Vorsicht Persönlichkeitsrechte — bitte Schuhe verpixeln! [Kommentar]

Der Wahnsinn kennt keine Grenzen, jetzt muß man bei Veröffentlichung eines Fotos im Zweifelsfall nicht nur Gesichter verpixeln, sondern auch noch die Schuhe — es könnte sie ja jemand erkennen und dann auf die Person schließen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Klage gegen eine Boulevardzeitung, die dies versäumt hatte.

Auch wenn in der konkreten Situation alles stimmig erscheint, muß man weiter denken: Fast jede aus berechtigen Gründen unkenntlich gemachte Person, kann nach einer persönlichen Begegnung oder von Vertrauten an allen möglichen Details wiedererkannt werden. Und Schuhe aus einer Massenproduktion sind wahrlich kein persönliches und schützenwertes Detail.

Wenn es dann ausreicht, daß ein Bekannter jmd. an Hand bestimmter Kleidungsstücke auf einem Bild wiedererkennt und dies dann eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten darstellen soll, wird man in Zukunft wohl keine Fotos von Personen machen bzw. veröffentlichen können. Im journalistischen Umfeld hätte ich weder als Journalist noch als Leser Probleme damit, dann tatsächlich die ganze Person zu verpixeln — oder ganz auf das Foto zu verzichten (wie z. B. bei Kindern üblich).

Auf Facebook veröffentlichen und dann auf Persönlichkeitsrechte pochen... (Quelle: SZ a. a. O.)

Auf Facebook veröffentlichen und dann auf Persönlichkeitsrechte pochen…
(Quelle: SZ a. a. O.)

Auf der anderen Seite wird dabei gern übersehen, daß das beanstandete Bild ja von Facebook stammt, also dort von einem der Bekannten ganz unverpixelt und bewußt veröffentlicht wurde! — Da ist sie wieder, die Sache mit der Medienkompetenz…

Bei der Fotografie im öffentlichen Raum — das ist auch schon Mutti vorm Eiffelturm — muß man entweder schmerzfrei sein wie Bruce Gilden oder man versucht das Problem zu vermeiden, in dem man wartet bis nur noch Hinterköpfe zu sehen sind. — Das dachte auch der Fotograf Guy Prives, der an einem Strand in Costa Rica ein paar Schnappschüsse von tätowierten Schönheiten machte: Nur den Rücken, bloß keine erkennbaren Gesichter… In diesem Fall macht nun die Bildagentur Getty Images die Individualität dieses Körperschmucks geltend und fordert lt. Golem nun einen Modellvertrag (also das explizite Einverständnis der Veröffentlichung durch die abgebildete Person).

Aber: Auch hier gelingt schließlich das Aufspüren der abgebildeten Person über diverse private Nachforschungen im Internet. Einerseits schön, daß es im globalen Dorf ein “happy end” geben kann, anderseits erschreckend aus Sicht des Datenschutzes.

Und: Nachdem nun alle so nach Gerechtigkeit streben, muß man wohl auch noch die künstlerische Leistung des Tätowierers anteilig berücksichtigen?

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