Touchlet X8 Tablett-PC mit 8-Zoll-Display und USB im Praxistest

Der erste Eindruck vom Touchlet X8: Begeisterung. Das hat weniger mit der technischen Featureliste zu tun, sondern in der Hauptsache mit dem Formfaktor. Design, Verarbeitung, Größe und Gewicht wirken stimmig — leicht und handlich, aber groß genug für die wichtigsten mobilen Aufgaben: E-Mail, Internet, Fotos, E-Books, Twitter oder Foursquare.

Die Ergänzung zum Simvalley SP-140: das Touchlet X8 mit 8-Zoll-Display. (Bild: :Luhm)

Das perfekte Paar: Simvalley SP-140 (4,5-Zoll-Smartphone)
und das Touchlet X8 mit 8-Zoll-Display.
(Bild: Luhm)

Obwohl ich nun schon seit mehr als einem Jahr ein gut ausgestattetes Budget für einen Tablett-PC zur Verfügung habe, steht es noch immer auf der Wunschliste… Das Touchlet X10 mit 9,7 Zoll begeistert mit dem hervorragenden Display und scheint gerade als elektronische Präsentationsmappe für Fotografen interessant. Aber mit ca. 19 x 24 cm Außenmaß und 584 g ist es mir für “immer dabei” oder als “Zubehör” einfach zu unhandlich. Ganz anders bei dem 8-Zoll-Tablett, das mit etwa 15 x 20 cm Außenmaß und 443 g in der Handlichkeit spontan ein wenig an die Kindle E-Book-Reader erinnert (12 x 17 cm Außenmaß, 223 g), mit denen ich mich z. Zt. ebenfalls intensiv befasse.


Technik im Touchlet X8

Auch Apple stellt vor kurzem ein “Mini“-Tablett mit knapp 8 Zoll vor — obwohl Übervater Steve Jobs diese Größe noch im Oktober 2010 als “dead on arrivel” herabqualifiziert (“Totgeburt”). Sicherlich kann ein Touchlet in der technischen Ausstattung nur bedingt mit einem iPad konkurrieren — kostet dafür aber mit ca. 170 Euro etwa nur die Hälfte (Einstiegspreis iPad mini z. Zt. bei 329 Euro mit 16 GB und WLAN — ohne 3G/LTE, Aufschlag von 130 Euro und für jedes GB Speicher). Die Display-Auflösung des X8 ist mit 768 x 1.024 Pixel allerdings die gleiche wie beim hoch gelobten “Retina” Display (ist kein Retina , aber durch das kleinere Display relativ höhere Auflösung gegenüber 10 Zoll), ebenfalls im Seitenverhältnis 3:4, was ich persönlich deutlich angenehmer empfinde als übliche 16:9-Handtuchformat der vielen 7-Zoll-Verwandten.

Motor im X8-Tablett ist ein Cortex-A9-Mehrkernprozessor mit 1,5 GHz und 1 Gigabyte DDR3-Arbeitsspeicher in Kombination mit Android 4.1, mit dem man flott unterwegs ist. Wie bei Android-Geräten gewohnt, kann man Speicherplatz flexibel mit preisgünstigen Micro-SD-Karten bis 64 Gigabyte aufrüsten, ist nicht von vornherein auf eine bestimmte — überbezahlte — Größe festgelegt (wobei 32 GB z. Zt. deutlich noch das bessere Preisleistungsverhältnis bieten).

Wenn ein Tablett-PC halb so teuer wie die bekannten Marken ist, muß man natürlich mit gewissen Kompromissen rechnen: kein Bluetooth, kein GPS, kein 3G oder LTE, ein “normales” TFT. Dabei darf man nicht die Feature-Falle tappen und Technik “auf Vorrat” kaufen wollen.

  • Wozu braucht man in einem Tablett-PC Bluetooth — für Tastaturen. Doch wenn man so viel schreiben will, daß man eine externe Tastatur benötigt, sollte man m. E. eher auf ein Netbook oder Ultrabook setzen.
  • Das Fehlen von GPS ist ärgerlich, kann im Hausgebrauch aber zumindest in Städten gut mit WLAN-Ortung kompensiert werden (z. B. für Foursquare), für echte Navigations wird’s wohl nicht reichen. Für einen externen GPS-Empfänger wäre Bluetooth natürlich sinnvoll (z. B. Holux M-241, den ich manchmal sogar mit meinem Nokia E50 nutze, per USB-OTG leider nicht erreichbar).
  • Geräte mit 3G oder sogar LTE sind nicht nur deutlich teuerer, sondern verbrauchen mehr Strom. Für Kleinigkeiten zwischendurch wie E-Mail, Twitter oder Foursquare ist eingebautes 3G natürlich komfortabel. Aber wenn es unbedingt sein muß, hat man zwei Lösungsmöglichkeiten: a) Man baut mit einem Smartphone einen Hotspot auf (bei Android seit 2.2 Standard) und nutzt WLAN. Notfalls kann man solche Hotspots auch separat betreiben. Oder b) man nutzt die USB-Schnittstelle für einen UMTS-Stick (hier sollte man sich allerdings über kompatible Modelle informieren).
  • Das Display kann man notfalls über die HDMI-Schnittstelle pimpen und bei Bedarf einen Fernseher/Monitor anschließen.

Die Schnittstellen des Touchlet X8: Reset, USB, HDMI, Micro-SD, Mikrofon, Home-Button (Bild: Luhm)

Die Schnittstellen des Touchlet X8:
Reset, Micro-USB, Mini-HDMI, Micro-SD, Mikrofon, “Home”-Button
(Bild: Luhm)

Ich persönlich habe mit o. g. “Einschränkungen” kein Problem, weil ich von “weniger ist mehr” überzeugt bin. Dabei muß man sich am besten vor jeder Recherche die eigenen Anforderungen genau überlegen , damit man während des Kaufs nicht auf Marketinggeschwurbel hereinfällt und mehr bezahlt als man wirklich braucht. Nicht zuletzt ist Konsumentenelektronik fast schon ein “Verbrauchs artikel”, der nach zwei bis vier Jahren veraltet ist (siehe Handymarkt), so daß sich Highend und Langlebigkeit nur für den beruflichen Einsatz lohnen.

Touchlet X8 in der (Foto-) Praxis

Wie eingangs gesagt, der Formfaktor begeistert. Touchlet X8 Desktop Das X8 ist leicht und handlich, könnte die Lücke zwischen einem Smartphone wie dem SP-140 und einem Notebook schließen. Subjektiv arbeitet es sehr flott, wobei ich mich auf Web, E-Mail und ein paar Gimmicks konzentriere. Bei den Spielen habe ich lediglich Angry Birds angetestet (was sonst gar nicht mein Metier ist). Wie ebenfalls erläutert, ersetze ich 3G i. d. R. durch einen Hotspot via Smartphone — und wenn ich Mal nicht online bin, ist es auch nicht so schlimm…

Touchlet X8 Desktop
(Org. Screenshot)

Da ich das Tablett nicht als Spielekonsole, sondern eher als Büro- und Fotozubehör einsetze, bin ich natürlich über die eingebauten Kameras mit popeligen 0,3 Megapixel und mäßiger Bildqualität enttäuscht (nach sehr guten Erfahrungen mit dem SP-140). Zur Verfügung stehen Einzelbilder, Videos und ein komfortabler Panorama-Modus (wie beim SP-140). Auch der Wegfall des IPS-Displays gegenüber dem SP-140 bzw. dem X10 ist bedauerlich, ein Einsatz als digitale Fotomappe macht damit nur halb so viel Spaß. Die mögliche Bildgröße (Display) von gut 12 x 16 cm ist dagegen noch gut zu gebrauchen. Kamerasteuerung via Tablett-PC Damit das Tablett beim Blättern und Zoomen nicht unnötig ausgebremst wird, speichere ich externe Bilder von einer dSLR meist in einer aufs Display abgestimmten Auflösung.

Kamerasteuerung via Tablett-PC

Interessant die Nutzung der USB-OTG-Schnittstelle zur Steuerung von Digitalkameras. Dies kann besonders bei komplizierten Belichtungsreihen oder kniffeligen Situationen in der Tierfotografie interessant sein (optische oder akustische Auslösung). Wie gut das klappt und was alles geht, hängt natürlich sowohl vom Kameramodell und als auch der Software ab — das ist unter dem Strich noch etwas Experimentiergebiet, das man aber beobachten sollte (entsprechendes Spezialzubehör aus dem Fotohandel ist teuerer und meist auf ein bestimmtes Modell eingeschränkt). Ich selbst habe für mein Equipment einiges gefunden und werde es über die Feiertage testen (später mehr dazu ).

Tipp: Bei der Auswahl der Programme muß man nicht nur auf das Kameramodell achten, sondern besonders die Art der Ansteuerung. Viele universelle Programme nutzen den Kopfhörerausgang(!) und simulieren damit lediglich einen elektrischen Fernauslöser mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten. Per USB sind z. B. auch Live-Bilder und weitergehende Einstellungen möglich. — Im Bild erstmal nur mit einer Demosoftware, später dazu mehr. Das notwendige Adapterkabel gehört zum Lieferumfang.

Über die USB-Schnittstelle kann man aber auch ganz unspektakulär USB-Sticks als Speichermedium anschließen, um beispielsweise Bilder oder MP3 von externen Quellen einlesen zu können. Natürlich kann man das Tablett auch direkt an einen PC anschließen, wo es als Massenspeicher unkompliziert zugänglich ist (ohne Knebelsoftware von du weißt schon wem…). Apropos, das X8 hat auch zwei Lautsprecher für Hintergrundmusik oder Web-Radio. Über einen normalen 3,5-mm-Klinkenstecker können Kopfhörer oder zusätzliche Lautsprecher angeschlossen werden. Leider gibt es keine Hardware -Lautstärketasten, sondern nur Symbole in der Statusleiste.

Touchlet X8 vs. X10

Das Touchlet X8 ähnelt in weiten Teilen einem geschrumpften X10, ist aber nicht identisch:

  • in der Anschlußleiste wird Mini-USB durch Micro-USB ersetzt, der nun gleichzeitig zum Aufladen dient (so daß der separate Ladeanschluß wegfällt); dafür gibt es dort jetzt einen “Home”-Button (statt auf der Vorderseite)
  • der Kopfhörer-Anschluß wandert nach oben neben den Ein-/Ausschalter
  • statt des sehr guten IPS-Panels hat das Display leider ein “normales” TFT, was sich ungünstig in Sachen Blickwinkel und Farbstabilität auswirkt

Übersicht der Touchlet Tablett-PCs (Quelle: Pearl a. a. O.)

Übersicht der Touchlet Tablett-PCs
(Quelle: Pearl a. a. O.)

  • eine schöne Ergänzung könnte das SP-140 sein (siehe Abb. ganz oben), das mit 4,5-Zoll-IPS-Display und guter Kamera daherkommt; via Android kann es einen Hotspot für mobile Internetnutzung zur Verfügung stellen
  • der USB-Stecker ist gegenüber den SP-140 um 180 Grad gedreht, was den fummeligen Anschluß noch etwas fummeliger macht
  • Neben dem X8 bietet Pearl noch eine Menge anderer Geräte fast jeder Preisklasse.

Fazit Touchlet X8

Ich hätte nicht gedacht, daß allein der Formfaktor so begeistert. Die 8 Zoll machen das Gerät leicht und handlich, bieten aber noch ausreichend Platz für die meisten Tablett-Anwendungen. Das 3:4-Format ist dabei deutlich angenehmer als das 16:9-Handtuchformat diverser 7-Zoll-Geräte, zumal man mit Webseiten sind auf dem X8 gut lesbar. 768 x 1.024 Pixel eine “Retina”-Auflösung hat. Das Design mit schwarzem Halterand und Aluminium-Rückseite wirkt wertig wie praktisch.

Webseiten sind auf dem X8 gut lesbar.

Das Durchhaltevermögen des Akkus mit 4.400 mAh hängt natürlich stark von der Verwendungsart ab, die Pearl mit 6 Stunden angibt, in der Praxis sollten mindestens 3-4 Stunden “garantiert” sein (bei “optimierter” Nutzung sicher auch länger). Damit reicht es zwar nicht für einen Arbeitstag, aber für den Freizeitbereich, um beispielsweise abends im “second screen” zu Surfen oder unterwegs am FC-Stammtisch ein paar Bilder zu zeigen. Auf Bluetooth und 3G zu verzichten fällt leicht, wenn das Smartphone einen Hotspot zur Verfügung stellen kann oder die Stammkneipe WLAN bietet. Schade, daß nach dem tollen IPS-Display beim X10 und dem SP-140 hier nur ein einfaches TFT zum Einsatz kommt, was gerade bei der Fotopräsentation enttäuschend ist.

Besonderheit gegenüber vielen anderen Modellen ist die USB mit OTG-Funktion mit der man einiges an USB-Zubehör anschließen und sogar moderne Kameras fernsteuern oder anderes Zubehör nutzen kann. Nachdem ich damit außerdem probeweise einige Stunden mit der verbesserten Software “gekindelt” habe, könnte das X8 ein interessanter Kandidat für mein mobiles Equipment werden.

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