Warum ich E-Ink liebe — Praxistest Kindle 4

Es wird manchen vielleicht überraschen: Obwohl ich seit einiger Zeit einen Tablett-PC habe, scheint mit ein zusätzlicher E-Book-Reader mindestens ebenso reizvoll. E-Book-Reader mit E-Ink-Disply ist auch in der prallen Sonne ablesbar.Aus dem relativ überschaubaren Markt sticht m. E. der Amazon Kindle hervor — inzwischen zum Schnäppchenpreis von 49 Euro.

E-Book-Reader mit E-Ink-Display ist auch in der prallen Sonne ablesbar.

E-Book-Reader werden als mobiles Gerät zu Unrecht wenig beachtet, obwohl sie eine interessante Displaytechnik in den Markt eingeführt haben. Schon als ich das erste Mal ein Gerät mit E-Ink-Technik in der Hand halte, überzeugt mich diese: Es ist eine sehr klare, flimmerfreie Anzeige, die darüber hinaus zur reinen Anzeige keinen Strom benötigt — gute Voraussetzung für eine mobile Nutzung.

Dieser Praxistest bezieht sich auf den “normalen” Kindle 4, also ohne Tastatur, kein 3G, nix Touch oder Beleuchtung. Praxistest heißt auch, daß ich hier nicht auf jede einzelne Funktion eingehe (dazu gibt es eine mitgelieferte umfangreiche Anleitung, aber auch ein kostenloses E-Buch von mir), sondern mich auf meinen persönlichen Eindruck konzentriere — und zu einem überraschendem Ergebnis komme.


Das Kindle-Konzept

Das Gerät hat — wie die meisten seiner Mitbewerber — ein Display mit ca. 15 cm (6 Zoll) Diagonale in E-Ink-Technik. Mit Außenabmessungen von 11,5 x 16,5 cm und knapp 9 mm Dicke bei einem Gewicht von 170 g ist es sehr handlich und mit einem echten Taschenbuch vergleichbar, in vielen Fällen sogar leichter. Daten gelangen entweder per WLAN oder USB-Anschluß auf das Gerät — letzterer dient auch zum Aufladen des Akkus.

Neben dem hier genutzten “normalen” Modell gibt es die Variante “Paperwhite” (109 Euro), die eine Fingerbedienung erlaubt und eine interne Beleuchtung hat. Ferner ist zusätzlich 3G möglich (169 Euro), so daß man weltweit ohne Zusatzkosten Titel aus dem Kindle-Shop herunterladen kann. Nur auf der amerikanischen Seite wird z. Zt. das DX-Modell mit 9,7-Zoll-Display (24,6 cm), Tastatur und 3G angeboten (379 US-Dollar) — und ist dafür mehr als doppelt so schwer.

Unterscheidungsmerkmal zu E-Readern von anderen Herstellern ist weniger die reine Hardware, sondern die Verfügbarkeit von Lesestoff. Da ist Amazon Vorreiter und bietet mehr als die meisten Mitbewerber. Leider verwendet Amazon mit AZW bisher ein eigenes DRM-Dateiformat (basiert auf MOBI), so daß es eine gewisse Bindung gibt, die ein wenig an die Knebel von Apple iTunes erinnern. Außerdem gibt es die “KDP”-Plattform, die Autoren die einfache Selbstvermarktung von E-Books ermöglicht.

Starten mit Kindle

Wenn man den Kindle über seinen eigenen Amazon-Account gekauft hat, ist er z. T. schon konfiguriert. Aber auch sonst findet man sich als geübter Computernutzer schnell zurecht. Sonst muß man auf der Amazon-Website das Gerät mit seinem Account verbinden, am Gerät sollte man WLAN konfigurieren, da darüber in der Regel die Bücher auf das Gerät gelangen. Solche Konfigurationsschritte als auch die spätere Benutzung sind in einer ausführlichen Anleitung beschrieben, die bereits auf dem Gerät gespeichert ist — man hat also auch gleich Übungs- und Informationsmaterial . — Wer noch mehr wissen möchte, insb. Tipps & Tricks, greift zum “inoffiziellen Handbuch” (2,99 Euro) von Matthias Mattig, das sich fast schon zum Standard gemausert hat und ständig aktualisiert wird.

Tipp: Beim Einrichten des WLANs darauf achten, ob SSID sichtbar ist und neue Geräte überhaupt zugelassen werden.

Mein Gerät ist schon teilgeladen, so daß ich sofort loslegen kann. Wenn man den Kindle an eine USB-Schnittstelle anschließt, wird er als “Massenspeicher” erkannt. Das ist praktisch und notwendig, wenn man ihn per USB-Kabel mit eigenen Inhalten bestücken möchte. Es funktioniert dann wie ein USB-Stick, wobei allerdings nur ca. 1¼ von 2 Gigabyte zur Verfügung stehen. Nicht so schlimm, denn reine Kindle ist ein MassenspeicherTexte, wie sie für einen E-Book-Reader verwendet werden, haben nur einen Umfang im Kilobyte-Bereich.

Kindle ist ein Massenspeicher

Allerdings ist währenddessen die Bedienoberfläche gesperrt. Wenn man das Gerät also nur laden möchte, muß man ein separates USB-Ladegerät verwenden oder das Gerät vom System abmelden. Bei Windows heißt die entsprechende Funktion “Hardware sicher entfernen” geht es am besten über das Kontextmenü des Speichermediums “Auswerfen”, bei Apple muß man das Gerätesymbol in den Papierkorb werfen…

Handhabung anders als gewohnt

Anders als sich viele möglicherweise denken, ist nicht PDF das Format der Wahl für ein E-Buch. Im Gegenteil, ein E-Buch muß sehr flexibel sein, damit es formatierbar bleibt und Einstiegspunkte für die Sonderfunktionen bietet — im GrundeBei einem E-Buch kann man das Erscheinungsbild selbst anpassen (Original Screenshot) genommen wie eine gut programmierte Website. Anders als bei einem gedruckten Buch kann der Leser Schriftschnitt, Größe und Zeilenabstand bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmen. Beim Kindle ist die Auswahl nicht ganz so groß wie bei anderen Readern, aber m. E. vollkommen ausreichend.

Bei einem E-Buch kann man das Erscheinungsbild selbst anpassen (Original Screenshot)

Standardmäßig sind Kindle-E-Bücher im AZW-Format. Wenn das Buch einen DRM-“Schutz” hat, ist man leider auf Amazon/Kindle festgenagelt. Es werden aber auch im Kindle-Shop ungeschützte/kostenlose Bücher angeboten. Darüber hinaus kann man über zusätzliche Software vieles importieren (z. B. via Calibre). — Liste der unterstützten Dateiformate (Quelle: Amazon): Kindle (AZW), TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP nach Konvertierung.

Die zwei Gigabyte Speicher scheinen zwar auf den ersten Blick etwas knapp, sind aber für fast reine Textdateien wie ein E-Book vollkommen ausreichend. Im Gegenteil, die “bis zu 1.400 Bücher” der Werbung wird der Kindle m. E. in Sachen (Un-) Übersichtlichkeit kaum verkraften. Ich habe inzwischen ca. 150 Titel auf dem Gerät und finde es schon ziemlich schwierig den Überblick zu behalten. Das liegt auch daran, daß man den “Home”-Bildschirm kaum selbst konfigurieren kann, alles gnadenlos in 10er-Schritten auf mehrere Seiten aufgeteilt wird. Lediglich “Sammlungen” können bei der Organisation helfen, sind aber ebenfalls recht umständlich in Handhabung. Ein wenig kann es helfen, die Sammlungen auf einem Software-Kindle anzulegen und dann zu importieren.

Nach dem Hype um Multitouchdisplays, die sieben Finger gleichzeitig erkennen und dabei Polka spielen, muß man beim Kindle umdenken: Es gibt am unteren Rand vier Tasten und ein Cursorpad für die Steuerung sowie am Rand vier Tasten zum Blättern. Die Tasten unten benötigt man zur Auswahl des Buches, zur Organisation der Inhalte sowie für die Sonderfunktionen (Wörterbuch, Notizen usw.).

Bedienelemente des Kindles (Quelle: Kindle PDF-Anleitung)

Bedienelemente des Kindles
(Quelle: Kindle PDF-Anleitung)

Auf vielen Abbildungen leicht zu übersehen sind die in den Rand eingelassenen Tasten zum Weiterblättern während des Lesens: a) die größere dient stets für “weiter”, die kleinere immer für “zurück”, egal ob auf der linken oder rechten Seite des Gerätes und b) soll man nicht seitlich dagegen drücken, sondern leicht schräg von oben darauf drücken — dann geht es auch wunderbar (gewissermaßen über den Rand streichen wie beim Daumenkino).

Die Tasten sind etwas klein und liegen dicht zusammen.

Die Tasten sind etwas klein und liegen dicht zusammen.

Ob nun Handy, Fensterheber im Auto oder Kindle, wenn Bedienelemente dicht nebeneinander liegen, versuchen viele Benutzer durch genaues Hinsehen ein Gerät zu bedienen, sind dann allerdings abgelenkt und unzufrieden. Da auch beim Kindle die Bedienknöpfe am unteren Rand ziemlich klein sind und dicht beieinander liegen, sollte man sich die Positionen/Funktionen merken und sich dann auf das Tastgefühl verlassen. Mit etwas Übung kann man dann die beim Lesen(!) wichtigen Funktionen fast im Schlaf und in 1-Hand-Bedienung verwenden.

Lesen macht Spaß

Stauszeile mit Titel, Uhrzeit, Wifi und Ladezustand.

Wenn man sich erstmal ein Buch ausgeguckt hat, dient fast der komplette Bildschirm der Textdarstellung (Statuszeile nur bei Menüfunktionen sichtbar). Lediglich am unteren Rand gibt es einen kleinen Fortschrittsbalken, der mindesten eine Prozentangabe liefert. Kleine Marken im Balken markieren Kapitel, die man direkt anspringen kann. Optional sind Positions- bzw. Seiten-Angaben.

Seiteninformation innerhalb eines Buches.

Seiteninformation innerhalb eines Buches.

Wer wissenschaftlich mit einem E-Book arbeitet, hat möglicherweise Probleme mit exakten Quellenangaben. Es liegt in der Natur der Sache, daß bei individueller Wahl der Schriftgröße und des Zeilenabstandes durch den Leser sich der Umbruch ändert (leider oft auch beim Zurückblättern). Nur wenige Bücher liefern dann als Info eine feste Seitenzahl mit, wenn es ein gedrucktes Pendant gibt. Im X-Ray-Modus (beim Paperwhite) sollen sogar Hintergrundinformationen zum Text zur Verfügung gestellt werden — muß allerdings vorher vom Autor entsprechend eingearbeitet werden und ist entsprechend selten.

Wenn man ein Buch nur von vorn bis zum Ende liest (z. B. Roman), benötigt man kein Lesezeichen wie man es vom gedruckten Buch kennt, das Gerät merkt sich die Leseposition automatisch Fotodarstellung in Graustufen.für jedes angefangene Buch. Die gleichnamige Funktion dient eher dazu, bestimmte Seiten zusätzlich zu markieren, wobei außerdem Notizen angelegt werden können (können als Text exportiert werden und finden sich als “Clippings”-Datei auf dem Kindle zum Runterladen).

Fotodarstellung in Graustufen.

Auch Bilder sind mit 16 Graustufen gut möglich, Strichzeichnungen/Radierungen sehr gut, aber auch einzelne Fotos bleiben gut erkennbar (Original von 52pics). Problematisch sind dagegen große Formate, die überflüssigerweise auch noch auf “unveränderbar” getrimmt sind.

Ärgernis DRM — wieder einmal…

Ein DRM ist nicht nur ein Ärgernis, weil es gewollt die Rechte des Käufers enorm einschränkt (kein Verleihen, kein Verkauf usw.). Besonders übel wird es, wenn das DRM mit seinen eigenen Richtlinien offenbar nicht klarkommt. Im konkreten Fall hat das “System” den Überblick über die Lizenzen verloren und schon am fünften Tag die Hälfte meiner Bücher (mit DRM) für “illegal” erklärt. Die Ursache liegt vermutlich darin, daß ich neben dem echten Kindle vorher ausgiebig die Kindle-Software Dieser Inhalt kann nicht geöffnet werden...verwendet habe und jede Installation eine Lizenz “verbraucht” (standardmäßig darf man ein DRM-Buch gleichzeitig auf sechs eigene Geräte laden).

Dieser Inhalt kann nicht geöffnet werden…

Außerdem war die Hardware schon auf andere Accounts angemeldet und es gab in der internen Konfiguration möglicherweise “Reste”… Leider gibt es auch im Backend “my kindle” überhaupt keine Funktion, die über “verbrauchte” Lizenzen Auskunft gibt oder die Freigabe nicht mehr benötigter Lizenzen ermöglicht (wie zum Beispiel vom Tablett X10, das als Testgerät ebenfalls nicht mehr für diesen Account im Einsatz ist, auf dem ich aber auch via kostenloser App gelesen habe). Man kann dann zwar solche Geräte insgesamt abmelden, aber ob dann alle Lizenzen damit verbundener Bücher wieder freigegeben werden, scheint mir seit o. g. Erlebnissen fraglich. — Zwar hat der Amazon-Kundendienst sofort und geduldig geholfen (sogar mit kostenlosem Rückruf), trotzdem sollte Amazon hier intensiv nachbessern. Sechs Lizenzen sind schnell weg, wenn es in der Familie mehrere Geräte gibt oder man peu à peu alte Kindles ersetzt und dann eben doch zwischendurch einmal sein Smartphone oder das Tablett wg. der Farbbilder nutzt.

Simples Backend

Der große Vorteil des Kindle gegenüber anderen Lesegeräten ist seine enge Verknüpfung mit Amazon, so wird beispielsweise die Auslieferung von Büchern via E-Mail oder WLAN möglich. Als Schaltzentrale dient dabei das Backend “My Kindle”, das m. E. aber nicht auf der Höhe der Zeit ist, wenn man den Kindle intensiv nutzt:

  • In der Übersicht gibt es keine Anzeige der gewährten/verbrauchten Lizenzen (Amazon verweist auf die externe Produktbeschreibung, was nur bedingt hilft) und auch keine Warnungen, wo es “klemmt”.
  • Das Kontext-Menü scheint zwar gerade für Anfänger praktisch, ist bei vielen Inhalten aber sehr umständlich.
  • Umbruch ist auf 15 Einträge pro Seite fest eingestellt, es sind keine/kaum Blockoperationen möglich um Dokumente in großem Stil übertragen oder löschen zu können (z. B. Zeitungen, Privatdokumente usw.), Tabelle wird nach jeder Aktion neu geladen.

Unter My Kindle kann man seine Bücher organisieren.

Unter “My Kindle” kann man seine Bücher und Dokumente organisieren.

Mobilität — Akkulaufzeit in Wochen

Egal ob Laptop, Digicam oder Smartphone zur Mobilität gehört einerseits ein “angemessenes” Gewicht, andererseits eine “ordentliche” Akkulaufzeit. Durch Verwendung der E-Ink-Technologie erweisen sich alle E-Book-Reader als äußerst sparsam und damit verbundene kleinere Akkus machen sich sofort durch geringes Auch der Blickwinkel spielt keine Rolle.Gerätegewicht bemerkbar. Im Betrieb benötigt lediglich der Zustandswechsel Energie. So ist eine Laufzeitangabe eigentlich unsinnig (von WLAN und 3G abgesehen), entscheidend ist vielmehr die Häufgkeit des Umblätterns. Beim Kindle 4 kommt man so auf 170 Gramm und mehrere Wochen Laufzeit.

Auch der Blickwinkel spielt keine Rolle.

Neben Laufzeit und Gewicht spielt gerade die Ablesbarkeit des Displays bei einem Lesegerät eine entscheidende Rolle. E-Ink nennt sich auch elektronische Tinte, erzielt fast ein Schwarzweißbild wie bei einem Druckerzeugnis. Gerade in der prallen Mittagssonne ist der Text sehr gut erkennbar (je heller desto besser), auch der Blickwinkel spielt kaum eine Rolle wie bei einem Farbbildschirm, wo auch teuere OLED- oder IPS-Panels in der Darstellung nicht besser sind. Allerdings braucht man abends eine Leselampe — ganz so wie beim gedruckten Buch.

Weil beim Weiterblättern Teile des ursprünglichen Textes stehenbleiben können, wird das Display alle paar Seiten mit einem kurzen schwarzen Aufflackern “ausradiert”. Beim Kindle geschieht dies normalerweise alle sechs Seiten, kann aber auf jedes Umblättern umgestellt werden. Schwarzweißdarstellung und Displaygröße schränken das Spektrum gegenüber einem Tablett momentan zwar ein, aber die Technologie für A4-große Farb-Displays ist durchaus schon vorhanden….

Extras, die kein gedrucktes Buch hat.

Sicherlich hat ein E-Buch gegenüber einem gedruckten Buch Nachteile — aber einer der Vorteile ist die parallele Verwendung von Wörterbüchern. Wenn man einen Kindle bekommt, erhält er neben der Anleitung schon zwei Wörterbücher (wenn nicht, kann man sie von der Kindle-Website kostenlos herunterladen; gilt leider nicht für Software-Kindles). So gibt es ein deutsches “Duden – Deutsches Universalwörterbuch”, das Begriffe erläutert, wenn man mit dem Cursorpad die Schreibmarke auf ein Wort bewegt. Speziell für englische Texte gibt es das “Oxford Dictionary of English”, das entsprechende Erläuterungen anzeigt (leider aber nicht übersetzt).

Das Wörterbuch zeigt die Info unmittelbar an.

Das Wörterbuch zeigt die Info unmittelbar an.

Man kann allerdings auch zweisprachige Wörterbücher hinterlegen, die einem beim Lesen eines fremdsprachigen Textes behilflich sein können: Man navigiert auf den fraglichen Begriff und es wird ohne weiteres Blättern oder Abtippen direkt die Übersetzung angezeigt (zum Beispiel “Wörterbuch Englisch-Deutsch” für 2,68(!) Euro, ebenfalls von Mattig oder Eigenbau).

Über eine spezielle E-Mail-Adresse ???@kindle.com kann man sich Dokumente per E-Mail schicken. Damit von Dritten kein Unsinn getrieben wird, muß man dabei die Absenderadresse hinterlegen, von der solche Mail entgegengenommen und auf den Kindle weitergeleitet werden. Zusammen mit entsprechenden Browser-Plugins oder anderen Zusatzprogrammen kann man sich so zum Beispiel lange Beiträge aus Blogs zusenden und sie abends gemütlich auf dem Sofa lesen.

Man erwartet es nicht unbedingt in einem Lesegerät für Bücher, aber der Kindle verfügt auch über einen Der Browser liefert eine gute Darstellung (Original Screenshot)Browser. Offiziell wird er zwar als “beta” geführt, funktioniert aber wunderbar, besonders auf barrierearmen und textbasierten Seiten — immerhin ist das E-Buch-Format ja eng mit HTML verwandt.

Der Browser liefert eine gute Darstellung
(Original Screenshot)

Wenn es bei “normalen” Webseiten Darstellungsprobleme gibt, kann man noch eine Lupe einschalten oder von “Webansicht” auf “Artikelansicht” umschalten — ähnlich Tablett-PCs, wenn man durch Antippen auf ein Textfeld nicht stumpf zoomt, sondern einen Textblock vergrößert. Außerdem kann man das Display noch auf Querformat umstellen, das geht leider nicht automatisch, sondern muß im Schriftmenü eingestellt werden. Die Abbildung zeigt einen Original Screenshot, auch das Foto kommt in Graustufen noch gut rüber (siehe Original).

Als weitere Funktion in diese Richtung wünsche ich mir noch einen schlichten E-Mail-Client mit dem man kurz seine Nachrichten überprüfen kann. 6 Zoll Kindle sind da sicher besser als 3 Zoll Smartfon. Bei mobilen Geräten gern vergessen: Man kann die Shop-Funktion und den Browser “kindersichern” oder auch das ganze Gerät mit einem Paßwortschutz versehen.

Fazit E-Book-Reader Kindle

Bis ich das erste Gerät in der Hand halte, bin auch ich in Sachen E-Buch sehr skeptisch — und man muß es auch stets von mehreren Seiten betrachten und seine eigenen Bedürfnisse/Ansprüche definieren und den Umgang erlernen. So ist es mitnichten eine “entweder/oder”-Frage zum gedruckten Buch, mit dem E-Buch wirft man nicht alle gedruckten Bücher aus dem Bücherschrank! Ich schätze durchaus bibliophile Ausgaben, aber gerade diese Bücher würde ich auch nicht in der Straßenbahn oder im Schwimmbad mit mir herumschleppen. Auch ist es kein Ersatz für Tageszeitung und Fachzeitschrift, obwohl dort das Wegwerfen nach dem Lesen durchaus üblich ist und die elektronische Variante Typische Textseite in Kindle (Original)Kostenersparnis und Umweltschutz bedeuten würde — aber bei den üblichen Displaygrößen unter DIN A4 braucht man gar nicht daran zu denken.

Typische Textseite in Kindle (Original)

Entscheidend ist für mich dabei allerdings, daß es nicht darum geht, E-Bücher am Bildschirm im Büro zu lesen — ätzend — sondern auf speziellen Geräten, die ähnlich unabhängig wie ein echtes Buch sind. Da kommt mir der Kindle sehr entgegen. Obwohl 15 cm für den Bildschirm recht klein erscheinen, ist es für reinen Text vollkommen ausreichend. Im Gegenteil, so klein ist das Gerät eben auch bequem mit einer Hand zu halten und in der Handhabung sogar besser als ein echtes Buch, wo die Seiten sich beim Umblättern sträuben. Auch das Gewicht von 170 g belastet nicht — ein 10-Zoll-Tablett-PC liegt bei 600 g und mehr und muß entweder beidhändig gehalten oder abgestützt werden. Gerade in hellem Sonnenlicht ist die Darstellungsqualität des E-Ink-Displays sehr gut und den stromfressenden TFT von iPad & Co. haushoch überlegen. Und das schönste dabei: Da die Textdarstellung wenig Strom verbraucht, ist “Laden” fast kein kein Thema: Mindestens mehrere Tage, je nach Lesegewohnheit sogar Wochen, hält der Akku durch. Wenn man außerdem den Kindle gelegentlich als Massenspeicher an einen Computer anschließt wird er ja nebenbei auch wieder via USB geladen, so daß man gar nicht mehr daran denken muß…

Natürlich hat so ein Gerät auch seine Schattenseiten, die ich schon an verschiedenen Stellen angesprochen habe: Das beginnt damit, daß man DRM-“geschützte” Bücher nicht verleihen oder verkaufen kann, was sich natürlich im Preis niederschlagen muß (was deutsche Verlage nicht kapieren, wenn sie nur 2 Euro Abschlag gegenüber einem gedruckten Exemplar für 24 Euro ansetzen). Wie geschildert, kommt es gelegentlich zu weiteren Problemen, wenn sich Lizenzen auf wundersame Weise “verbrauchen”. Technisch möglich ist leider auch die “Fernsteuerung” (wie das Löschen ausgerechnet von “1984“). Auch die Verknüpfung mit dem Internet und einem speziellen Shop ermöglicht die Erstellung von Nutzerprofilen und generell eine gesellschaftliche Konditionierung auf Schwinden der Privatsphäre. Wer diesbezüglich sehr kritisch ist, kann WLAN abstellen, den Amazon-Account nicht verknüpfen und das Gerät nur mit freien Titeln via USB bestücken.

Eine nette Zugabe ist der Webbrowser, der natürlich besonders gut mit textlastigen Seiten klarkommt (aber das E-Book-Format ist ja eigentlich auch HTML). Aber auch viele Websites die barrierearm angelegt sind lassen sich gut darstellen. Um einen Tablett-PC überflüssig zu machen, fehlt nur noch ein E-Mail-Client. Im Markt der E-Book-Reader ist für mich der Kindle der Favorit, weil für mich das Gesamtkonzept stimmt: Das Buchangebot ist groß, die Anbindung via WLAN und E-Mail ist sehr komfortabel, durch Tools wie Calibre oder Readability kann man den Funktionsumfang erweitern (auch für andere E-Book-Reader).

 

Vorteile Nachteile
  • sehr lange Akkulaufzeit
  • flimmerfreies Bild
  • automatisches Nachschlagen in Wörterbüchern
  • Synchronisierung via WLAN, E-Mail oder USB
  • wird als Massenspeicher erkannt
  • handlich Größe/Gewicht
  • “fremde” Inhalte und eigene Texte möglich
  • Paßwort für Shop und Gerät möglich
  • Browser nicht nur für Shop
  • “Clippings”-Datei für Notizen übertragbar
  • DRM macht Ärger
  • Start-Bildschirm läßt sich kaum individuell konfigurieren
  • bei sehr vielen Büchern trotz “Sammlung” relativ unübersichtlich
  • bei wissenschaftlichem Arbeiten stehen keine verläßlichen Seitenzahlen für Quellenangaben zur Verfügung
  • Bedienelemente unterhalb des Bildschirm sind etwas “fummelig”
  • Tastenbelegung kann nicht geändert werden
  • Speicher nicht erweiterbar
  • Zeiteinstellung für Ruhemodus fest
  • keine eigenen Bilder für Ruhemodus (-> Hack)
  • ohne Computer ist ein USB-Ladegerät notwendig (nicht im Lieferumfang)
  • E-Mail-Client fehlt noch

(Das Gerät stammt aus eigenen Beständen.)

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