: Die Zeit via Meedia)

Meine Firma liebt mich nicht
(Quelle: “Die Zeit” via “Meedia”)

Dazu paßt gut eine Recherche auf die ich ebenfalls vor ein paar Tagen auf der Website “Wirtschaftsjournalist” (Heft 3/2013) stoße: Wie sozial sind PR-Agenturen? Der Artikel ist leider nicht online verfügbar, dafür aber sowie die zu Grunde liegende Umfrage.

Schon die Fragestellung ist Provokation, die in der Umfrage allerdings etwas abgeschwächt “Was machen Sie für Ihre Mitarbeiter ?” heißt. — Wie jetzt, mehr als Gehalt zahlen..? Für Ihre Befragung hat sich die freie Journalistin Katy Walther PR-Agenturen ausgesucht. — Sechs Fragen, jeweils an die Agentur-Chefs gerichtet:

  1. Hat die Arbeitsbelastung innerhalb der Branche in den letzten Jahren zugenommen? Und wenn ja, woran liegt das?
  2. Wie wird Leistung bei Ihnen definiert und gemessen?
  3. Werden Überstunden in Ihrer Agentur erwartet und auch bezahlt?
  4. Müssen Ihre Mitarbeiter nach Feierabend und an den Wochenenden telefonisch oder per Mail erreichbar sein?
  5. Mit welchen konkreten Maßnahmen unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei, neben dem Beruf auch noch ausreichend Zeit für Privatleben und Familie zu haben?
  6. Ist Stress- und Burnout-Prävention in Ihrem Haus ein Thema?

Von 60 angefragten Chefs antworten nur 13 — keine Antwort ist wohl auch eine Antwort…

  1. A&B One
  2. achtung!
  3. Dr. Haffa & Partner
  4. Edelman Deutschland
  5. Fink & Fuchs PR
  6. FleishmanHillard Deutschland
  7. Klenk & Hoursch
  8. Möller Horcher Public Relations
  9. komm | public
  10. pioneer communications
  11. pr nord
  12. Public Relations v. Hoyningen-Huene
  13. Sympra

Die Antworten sind zur eigenen Beurteilung als PDF verfügbar — vielleicht sollte man auch als potentieller Auftraggeber einmal hineinschauen…

 

[Update]

“Was mit Medien” ist der vage geäußerte Berufswunsch vielen Studenten. Der Spiegel berichtet nun in fünf Beispielen, was zehn Jahre danach aus den hoffnungsvollen Anfängen geworden ist:

  1. Journalistin –> Unternehmerin mit Internetportal
  2. Redakteur –> Projektmanager
  3. Journalistin –> Marketingmanagerin
  4. “Irgendwas mit Medien” –> Referent beim WDR
  5. “Irgendwas mit Literatur” –> Referentin Umweltministerium

[Update II]

Der begleitende Artikel zu “Was machen Sie für Ihre Mitarbeiter?” von Katy Walther ist nun auch online via newsroom.de verfügbar. — Ein Auszug:

In den einschlägigen Rankings der Branche schneidet die inhabergeführte Firma gut ab, auch als Arbeitgeber. Claudias Job ist abwechslungsreich, sie mag die Kollegen. Das Problem ist nur, der schöne Schein trügt: Claudia fühlt sich wie eine „Sklavin“: „Nach außen hin präsentiert sich die Führungsriege seriös und sozial“, sagt sie, „doch innen herrscht Psychoterror. Wer nicht mitzieht, wird fertiggemacht, bis er spurt. Oder geht.“ (Quelle: a. a. O.)

Eine kritische Analyse — doch ob sie etwas ändern wird? So lange eine privilegierte Berufspolitikerkaste ihre fünfstelligen monatlichen “Entschädigungen” und ebenso hohen Ruhegehälter als Maßstab annimmt — eher unwahrscheinlich. Gerade wurden beim Mindestlohn wieder die Arbeitnehmer ausgenommen, die es mit einem Mindestlohn vor Ausbeutung zu schützen gilt.

Auch als Journalist kann man sich im Land der Dichter und Denker über den kürzlichen Tarifabschluß kaum freuen, werden doch ganze Redaktionen in tariflose Subunternehmen ausgegliedert — selten aus wirtschaftlicher Not des Unternehmens, sondern eher zur Profitmaximierung. Anschließend darf man dann den selben Job zum halben Preis oder als fester Freier machen. Es gibt also noch viel zu tun…

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