So machst du deine Paßbilder schnell und einfach selbst: die Bearbeitung in Lightroom (Teil II)

Alle Jahre wieder fordert die Obrigkeit den Unterthan auf, Personalausweis und Reispaß u. a. mit einem neuen Foto auszustatten. Zumindest der Perso ist Pflicht (man muß ihn allerdings nicht immer dabei haben!).

Das Foto in Lightroom bearbeiten.

Das Paßbild in Lightroom vorbereiten.

Dies ist ein zweiteiliger Workshop, um selbst ein “amtliches” Paßfoto anzufertigen. Im ersten Teil “So machst du deine Paßbilder schnell und einfach selbst: die Aufnahme.” beschreibe ich das Setup (Ausrüstung) und was man bei der Aufnahme beachten muß. Jetzt geht es mit der Bearbeitung in Lightroom weiter: So erstellst du das korrekte Format 3,5 x 4,5 cm und bestimmst die Anzahl der Bilder auf einem Ausdruck.

Die Ausarbeitung in Lightroom

Wie ich in meinen Lightroom-Tutorials immer predige, ist eine Bildbearbeitung kaum notwendig, wenn man sich schon bei der Aufnahme entsprechend Mühe gibt. Als erstes bestimme ich grob den Ausschnitt und korrigiere die Belichtung in Richtung hell und ausgewogen. Eigentlich so wie immer. Ein wenig fummelig — weil man es sonst kaum so exakt braucht — sind Seitenverhältnis und absolute Größe. Das erledigst du in zwei Schritten.

Schritt 1: Das Seitenverhältnis kann man nur vorgeben, wenn im “Entwickeln”-Modul die “Freistellungsüberlagerung” (Ausschnittwerkzeug) aktiv ist. Dann kannst du in der rechten Seitenleiste unter diversen Vorgaben auswählen. Der erste Eintrag “Benutzerdefiniert” ist nur die Statusmeldung, daß du bereits über die Anfasser den Bildausschnitt verändert hast. Wenn du ein eigenes Seitenverhältnis exakt vorgeben möchtest, ist der letzte Eintrag “Be.def. eingeb.” entscheidend. Dabei mußt du keine komplizierten Überlegungen anstellen, trage dort einfach “35 x 45” ein (es wird meistens auf 35.000 x 45.000 “korrigiert”). Achte aber unbedingt darauf, daß das Schloß rechts daneben verriegelt ist, damit du Größe und Position gefahrlos anpassen kannst, ohne das Seitenverhältnis zu verändern.

Ich arbeite nach Sicht: Links auf dem Monitor das Beispiel der Bundesdruckerei, rechts LR in der Freistellungsüberlagerung [R]. Wie genau der Bildausschnitt aussehen muß, wird sehr gut auf der “Service“-Seite der Bundesdruckerei erklärt. Dort gibt es zwei sehr ausführliche Infoflyer mit anschaulichen Beispielen (siehe Ausschnitt unten):

Angaben für das korrekte Foto nach Vorgabe der Bundesdruckerei (Quelle: Screenshot a. a. O.)

Angaben für das korrekte Foto nach Vorgabe der Bundesdruckerei.
(Quelle: Screenshot a. a. O.)

Tipp: Auch für die “Greencard Lottery” (Electronic Diversity Visa ) braucht man ein Foto. Leider ist die aktuelle Beschreibung zur Zeit nicht erreichbar. So weit ich mich erinnere, muß es ebenfalls “biometrisch” sein, allerdings mit quadratischem Ausschnitt: Beim Seitenverhältnis dann einfach “1 x 1” auswählen.

Druckformat anlegen

Schritt 2: Lightroom ist nicht Photoshop, deshalb kann man in der Entwicklung weder Größe noch Auflösung etc. einstellen. Wenn du mit dem Bildausschnitt zufrieden bist, wechsele direkt in das “Drucken”-Modul. Dort erscheint das aktuell ausgewählte Foto allein in der linken oberen Ecke. Es gibt dort zwar in der linken Seitenleiste wieder einige Vorgaben, um Bilder zu drucken, aber ein Paßbild ist nicht dabei. An dieser Stelle wollen wir zwei Dinge erreichen:

  • die vorgeschriebene Größe von 3,5 x 4,5 cm
  • mehrere Bilder auf einem Blatt anordnen (Nutzen)

Drücke die Taste [I] (ih), dann erscheint in der Vorschau eine Einblendung der aktuellen Einstellungen. Eine der wichtigsten ist der Drucker, der u. a. Format und Möglichkeiten vorgibt. Normalerweise verwende ich einen Schwarzweiß-Laserdrucker. Für Postkarten, Namensschilder usw. habe ich aber noch einen kleinen aber feinen Farbdrucker Canon Selphy, der im Thermosublimationsverfahren “Postkarten” druckt. Der braucht wenig Platz, da trocknet nichts ein und die Bildqualität ist hervorragend (außerdem kann man ihn notfalls sogar unterwegs mit Akku betreiben). Da gibt’s auch kein Genörgele beim “Bürgeramt” (Laserausdruck auf Papier wird wahrscheinlich durchfallen).

Canon Selphy -- gut für kleine Farbdrucke wie beispielsweise Paßbilder.

Canon Selphy — gut für kleine Farbdrucke wie Paßbilder.

Als den ersten Schritt — von dem bis zu einem gewissen Grad auch die anderen Einstellungen abhängen — muß man sich für einen Drucker entscheiden. In diesem Fall stelle ich auf den kleinen Selphy (nomen est omen) um: Dies geht in der linken Seitenleiste unter “Seite einrichten | Druckereinrichtung -> Name”. Wenn mehrere Papierformate möglich sind, bitte auch bei “Papier” die Größe einstellen (hier 10 x 15). — Jetzt geht es in der rechten Seitenleiste weiter:

  • Bei “Layout” stelle ich das gewünschte Bildformat über die “Zellengröße” auf 45 mm (Höhe) und 35 mm (Breite) ein. Darüber definiere ich den Nutzen (Anzahl) über “Seitenraster” 2 Reihen (gemeint sind Zeilen) sowie 2 Spalten.
  • Bei “Bildeinstellungen” sorgt die Option “Ein Foto pro Seite wiederholen” dafür, daß das Paßbild mehrfach erscheint — und zwar wie oben angegeben 2 x 2, also insgesamt 4 Stück.
  • Jetzt kannst unter “Layout” eventuell noch die Ränder anpassen, da ja randloses Drucken immer ein wenig problematisch ist und der Bilderbogen sonst auch etwas seltsam aussieht (außerdem hat man im Bürgeramt noch Ausstanzzangen, die nur mit Rand ordentlich funktionieren). Allerdings verändern Randeinstellungen zum Teil auch die Größe der Einzelbilder! — Also unbedingt nochmal die Zellengröße kontrollieren!
  • Bei “Druckauftrag” kann man die “Ausgabe” ggf. von Drucker auf JPEG-Datei umstellen.

Per Druckvorlage Größe und Anzahl einstellen.

Per Druckvorlage Größe und Anzahl einstellen.

Paßbild-Vorlage speichern

Wie bei Entwicklungs- oder Export-Einstellungen mag das auf den ersten Blick ein wenig verwirrend und umständlich erscheinen. Doch nicht vergessen: Das mußt du so aufwendig nur einmal durchexerzieren, dann kannst du über (+) im Vorlagenbrowser (in der linken Seitenleiste) dafür ein eigene Vorlage (Preset) anlegen. Ein im Katalog ausgewähltes Bild wird mit dieser Vorlage immer viermal in 35 x 45 mm auf ein 10 x 15 cm großes Blatt gedruckt. Wählst du mehrere Bilder aus, werden mehrere Blätter gedruckt.

Ich drucke jetzt die Bilder direkt auf eine “Postkarte” (10 x 15 cm) und wackele sofort zum Amt (ohne Kommentar angenommen). Wenn du keinen Farbdrucker hast, kannst du auch in eine JPG-Datei drucken. Diese packst du auf einen USB-Stick und nutzt ein Druckterminal im Drogeriemarkt (dort muß exakt 10 x 15 cm möglich sein, weil sonst der Ausdruck meist automatisch vergrößert/verkleinert wird). Insgesamt ein schöner Workshop mit praktischem Nutzen.

 

[Update] Alternative online

Wenn du trotzdem damit nicht klar kommst oder du gar keine Bildbearbeitung hast, gibt es auch hilfreiche Online-Tools, beispielsweise “Persofoto“. Es bietet den Import eines “rohen” Fotos oder sogar die Persofoto hilft bei der richtigen Ausrichtung des Bildes. (Quelle: Screenshot)Aufnahme per Webcam an. Du lädtst das Bild hoch und kannst es in der Maske zurechtrücken.

Persofoto hilft bei der richtigen Ausrichtung des Bildes.
(Quelle: Screenshot)

Natürlich hat so ein Service einen Hintergedanken: Für knapp 7 Euro kannst du dir anschließend 6 Paßbilder im richtigen Format zuschicken lassen, angeblich sogar mit Überprüfung auf Tauglichkeit für den Ausweis.Wenn du sonst nichts mit Computer und Bildbearbeitung am Hut hast, scheint mir das ein fairer Preis. Andererseits kannst du das bearbeitete Bild auch herunterladen und selbst ausdrucken.

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