So machst du deine Paßbilder schnell und einfach selbst: die Aufnahme (Teil I)

Alle Jahre wieder fordert die Obrigkeit den Unterthan auf, Personalausweis und Reispaß u. a. mit einem neuen Foto auszustatten. Zumindest der Perso ist Pflicht (man muß ihn allerdings nicht immer dabei haben!).

Das Foto in Lightroom bearbeiten.

Das Paßbild in Lightroom vorbereiten.

Einmal davon abgesehen, daß ich echt Schwierigkeiten hätte in der Nähe einen “Fotografen” für so ein Bild zu finden (scheinen ausgestorben), wäre mir das zu zeitaufwendig. Und auch noch riskant: Nachdem Softwarefirmen den Kunden über “Lizenzen” zunehmend enteignen, springt inzwischen mancher Fotograf auf den Zug auf. Ich mache das biometrische Paßfoto dann lieber selbst, spare Geld, kann damit machen was ich will — und es geht auch konkurrenzlos schnell.

Wenn du ein “Paßfoto” von einem Fotografen anschließend auf deiner (Bewerbungs-) Homepage verwendest, kann dir eine Abmahnung ins Haus flattern — du hast nämlich nur eine Paßfoto-“Lizenz” bekommen… Damit hat sich sogar das LG Köln, (2006 | 28 O 468/06) befaßt, wobei man sich wundert, warum der Fotograf die Bilder dann überhaupt als CD-ROM aushändigt. Da merkt man wieder einmal, wie #neuland Deutschland geworden ist. Bekannt für Urteile aus dem Postkutschenzeitalter ist ja sonst nur Hamburg. Als Nichtjurist habe ich hinsichtlich der sog. Schöpfungshöhe allerdings meine Zweifel, wie weit das Urheberrecht bei einem Paßfoto — nicht Portraitfoto — solch eine Nutzung ausschließen kann — zumal es als biometrische Version ja nicht sonderlich hübsch ist. Als quadratische Variante kannst du es m. W. auch für die Greencard Lottery verwenden.

Anforderungen an die Aufnahme

Wie dem auch sei, das kann man als geübter Fotograf auch als Selbstportrait lösen. Denn so ein biometrisches Paßbild erfordert von der Gestaltung deutlich weniger Aufwand: Biometrisch heißt nämlich einfach ausgedrückt, “gucke wie ein Verbrecher” — genauso, wie deutsche Innenminister ihre Unterthanen leider einschätzen (siehe #Zensursula, Bundestrojaner, Antiterrordatei):

  • Blick direkt in die Kamera
  • Kopf gerade halten
  • bloß nicht lächeln
  • Haare aus dem Gesicht
  • gleichmäßige Ausleuchtung
  • neutraler Hintergrund
  • keine spiegelnden Brillengläser
  • keine Kopfbedeckung
  • kein Schmuck

Mache das Bild im Grunde genommen so, wie man ein Portraitfoto eben nicht machen würde. Es ist kein Schmuckbild mit Schulterblick und freundlichem Gesichtsausdruck, sondern ein maschinenlesbares Bild zur Überwachung.

Auch wenn du ohne Brille nichts siehst, würde ich so ein Foto schlicht ohne Brille machen (aber nicht die Augen zukneifen). Dann gibt es keine Probleme mit Reflexionen. Bei einer Kontrolle kannst du im Zweifelsfall eine Brille dann einfach abnehmen, um dem Bild ähnlich zu sehen. Umgekehrt könnte ein kritischer Kontrolleur eine besonders große/modische/andere Brille auf dem Paßbild als “verdecken” interpretieren und dich nicht wiedererkennen — hat damit jmd. Erfahrungen?

Die Kamera aufbauen

Damit es einigermaßen neutral wird, kannst du das Bild leider nicht “zwischendurch” unterwegs machen. Ich setze mich ins Wohnzimmer in einigem Abstand vor die matt weiß gestrichene Wand (keine Mustertapete) und stelle in 2 -3 m Entfernung meine Kamera auf.

  1. Kamera auf ein solides Stativ. Ich nutze das Querformat, weil die Kamera dann fester sitzt und ich weiter gut an die Bedienelemente herankomme. Das spätere Portraitformat spielt noch keine Rolle.
  2. Aufsteckblitz — natürlich schräg an die Decke gerichtet. Ich verwende ein altes Gerät mit X-Synchronisation und stelle die Belichtung nach “Versuch und Irrtum” manuell ein. Das ist nicht nur deutlich preiswerter als ein Systemblitz, sondern vermeidet auch, daß später eine Automatik von Bild zu Bild anders entscheidet. Man kann zwar auch natürliches Licht einsetzen, muß dann aber genauestens auf Schatten achten (scheint mir in diesem Fall ohne Hilfe schwieriger).
  3. Fernauslöser per Funk. Ein Kabel würde im Bild zwar nicht zu sehen sein, aber bei den üblichen Längen etwas knapp (bitte nicht mit Weitwinkel ranrücken!). Das Gerenne beim Selbstauslöser ist mir zu hektisch. Außerdem entkoppelt Funk das Stativ, so daß er sich auch gut für Nacht- oder Makroaufnahmen einsetzen läßt.

Mit ein paar Probeschüssen richte ich die Kamera aus. Es muß ja nicht gleich der knappe Portraitausschnitt sein, sondern grob der Oberkörper, Gesicht mittig. Man braucht auch genügend Rand, um anschließend das spezielle Format ausschneiden zu können. Zur Bildkontrolle könnte man auch via USB-OTG ein Tablett-PC anschließen oder über HDMI einen kleinen Kontrollmonitor/Fernseher.

Als Optik verwende ich mein “immer drauf” mit 85 mm, bei Blende 5,6 für ein bißchen Schärfenreserve, damit die Nase nicht unscharf wird (und weil das so mit dem manuellen Blitz auf Anhieb paßt). Den eingebauten Aufklappblitz sollte man nicht verwenden, da er starke Schatten an der Wand verursacht — eventuell mit einem zusätzlichen Diffusor abschwächen (notfalls Butterbrotpapier).

Ich löse ein paarmal aus und kontrolliere zwischendurch auf dem Kameradisplay ob es einigermaßen aussieht. Weil ich es Sonntagnachmittag nicht eilige habe, entnehme ich erstmal nur die Speicherkarte und Sichte die Bilder in Lightroom. Falls es nur Nieten sein sollten, kann ich das “Setup” weiter benutzen.

Fortsetzung folgt…

Im zweiten Teil “So machst du deine Paßbilder schnell und einfach selbst: die Bearbeitung in Lightroom.” (online voraussichtlich in etwa ein bis zwei Wochen ) geht es um das post processing, also die Bearbeitung in Lightroom und vor allem das korrekte Format 3,5 x 4,5 cm sowie die Anzahl der Bilder auf einem Ausdruck. Insgesamt ein nützlicher Workshop mit praktischem Nutzen.

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