Touchlet X10 mit 9,7-Zoll-IPS-Display im Praxistest

Mit meinem Netbook bin ich sehr zufrieden, es ist zwar mit rund 1,2 kg etwas schwerer als der Urvater Asus 701 (900 g), Touchlet X10 (Bild: Pearl)aber hält dafür aber realistisch ca. 8 bis 10 Stunden durch (wenn man die üblichen Energiesparoptionen nutzt). Die Steigerung in Sachen Mobilität heißt Tablett-PC, ist etwa halb so schwer, hat aber ebenfalls meist um die 8 Stunden Laufzeit.

Das Touchlet X10 sieht dem iPad sehr ähnlich.
(Bild: Pearl, Anleitung)

Allerdings sind solche Tablett-Computer deutlich teuerer als ein Netbook oder auch ein Laptop. Und obwohl das Apple iPad eine ausgereifte Hardware und gute Usability aufweist, ist an den “goldenen Käfig” nicht zu denken. Andererseits ist der Markt potentieller Alternativen doch eher unübersichtlich, Samsung wird ständig verklagt und ändert nur deshalb technische Aspekte, Acer bekommt zwar oft Empfehlungen — aber in “freier Wildbahn” habe ich bisher keines der Geräte gesehen, niemanden gesprochen, der es täglich beruflich im Einsatz hat. 400 bis 900 Euro nur nach “Aktenlage” auszugeben ist mir zu riskant, zumal ja oft noch weitere Kosten in Sachen Zubehör dazukommen… Deshalb starte ich ganz unbekümmert einen Versuch mit dem Touchlet X10 von Pearl, der günstige Preis von 230 Euro macht neugierig.

Man mag es zwar auf den ersten Blick für ein weiteres Teblett mit “beliebiger” Ausstattung halten, aber dem ist nicht so. Bei den technischen Merkmalen hebt es sich in m. E. wesentlichen Punkten von vielen anderen ab:

  • das Display ist 9,7 Zoll (24,6 cm) groß, kapazitiv und mit 1.024 x 768 Pixel Auflösung nicht im dämlichen 16:9-Format

  • das Display basiert auf einem IPS(!)-Panel mit Glasoberfläche

  • das Tablett ist von Haus aus mit Android 4.x ausgestattet

  • es hat diverse Schnittstellen

Ausstattung

“Hast du jetzt doch ein iPad”, werde ich gelegentlich gefragt, so sehr sieht das Touchlet X10 zumindest dem iPad I ähnlich und fühlt sich auch wertig an. Die Außenabmessungen sind ca. 19 x 24 cm, das Display mißt ca. 14,5 x 19,5 cm, es gibt einen rund 2 cm starken Griffrand. Im Gegensatz zum alten iPad hat es oben zwei Kameras, eine für Videotelefonie (2 Megapixel), die andere für Fotos, Videos oder “augmented reality” (5 Megapixel, zum Beispiel für “Goggles” oder “Barcoo“). Daneben findet man einen Ein-/Aus-Schalter, Bildschirm-Arretierung sowie Lautstärkeregler. An der Unterseite gibt es folgende Anschlüsse:

  • Reset-Schalter (man weiß ja nie)

  • HDMI-Anschluß

  • Stromanschluß

  • Mikrofon

  • Micro-SD-Cardreader bis 32 Gigabyte

  • USB-Anschluß

  • Kopfhörer-Klinke

Alle Anschlüsse liegen offen, stören nicht und kommen auch ohne Klappen, Gummiabdeckung u. ä. aus, schließen bündig ab.

Die Anschlußleiste des Touchlet X10.

Die Anschlußleiste des Touchlet X10.

Die technische Grundausstattung ist ein 1 GHz Boxchip A10 mit 1 GB RAM und 4 GB internem “Massenspeicher”, also für Programme und deren Daten. Darüber hinaus kann man den SD-Slot mit bis zu 32 GB bestücken, wobei man z. T. Programme auch auf die Speicherkarte verschieben und so Platz schaffen kann. WLAN entspricht 802.11 b/g/n.

Funktionen

Der relativ günstige Preis kommt natürlich auch dadurch zustande, daß einige “selbstverständliche” Dinge fehlen. So hat das Gerät kein GPS (aber mit der WLAN-Ortung wird eine erstaunliche Genauigkeit erzielt), kein Bluetooth und auch kein eingebautes 3G. Alles “nice to have”, aber sicherlich der Grund für den Aufpreis gegenüber anderen Geräten. Der Stecker für den Stromanschluß ist sehr filigran und mit dem relativ kurzen Kabel auch etwas störend, wenn man das Tablett während des Ladens verwenden möchte — allerdings bleibt dadurch der USB-Anschluß für Zubehör frei.

Für Android-Geräte selbstverständlich ist dagegen der Speicherkartenleser mit dem man die Speicherkapazität preiswert um 32 Gigabyte ausbauen kann. Zum Betrieb der Kamera ist eine Speicherkarte sogar Voraussetzung. Ich verwende bei normaler Nutzung meist 4 oder 8 Gigabyte aus meinem Fundus, obwohl inzwischen auch 16 oder 32 Gigabyte günstig zu haben sind (unter 20 Euro).

Mit dem USB-Anschluß kann man das Tablett nicht nur mit dem PC zum Datenabgleich verbinden, man kann ihn zum Teil auch als Host verwenden:

  • Einerseits kann man dort beispielsweise USB-Speichersticks mit Fotos anstecken, die dort als Speichermedium erkannt werden. Praktisch, um nach einer Fotosession Fotos zu zeigen ohne dazu alles direkt auf das Gerät kopieren oder gar drucken zu müssen.
  • Außerdem soll dieser Host sog. UMTS-Sticks unterstützen und so 3G nachrüsten können. Das funktioniert aber nicht mit allen Modellen, so daß man die “Liste kompatibler 3G-Sticks” und ggf. andere Websites konsultieren sollte, weil zum Beispiel vorher eine PIN-Eingabe der SIM-Karte deaktiviert werden muß. Das notwendige Adapterkabel wird mitgeliefert. Notfalls nimmt man einen WLAN-Hotspot, den man eventuell von seinem Handy sogar gratis bekommt (Funktion seit Android 2.3).
  • Es gibt auch Fernsteuerungssoftware für Kameras, die z. T. ebenfalls USB nutzt. Ich selbst habe es nicht ausprobiert, aber aus dem Bekanntenkreis positives Feedback bekommen: “Ich konnte das X10 zusammen mit der App „DSLR Controller (BETA) v0.93“ mit meiner EOS 600D zum Laufen bringen und bin begeistert.” — allerdings braucht man dann eine dritte Hand und muß vom Stativ arbeiten, ist aber sicherlich fürs Studio oder spezielle Aufnahmereihen interessant.

 

Praxis

Es fühlt sich an die ein iPad oder wie fast jedes andere Tablett (wieso Apple da Ansprüche erheben und durchsetzen kann ist unverständlich). Durch die Aluminium-Rückwand und die Glasoberfläche fühlt es sich wertig an. Beim Gewicht macht sich der Akku mit 6.500 mAh bemerkbar, das X10 bringt rund 600 g auf die Waage. Die Displaygröße ist genau richtig, Texte, Webseiten und Bilder sind gut zu erkennen — das IPS-Panel hebt sich deutlich von anderen Geräten ab (auch Apple setzt nicht ohne Grund auf IPS). Gerade bei mobilen Geräten und wenn mehrere Leute zusammen auf den Bildschirm schauen wollen, sind ein großer Blickwinkel und Farbstabilität wichtig. Über “Google Play” kann auf Tausende von Programmen zugreifen, von denen ich ja schon einige für das SPX-5 vorgestellt habe.

Natürlich kann mit der eingebauten Kamera auch Fotografieren und Filmen. Wie viele Smartphonekameras ist es eher eine Schönwetterkamera Bildqualität des Touch X10 ist durchwachsen.(1936 x 2592 Pixel, 5 Megapixel): Bei gutem Licht überraschend gute Ergebnisse, bei schwierigen Lichtverhältnissen geht es schnell bergab.

Bildqualität der Kamera ist durchwachsen.

Auch der Nahbereich beginnt ziemlich spät (Blüte im Vordergrund bereits unscharf) — immerhin ist die Hortensie im Bild ein ziemlich großes Objekt von ca. 1 m Höhe, dazu kommt eine Randunschärfe des Objektivs (Handykameras operieren dabei sowieso fast immer am Limit…). Subjektiv insgesamt allerdings schlechter als beim SPX-5, nicht nur wg. der geringeren Pixelzahl. Mit dem X10 zu fotografieren ist schon ein komisches Gefühl: Einerseits schwenkt man ein Riesenteil in der Gegend herum, andererseits sieht man im “Sucher” schon ein Bild, das deutlich größer als ein gewöhnlicher “Abzug” ist. Trotz einiger Schwächen entwickeln sich solche Kameras allerdings zur ernsthaften Konkurrenz für “point and shoot” (Schnappschuß) Kameras, zumal für reine Webveröffentlichung maximale Qualität gar nicht erforderlich ist.

Zur direkten Soundausgabe für Video und Musik hat das Gerät rückseitig zwei eingebaute Laufsprecher. Ich finde, sie klingen ordentlich, aber ich betrachte ein Tablett ja auch nicht als “Walkman” oder Fernsehersatz. Ggf. kann man über die Kopfhörerklinke ja was besseres anschließen.

Fazit

Während bei einer Bewertung oft eine ellenlange Ausstattungsliste hervorgehoben wird, interessiert mich bei einem mobilen Gerät vor allem die Mobilität: Die Größe ist für ein vernüftiges Arbeiten m. E. sinnvoll, aber eben nichts mehr für die Jackentasche als “immer dabei”. Wenn man es nicht gleich in eine UmhängetascheE-Buch lesen auf dem Touchlet X10. steckt, sollte man sich wenigstens einen Neopren-Schutz anschaffen. Beim Herumtragen sind die 600 g “nichts”, bei der Benutzung braucht man auf Dauer aber beide Hände oder muß es abstützen.

E-Buch lesen auf dem Touchlet X10
(via Kindle-Software).

Ich weiß nicht, ob es am X10 liegt oder an Android oder an den Software-Entwicklern, auf diesem Gerät hatte ich — anders als beispielsweise beim Simvalley SPX-5 — relativ oft Abstürze: Bei Foursquare konnte ich mich nicht an einem Ort anmelden, auch die Kindle-Software ließ sich oft nicht starten bzw. wurde unmotiviert beendet (davon abgesehen, ist das Lesen damit aber recht angenehm). Twitroid für Twitter lief dagegen problemlos, ebenfalls die Wetterapp (wetter.com), interessant sind auch Clients für diverse CMS wie Joomla oder WordPress. Zum Anzeigen der Bilder setze ich auf die eingebaute Galerie, die anstandslos funktioniert. Bilder werden flüssig dargestellt, wobei ich sie vorab allerdings meistens auf die native Auflösung verkleinere (z. B. mit Irfanview). Der USB-Host bietet interessante Möglichkeiten, wenn gelegentlich auch etwas Experimentiergeist gefragt ist.

Wie lange das X10 durchhält, hängt wie immer von der Art der Benutzung ab. Mindestens vier, fünf Stunden beim Herumspielen mit allen möglichen Funktionen (ich habe es nicht gestoppt), wenn man friedlich ein E-Buch liest, meistens länger. Wie praktisch alle Tablett-PC-Displays spiegelt es relativ stark, was besonders unter freiem Himmel auffällt. Bei voller Beleuchtung scheint die Laufzeit allerdings deutlich zu sinken. Die Akku-Warnung neigt (bei mir) auch dazu, deutlich zu springen: Eben noch 22 Prozent, dann plötzlich 6 Prozent und die Aufforderung ein Netzteil anzuschließen.

Persönliches Fazit: Beeindruckend, was ein bezahlbares Tablett leisten kann. Ich würde das X10 gern als “Fotomappe” zu Usertreffen mitnehmen (statt meines fetten Ordners mit Originalen), allerdings ist mir darüber hinaus ein Tablett generell als täglicher Begleiter und “PIM-Ersatz” doch noch zu unhandlich. Der Spagat zwischen groß genug zum bequemen Lesen und klein/leicht genug für “immer dabei” scheint auch mit einem Tablett schwierig.

(Das Gerät wurde von Pearl ohne redaktionelle Auflagen als kostenlose Teststellung zur Verfügung gestellt.)

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