Unperfekte Fotos: Lomo-Effekt mit Lightroom.

Je “perfekter” Digitalkameras werden, desto öfter läßt sich m. E. ein Trend zu “unperfekten” Fotos erkennen: Nicht nur, daß heute oft schon ein technisch mittelmäßiges Handyfoto Freude bereitet, mit Software oder Zubehör werden technisch gute Bilder sogar “verschlechtert”. Wie anders ist der Trend zu Sofortbild, Lensbaby, Holga/Lomo oder WPPD zu erklären?

Eine Postkartenansicht mit Lomo-Charme.

Eine Postkartenansicht mit Lomo-Charme.

Neben Unterschieden im Detail werden bei allen populären Techniken Fehler herausgearbeitet, die man bei modernen Kameras eigentlich gerne vermeiden möchte. Trotz recht simpler Konstruktion, wird der engagierte Fotograf dafür allerdings recht ordentlich zur Kasse gebeten: Die “Lensbaby“-Optik, die Bildern den “tiltshift”-Look verleiht, kostet zwischen 80 und 250 Euro, “Holga” bzw. “Lomo” gibt’s als Objektiv ab preiswerten 20 Euro, als komplette Kamera aber deutlich teuerer.

Natürlich liegt der Reiz auch darin, mit solch einem Objektiv/Kamera ernsthaft zu fotografieren und Erfahrungen zu sammeln, andererseits ärgert man sich doch, wenn man einen einmaligen Schnappschuß dann doch gern in besserer Qualität hätte oder der Effekt nicht überzeugend rüberkommt.

Lomo-Effekt in Lightroom nachgebaut.

Lomo-Effekt in Lightroom nachgebaut.

Da bietet sich einerseits als preiswerte Alternative eine Bildbearbeitung an (was dann vielleicht “irgendwie” gemogelt ist), andererseits kann man die gewünschten Effekte besser steuern und vor allem auch auf bereits vorhandene “normale” Bilder anwenden. Darüber hinaus ist es eine schöne Übung, um sich (in diesem Fall) in Lightroom einzuarbeiten. Denn was man hier zur gewollten Verschlechterung heranzieht, kann in anderen Situationen auch zur einer gezielten Verbesserung beitragen.

Der Lomo-Effekt hat prinzipiell folgende Eigenschaften:

  • Vignettierung
  • Farbstich
  • Unschärfe

Dementsprechend suche ich mir also ein Motiv aus, das durch solche Mängel nicht wirklich schlechter wird, sondern gewinnt. Gerade historische Ansichten und typische Postkartenmotive scheinen mir gut geeignet, wie beispielsweise das Kröpeliner Tor in Rostock aus einer Seitenstraße fotografiert.

Der Farbstich wird über die “Teiltonung” Einstellungen für den Farbstich als Teiltonung.erzielt. Anders als bei meiner Bearbeitung eines Marienkäfers wird kein Schwarzweiß-Zwischenbild erstellt, sondern es soll ein Farbbild mit Farbstich werden. Andere Farbtöne sollen ja durchaus erhalten bleiben, aber etwas gedämpft/verfälscht werden. Der Effekt wird deshalb direkt auf das farbige Foto angewandt. Da ich später daraus eventuell ein Preset machen möchte, überlege ich mir dazu einigermaßen “universelle” Einstellungen: Lichter sollen bläulich werden (kommt oft dem Himmel zu Gute), Schatten eher rot/braun. Über “Abgleich” kann man noch die Gewichtung anpassen.

Die Vignettierung kann man in Lightroom über das Vignettierung in LightroomFormular “Effekte” einstellen. Da es eine Abschattung werden soll, wird der Regler “Betrag” nach links bewegt (nach rechts würde es eine weiße Ausblendung ergeben). Über “Weiche Kante” kann man den Übergang steuern — möglichst weich.

Unschärfe möchte ich jetzt nicht explizit hinzufügen, da das Bild dadurch schnell unbrauchbar wird. Allerdings wird die Absenkung des Kontrastes oft ebenfalls als Unschärfe empfunden. Zusammen mit der Belichtung kann man diesbezüglich abschließend Feineinstellungen vornehmen.

Im Vorher-nachher-Vergleich scheint die Bearbeitung drastisch, doch wenn man das bearbeitete Bild solo ansieht, ergibt sich ein schöner Einfachkamera-Effekt. Auch wenn man aus diesen Einstellungen ein Preset anlegt, muß man innerhalb einer Fotoreihe auf jeden Fall “Belichtung” und “Kontrast” manuell abgleichen.

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