W3W: 3 Wörter weisen dir den Weg.

Wenn im Spätsommer in der Region wieder Blues am Rodelberch ist, wissen zwar Eingeborene wo sie hin müssen. Zugereiste tippen dann vielleicht “Hohnhorstweg” in ihren Navigator, aber eine Hausnummer gibt’s nicht.

Rodelberch am Hohnhorstweg -- oder sänger.angehört.esel in W3W.

Rodelberch am Hohnhorstweg — oder “sänger.angehört.esel” in W3W.

Wenn einerseits eine Adresse aus Straßennamen und Hausnummer nicht präzise genug ist, andererseits sich die Zahlenkolonnen für Längengrad und Breitengrad (aka GPS) niemand ohne technische Hilfsmittel merken kann, sollen drei Wörter sicher zum Ziel führen.

Ob es sich nun ein Ziel im Park, eine Foto-Location auf der grünen Wiese, einen lost place oder einen Postkasten irgendwo auf Welt bei einer chaotischen Stadtverwaltung handelt — W3W (what3words) will dir aus der Patsche helfen.

Den Rodelberch findest du sicher unter sänger.angehört.esel — ohne den Straßennamen, den Ortsnamen oder sonstwas wissen zu müssen. Was ist das denn für ein Unfug? Der Entwickler dieses Konzepts teilt die Erde in 3 x 3 Meter große Planquadrate ein und ordnet ihnen mit Hilfe eines Algorithmus und einer Datenbank eine präzise 3-Wort-Adresse zu. Diese gibt es in Englisch, Deutsch, Französisch und noch ein paar anderen Sprachen (dabei geht es nicht um Übersetzungen, sondern jeweils eine eigene Kombination). Diese spezielle Art der Ortsbeschreibung kannst du über die Webseite herausfinden und als Ziel weitergeben. Zur Navigation dorthin gibt es wiederum eine App für Android und iOS, die diese Wörter unterwegs in das Ziel auflösen kann.

Wenn ich bedenke, wie ich auf einem ehemaligen Fabrikgelände herum geirrt bin, um Halle 96 zu finden — und natürlich die nur hundert Meter entfernte Polizeiwache überhaupt keinen Plan hatte (!!!) — ist dieses Konzept durchaus überzeugend. Mit beweglich.reizbar.aufgewacht hätte ich das Gebäude sofort gefunden, mit einem entsprechend sorgfältig gewählten Planquadrat frage.gespannt.ergebnis auch gleich den Eingang — leider vergessen Ortskundige oft solche “Kleinigkeiten” den Unkundigen mitzuteilen.

Verbesserungsbedürftig ist dagegen noch die Wortwahl bzw. du solltest wenn möglich mehrere Planquadrate ausprobieren. Die Software verwendet nämlich nicht nur Substantive, sondern auch Adjektive, Verben, dekliniert und gebeugt, was manchmal nicht nur etwas holprig rüberkommt, sondern auch sonderbare/peinliche Kombinationen zusammengewürfelt. Bei unübersichtlichen Stadtansichten verdeckt der riesige Pin manchmal die Sicht, das Umschalten der Sprache verschiebt den Kartenausschnitt zum Teil erheblich. Bei der Gegenprobe stelle ich außerdem fest, daß die Wortkombination offenbar doch mehrfach sehr ähnlich vergeben wird, so daß hier kleine Übermittlungsfehler zu anderen, existierenden Adressen führen könnten — nur ein Problem, wenn man überhaupt keine Ahnung hat wo es hingehen soll. Auch hier sollte man möglichst auf eine “sichere” Kombination achten.

Es gibt doch ein paar Überschneidungen...

Es gibt doch ein paar Überschneidungen…

Das Unternehmen verspricht einen weiten Anwendungsbereich, u. a. für Geotagging, Reiseführer oder Vermessungstools. Man darf gespannt sein, ob uns bald solche Ortsangaben den Weg weisen.

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