SmartDeblur kitzelt aus Pixelmatsch erkennbare Bilder heraus

Bei der Fotografie spielen Schärfe und Belichtung eine große Rolle. Während eine falsche oder schwierige Belichtung nicht zuletzt Dank der HDR-Technik ihre Schrecken verliert, sind unscharfe oder verwackelte Bilder schwer zu korrigieren.

Erster Versuch mit echt unscharfem Foto.

Erster Versuch mit echt unscharfem Foto.

Großes Interesse erregt deshalb ein kostenlos erhältliches Programm, mit dem man aus kaum erkennbarem “Pixelmatsch” passable Ergebnisse herausholen kann.

Das Programm heißt SmartDeblur und stammt von Vladimir Yuzhikov. Es soll “Restoration of defocused and blurred Images” ermöglichen, also falsche Fokussierung und Verwischen (z. B. durch Verwackeln) korrigieren können. Hört sich toll an, zumal selbst die Bildbearbeitungsboliden Lightroom oder Photoshop diesbezüglich wenig zu bieten haben. Dort kann man in der Regel mit “schärfen” oder “unscharf maskieren” oft nur eine Feineinstellung betreiben.

Original Ausschnitt eines unscharfen Bildes
mit SmartDeblur bearteitetes Ergebnis

Original Ausschnitt eines unscharfen Bildes sowie mit SmartDeblur bearbeitetes Ergebnis.
(Bilder: Luhm)

Angenehme Überraschung gleich zum Start: Das Programm muß nicht erst installiert werden, läuft direkt aus dem entpackten Archivordner (Windows). Meine Testdatei kann direkt per drag & drop in das Arbeitsfenster gezogen werden, es wird allerdings aus Performancegründen automatisch auf 2.000 x 3.000 Pixel skaliert (kann in den “Settings” aber geändert werden) — für meine Versuche verringere ich die Bildgröße allerdings sogar auf 800 x 600 Pixel, da mein Core Duo nicht ganz so fix ist.

Die auf der Homepage des Autors gezeigten Beispiele sind beeindruckend. Doch stimmt das alles so? Für meine eigenen Versuche nehme ich ein “echt unscharfes” Foto, das ich ursprünglich aufnehme, um die Schärfentiefe zu überprüfen (links über die Reihe der Fahrradbügel). Dabei wird der Motorroller am Ende des Parkplatzes absichtlich unscharf abgebildet. In zwei weiteren Stufen erkennt man noch eine Tür (links) sowie Gartenschirme (rechts).

Ich stelle — wie es der tatsächlichen Situation entspricht — “out of focus blur” als Hauptfunktion ein und spiele mit den zusätzlichen Reglern. Die Software legt dabei unmittelbar los, zeigt zwischendurch eine überlagerte Vorschau in schwarzweiß. Schon nach wenigen Minuten erziele auch ich ein brauchbares Ergebnis, um den Motorroller einigermaßen scharf abzubilden. Es entstehen dabei allerdings mehr oder weniger starke Doppelkonturen, die Zeichnung in den dunklen Partien bleibt gut erkennbar erhalten. Auch die Tür und die Schirme im Hintergrund gewinnen buchstäblich an Kontur. Das fertige Bild kann man als JPG oder PNG speichern.

Als zweites teste ich noch ein Foto, das ich mit dem “Blur”-Filter in Irfanview vorher künstlich verwische. Das Original Foto ist Dank 16-mm-Optik von vorn bis hinten scharf, zusätzlich setze ich noch einen kleinen Schriftzug “unscharf” ein (weiße Schrift mit dünner schwarzer Umrandung).

verwaschenes Bild geschärftes Bild

Zweiter Versuch der Bildschärfung mit anderen Vorgaben.
(Bilder: Luhm)

Diesmal verwende ich probeweise nacheinander alle angebotenen Methoden. “gaussian blur” liefert zumindest im Schnelltest das beste Ergebnis, weil ein “Verwischen”-Filter meistens ebenfalls eine solche Methode verwendet. Auch hier kann man ein gut erkennbares Bild herauskitzeln, um Objekte zu identifizieren oder Schriften lesen zu können. Aber auch schon die verkleinerten Vorschaubilder zeigen, daß Schärfe auch immer etwas mit Bildgröße zu tun hat (weshalb nicht so viel auf große Kameradisplays geben sollte). Nach dem Motto “it is not a bug it is a feature” kann man dem Bild vielleicht auch künstlerisch etwas abgewinnen…

Fazit

So ein Programm mit grafischer Bedienoberfläche und Schiebereglern vermittelt den Eindruck leichter Bedienbarkeit. Und um irgendetwas in Gang setzen zu können, braucht man tatsächlich keine Fachkenntnisse. Das Programm ist aber auch keine 1-Klick-Lösung, ein bißchen Knowhow und viel Geduld sind notwendig (was der Auto ausführlich erläutert). Allerdings sollte der künstlerisch veranlagte Fotofreund sich von dem Traum verabschieden, versaubeutelte Bilder damit knackscharf zu bekommen. Es ist m. E. eher ein Programm à la Navy CIS, wo man aus den miesesten Fotos noch ein erkennbares Nummernschild herausfummeln kann, oder auf einem alten Familienfoto eventuell verschollen geglaubte Personen sichtbar zu machen. Wer sich für Bildbearbeitung interessiert, wird beeindruckt sein.

[Kurzinfo]

  • Mit SmartDeblur kann man aus verwischtem Pixelmatsch wieder erkennbare Bilder machen.
  • Autor: Vladimir Yuzhikov | Sprache: englisch | Windows | Lizenz: Freeware | Homepage: http://yuzhikov.com

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