Sprechende Dateinamen, große Auswahl, kein CD — was gibt’s da zu meckern?

Ich bin schon lange der Meinung, daß man glaubwürdige Pressearbeit nur aus dem Unternehmen heraus machen kann, trotzdem bekomme ich einen Großteil der Informationen von irgendwelchen Agenturen — wieso eigentlich?

So präsentiert eine namhafte Agentur Bilder für Nikon.

So präsentiert eine namhafte Agentur Bildmaterial für Nikon.

Wenn sie einen guten Text liefern sollen, muß ich sie als Auftraggeber oft so umfangreich briefen, daß ich ihn auch gleich selbst schreiben könnte. Dazu kommen Rücksprache mit Fachabteilungen und das finale “Absegnen”, das bleibt dann sowieso an mir hängen… Und für “Hilfsarbeiten”, meist die rein technische Verteilung an einen “hochgeheimen” Verteiler?

Vor einiger Zeit bekomme ich eine Produktvorstellung von Nikon zur neuen Vollformatkamera D610. Immerhin ist der Text bearbeitungsfreundlich im Body der E-Mail abgelegt — copy & paste in mein CMS ist also mit drei Klicks möglich — und das unvermeidliche PDF ist nur zusätzlich angehängt. Doch wie sieht es mit Produktfotos aus? Die kann ich mir bei Bedarf zusätzlich herunterladen — eigentlich eine gute Idee.

Die Umsetzung ist aber unter dem Aspekt Benutzerfreundlichkeit bis Corporate Design befremdlich. Der Link führt noch nicht einmal auf eine Domäne (nur IP), keine echte Website (nur ein Download-Verzeichnis wie es Apache von Haus aus zur Verfügung stellt), dazu der kryptische Unterverzeichnisname “~Nikon_080113”. Das schönste ist aber der Name des Fotoarchivs: Bildmaterial.zip — klar, ein sprechender Dateiname. Und so praktisch: Selbst wenn es nur um Nikon ginge, wüßte ich schon nach ein paar Tagen nichts mehr über den Zusammenhang “Nikon” oder gar “D610”. Auch vom Verzeichnisnamen kann man nicht auf das Produkt schließen.

Bunte Tüte: Aus mehr als 100 Fotos darf man sich etwas raussuchen. (Quelle: Nikon)

Bunte Tüte: Aus mehr als 120 Fotos darf man sich etwas raussuchen — nach dem Download von mehr als 300 Megabyte.
(Quelle: Nikon)

Es geht noch weiter: Als großes Überraschungspaket lade ich mir dann auch das Bildmaterial.zip herunter — die 334 Megabyte sind im Büro heute kein Problem mehr, doch dann frage ich mich, warum dann überhaupt noch gezippt? Denn ausgepackt sind es 364 Megabyte, also mit 30 Megabyte nicht wirklich eine Ersparnis.

Und: Nachdem ich das Archiv entpacke, habe ich 121(!) Bilddateien auf der Platte — okay, als Einzeldatei ohne Vorschau wäre ein Download auch nicht besonders praktisch. Schön, daß man die Kamera in jeder denkbaren Einsatzsituation und auch ein paar technische Detailaufnahmen bekommt, aber für eine “Neuheiten”-Meldung ist dies m. E. deutlich zuviel. — Beim Konkurrenten Canon bekommt man zwar ebenfalls eine reichhaltige Auswahl, aber mit Vorschaubild und einzeln downloadbar. Dort gibt’s dafür immer eine (für mich) zu große Zeitschriftenauflösung und ebenfalls gezippt.

[Update]

Kein Versehen, keine Übergangslösung, auch zur Vorstellung der neuen Nikon D4s hält man am “Konzept” fest. Immerhin läßt der Name des Archivs nun Rückschluß auf den Inhalt zu:

Index of /~Nikon_WWA_25022014

Index of /~Nikon_WWA_25022014

Solche Servermeldungen sieht man normalerweise bei verwaisten Websites. Was die Präsenstation von Bildmaterial angeht, sollte man sich am “Erzrivalen” Canon orientieren, hier beispielsweise bei der Powershot G1x.

Jedes Foto schon auf der Homepage einzeln auswählbar. (Quelle: Canon)

Jedes Foto schon auf der Homepage einzeln auswählbar.
(Quelle: Canon)

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