Tiefenschärfe + Schärfentiefe = Tärfenschiefe

Sie hat eine lange Tradition, die Belehrung darüber, daß es nicht Tiefenschärfe, sondern Schärfentiefe heißen müsse. Und möge ja niemand auf die Idee kommen, man könne ja beides sagen … das geht natürlich nicht, weil das andere ja falsch sei.

Jahrbuch für Photographie und Reporduktionstechnik (Quelle: Google Books)

Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik
(Quelle: Google Books)

Während der Fotograf eher aus Sicht der Technik und Nutzung argumentieren mag, geht es der Linguist eher aus Sicht der Sprache an.

So befaßt sich Anatol Stefanowitsch mit der Fragestellung sehr ausführlich in seinem Beitrag “Im Rausch der Schärfentiefe” aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Dabei weist er auch auf das Buch “Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik” von 1905 hin, wo sich auf Seite 246 folgendes Protokoll findet: (Quelle: a. a. O.)

” (…) Über die Tiefe der Schärfe photographischer Objektive wurde auch in der Berliner Freien Photographischen Vereinigung debattiert. Es lag die Frage vor: ‘Haben Objektive verschiedener Konstruktion aber gleicher Brennweite und gleicher wirksamer Öffnung verschiedene Tiefenschärfe?” Dr. Neuhauß antwortete, daß, sobald die angegebenen Verhältnisse genau zutreffen, alle Objektive — billige wie teuere — die Tiefe gleich scharf zeichneten. Dr. Scheffer bemerkte, daß der übliche Ausdruck “Tiefenschärfe” unzutreffend sei und durch Schärfentiefe ersetzt werden müsse. Dr. du Bois-Reymond erinnerte daran, daß durch Zufall scheinbar hohe Schärfentiefe gerade bei schlechteren Linsen, aber nur am Bildrande auftreten kann, und zwar infolge des Astigmatismus. (…)”

Alles wie gehabt: In einer technischen Fragestellung muß ein gewisser Dr. Scheffer die Belehrung geben, daß… Lassen wir das, sagen wir einfach Tärfenschiefe .. nein, es muß Schiefentärfe heißen.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.