Totgesagte leben länger — Asus 701 Netbook werkelt mit Android

Totgesagte leben länger. Ende 2007 revolutioniert Asus mit dem EEE-PC den Markt für mobile Computer: Während Highend-Geräte und superleichte Sub-Notebooks mit 2.000 Euro und mehr sehr teuer sind, wird dieser als Familien-PC für 99 Dollar angekündigt. Am Ende sind es zwar 299 Euro, aber der 701 hat Handtaschenformat und wiegt unter 1 Kilogramm.

Asus 701 mit Android.

Asus 4G 701 mit Android.

Ich ergattere einen im Februar 2008 und bin begeistert (damals heißt mobilegeeks noch netbooknews ). In den folgenden Jahren gibt es eine wahre Flut an Geräten. Doch inzwischen werden insbesondere Netbooks, aber auch Notebooks und Desktop-PCs zunehmen von Tablett-PCs abgelöst. — Was mache ich nun mit meinem Asus 701?

“Natürlich” experimentiere ich und werfe bald das installierte “Xandros Linux” herunter und ersetze es durch Windows XP, weil ich dann gewohnte Programme endlich wirklich mobil nutzen kann (mein Thinkpad ist natürlich leistungsfähiger, aber rund dreimal so schwer…). Die Revolution geht weiter und mit der 1000er Reihe hat man mit 10-Zoll-Bildschirm, großer Tastatur, Asus 4G mit Linux EasyPeasyeingebautem GSM und 6-Zellen-Akku mit bis zu zehn Stunden Laufzeit ein Gerät, daß ich bis heute nutzen kann (aufgerüstet auf 2GB RAM und eine SSD mit 250 GB).

Asus EEE-PC 4G 701 mit Easypeasy.

Auf der anderen Seite wird der Veteran 701 vernachlässigt — doch für 1 Euro jemanden in den Rachen werfen, das kommt nicht in Frage (sieht aus wie neu, Zubehör, Originalkarton). Abgesehen davon, daß Windows XP “out” ist, “verfettet” das System auf Dauer und im 701 stehen als Festplatte nur 4 GB SSD(!) und 512 MB RAM zur Verfügung Man kann aus LiLi eine Vielzahl von Linuxen installieren. (aufgerüst auf 1 GB RAM aus dem 1005go). Als Alternative fällt mir natürlich sofort wieder Linux ein.

 

Man kann aus LiLi eine Vielzahl von “Linuxen” probeweise installieren.

 

Gerade für solche Geräte gibt es entsprechend abgespeckte und optimierte Versionen (das alte Xandros ist nicht ohne weiteres auffindbar). Mit Tools wie SARDU oder LiLi kann man vieles risikolos als “live”-System ohne Installation ausprobieren und ich entscheide mich letztendlich für “Easypeasy“, weil es zunächst problemlos läuft. Aber so richtig auf die schmale Hardware abgestimmt ist es wohl nicht, denn schon bei weiteren Paketen oder Updates wird der Speicher knapp.

Android für Intel x86

Wenn man sich die technischen Eckdaten ansieht, hat man eigentlich ein mittleres Smartfon vor sich… Per Zufall erfahre ich, daß es von Android auch x86-Varianten für Intel-Prozessoren gibt. Was auf einem Telefon läuft sollte auch auf einem Netbook arbeiten und außerdem bin ich mit Android vertraut. Quelle für angepaßte ISO-Dateien ist beispielsweise die Website “Android-x86 – Porting Android to x86″ Android gibt es auch für den EEE-PC.(alternativ bei Google Code)

Android gibt es auch für den EEE-PC.

Auf diesen Projektseiten gibt es eine Menge ISO-Images für unterschiedliche Geräte. Bei Notebooks kommt es darauf an, daß die speziellen Hardware-Komponenten unterstützt werden. Ein bißchen Experimentieren kann bei einem “abgeschriebenen” Gerät nicht schaden…

Tipp: Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, einfach mit [Strg] [F] die Suchfunktion des Browsers verwenden. Google Chrome zeigt alle Ergebnisse farblich unterlegt sowie in der Seitenleiste an.

Booten mit LiLi

Prinzipiell sind ISO-Dateien exakte CD-Kopien. Sie sind dazu gedacht, daraus eine bootbare CD zu brennen, meist zur Installation eines Betriebssystems. Doch das ist ziemlich umständlich, zumal man dazu erst einen Brenner, später ein externes CD-Laufwerk benötigt (beides gar nicht mehr so selbstverständlich, wie noch vor ein paar Jahren…). Zum Glück bieten USB-Speicher-Sticks inzwischen deutlich mehr Speicher als eine CD oder sogar DVD — und mit einem Trick kann man sie zum Bootmedium machen.

Linux Live USB Creator

Linux Live USB Creator

Mit LiLiLinuxLive USB Creator — kann man USB-Sticks mit ISO-Dateien präparieren oder sogar direkt herunterladen. Leider kann man das ISO nicht per drag & drop auf das Programm ziehen, sondern muß durch Klick auf eines der Icons über ein Dateiauswahlfenster laden.

Hinweis: Während der Erstellung wird eine Internet-Verbindung benötigt! — Netter Nebeneffekt: Gehst du auf Download, kannst du eine Menge anderer vorbereiteter Image-Dateien herunterladen und als Boot-Stick installieren.

Auf geht’s…

Stick einstecken, Gerät einschalten, dann die [ESC]-Taste drücken, um in das Boot-Menü (nicht F2 für das Setup-Menü) zu kommen und dort den präparierten Stick auswählen. Nach kurzer Zeit meldet sich ein weiteres Menü, um das OS auszuwählen.

Android für Intel-Prozessoren

Android für Intel-CPUs.

Überraschung: Obwohl der Dateiname “4.0” lautet, identifiziert das Tool das Image als 4.4er Version, am Ende ist es dann aber doch 4.0.4 mit Kernel 3.0.36 — und dem look & feel von 2.x. Zuerst teste ich alles als “live”-System ohne feste Installation. Der Asus 701 läuft nun als Android-Tablett.Alles läuft prima, so daß ich beim zweiten Versuch “Installation” auswähle. Hakelt, es gibt Fehlermeldungen… Workaround: Mache das ganze mit einer bootbaren SD-Karte und lasse sie im Kartenleser (wo sie bei Asus -Geräten komplett verschwindet und nicht stört).

Das Asus 701 Netbook läuft nun als Android-Tablett.

Beim ersten Start folgt ein ganz normaler Einrichtungsprozeß wie man ihn vom Smartfon oder Tablett her kennt. Wie gewohnt Datum, Uhrzeit, Zeitzone, WLAN einrichten. Bei nächster Gelegenheit unter Display Auto-rotate abschalten, sonst dreht sich spontan der Bildschirm (aber nicht ebenso selbstverständlich wieder zurück). Apropos: Bei der Installation ist der Bildschirm ziemlich dunkel, man kann die Helligkeit über die normalen Funktionstasten oder in den Settings regeln. Da Google Play zur Verfügung steht, ist man nicht auf die mitgelieferte Software beschränkt. Allerdings soll nicht jede Software mit dem ungewohnten Gastgeber kompatibel sein.

Die Sache mit der Tastatur…

Die Bedienung erfolgt jetzt — wie auch nach der fertigen Installation — entweder per Maus/Touchpad mit einem zugegebenermaßen schlecht sichtbaren Mauszeiger oder per Tasten — für echte digital natives, die mit der command line aufgewachsen sind, kein Problem. Im Gegenteil, statt ewig auf dem Display rumzugrabbeln ist das ein Genuß.

Dabei stößt du allerdings auch auf das kniffelige Problem mit den Spracheinstellungen: Man kann Deutsch als Systemsprache einstellen, d. h. alle Texte sind auf deutsch. Bei der Tastatur unterscheidet Android zwischen der Software-Tastatur und der Hardware (die ja immer Teil des Netbooks ist). Problem: Sie läßt sich auf deutsche Belegung umstellen, so daß Umlaute, ß oder § ganz normal erreichbar sind — aber ohne recht aufwendige Tricks kommt man dann nicht mehr an ein @ heran. — Solange man sich also erstmal noch bei Google Play, Dropbox, Facebook etc. mit seiner E-Mail-Adresse anmelden möchte, besser erstmal auf Englisch bleiben (dann ist @ auf [Umschalt] [2], wo sonst die Anführungsstriche zu finden sind).

Wenn man längere Texte schreiben möchte, kommt man allerdings nicht um eine Umstellung herum, da ja nicht nur ein paar Buchstaben vertauscht sind oder fehlen, sondern auch Satzzeichen. Dies geht in den Einstellungen (Settings) über “Sprache & Eingabe | Standard auf deutsch umstellen und zusätzlich “Physikcal keyboard Layout” auf German. Wie gesagt, eigentlich alles gut, bis auf das @. Dazu gibt es einige Tipps, die allerdings den manuellen Austausch von Dateien erfordern — das ist eine Frage der Leidensfähigkeit.

Tipp: Wenn dir das Ergänzen der Sprachdateien zu aufwendig ist, kannst du notfalls ein irgendwo im Text vorhandenes @ per Klemmbrett in eine E-Mail-Adresse kopieren.

Ich weiß nicht, ob dies immer so ist oder nur durch mein Rumprobieren: Es funktionieren auch ein paar Tastenkürzel wie [ESC] für zurück oder abbrechen, [Alt] [Tab] zum Umschalten von Programmen sowie [Strg] [C], [Strg] [X] und [Strg] [V] für die Zwischenablage (Klemmbrett).

Fazit: Android 701

Ob sich das ganze tatsächlich produktiv einsetzen läßt, sei dahingestellt. Interessant ist es allemal. Wahrscheinlich werde ich es mit Hilfe von Widgets eher in Richtung intelligente Schreibtischuhr ausbauen: Datum, Uhrzeit, Wetter, News. Oder ich rüste noch Bluetooth — (m)ein Bluetooth-Dongle wird durch bloßes Einstecken erkannt — und GPS nach und bekomme so ein fettes Navigationsgerät fürs Auto. — Und in ein paar Monaten kann man etwas neues ausprobieren.

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