Server-Überwachung — Vertrauen ist nicht immer angebracht…

Webhoster für Privatnutzer oder KMU werben mit mit allem Möglichen, selten aber mit Geschwindigkeit oder Verfügbarkeit. So bringt mir der vServer bei Strato zwar höhere Kosten, aber kaum bessere Geschwindigkeit und vor allem mehr Wartungsaufwand und Service-Probleme. Außerdem habe ich seit geraumer Zeit das Gefühl, daß die Erreichbarkeit zu wünschen übrig läßt (was mir z. T. von Leser auch bestätigt wird). Meine entsprechenden Anfragen beim “Support” werden abgetan, ich könne halt nicht mit dem Server umgehen…

Und wie so oft rechnen nur wenige Leute nach, wenn scheinbar sichere “99 Prozent Verfügbarkeit” versprochen werden. Aufs Jahr umgerechnet sind 1 Prozent Ausfall mehr als 3½ Tage Downtime (87,6 Stunden), was selbst für eine private Website unerfreulich ist und nicht selten sind es sogar deutlich längere Zeiten (nur der “doofe Nutzer” merkt es nicht, außer durch rapide sinkende PIs oder Anfragen von Lesern).

Doch um aus einem “Gefühl” handfeste Daten zu machen, braucht man einen sog. Uptime-Monitoring-Service. Schon Ende 2009 greife ich das Thema auf und nutze recht lange “www.247webmonitoring.com“. Doch dieser Dienst wird anscheinend nicht mehr gepflegt, Einloggen bzw. Abrufen der Daten funktioniert manchmal nicht — Zeit, sich nach einer Alternative umzusehen.

Eine Empfehlung von Julian auf der Bloggertour, ein WP-Plugin von S. Müller sowie einen Zufallsfund während der Recherchen zu “Webhosting und Domänen trennen” sind mein Ansatzpunkt:

Ich bevorzuge kostenlose Accounts, nicht wg. “Geiz ist geil”, sondern weil mir schon öfter Vorkasseguthaben verfallen sind: entweder weil der Betreiber keine Lust mehr hatte oder schlicht Pleite gegangen ist. Serverstate bietet allerdings akzeptable Konditionen und wenn man die Vorkasse entsprechend dosiert, bliebe selbst ein “worst case” erträglich.

 

Hosttest

Hosttest verspricht: Überwachung im 5-Minuten-Abstand, kostenlose Benachrichtigung per E-Mail oder SMS und betont “Dieser Service ist absolut kostenlos”. Die Anmeldung gilt für alle Dienste der Website (beim Einloggen Kundennummer verwenden). — Tut mir Leid, auch nach einer Registrierung lande ich immer wieder auf der Info-Seite zur Registrierung. Ein Formular, um meine Websites eintragen zu können, finde ich nicht. Meine E-Mail-Anfrage beim Anbieter, ob ich etwas falsch mache oder schlicht eine Störung vorliegt, ist bis heute unbeantwortet. Da kann man nichts machen…

Uptime Robot

Die Empfehlung von Julian: Bei UptimeRobot ein Monitoring anlegen.Erst einen Account anlegen und bestätigen, dann in “My Settings” erstmal die Zeitzone einstellen: Wir sind UTC +1 (veraltet oft auch GMT +1).

Bei “UptimeRobot” ein Monitoring anlegen.

In “My Monitors” kann man die zu überwachenden Websites eintragen, wobei unterschiedliche Typen zur Auswahl stehen. Die Überwachung geschieht im festen 5-Minuten-Rhythmus. Der Dienst läßt sich über das Backend komfortabel und übersichtlich bedienen. Störungen können per E-Mail, SMS, RSS, Twitter oder iPhone-Push gemeldet werden.

Serverstate

Serverstate kann erstmal 14 Tage frei genutzt werden, wird dann allerdings “voll kostenpflichtig” (also auch keine einzelne Funktionen/Websites kostenlos nutzbar)Überwachung alle 5 Minuten per Serverstate..

Überwachung alle 5 Minuten per “Serverstate”.

  • Überwachung von HTTP/HTTPS, SMTP, FTP, IMAP, PING, POP3
  • Interne Überwachung (CPU-Auslastung, MySQL-Replikation,…)
  • Unbegrenzte Überwachungsaufträge oder Empfänger
  • Benachrichtigung per SMS, E-Mail oder Twitter
  • Uptime-Auswertung und Statistik
  • und noch ein paar andere Sachen…

Es fällt keine Grundgebühr an, sondern wird pro Abfrage vom Vorkasse-Guthaben abgezogen (ab 10 Euro, bei Überweisung beliebig) — zur Zeit 0,0001 Euro pro Check. Das macht bei praxistauglichen 5 Minuten ca. 0,85 Euro/Monat und bei sparsamen stündlicher Kontrolle nur 7 Cent/Monat. Das Überwachungsintervall kann man in vielen Abstufungen zwischen minütlich und stündlich wählen. Der durchgestrichene Preis zeigt, welche Kosten nach Ablauf des Probezeitraumes anfallen, so kann man schon ausprobieren und planen.

Serverstate steht mit zwei Besonderheiten in dieser Liste: Obwohl es kostenpflichtig ist und weil es ein spezielles Plugin für WordPress gibt, nämlich “Serverstate” (ab PHP 5.2 und WP 3.3) von Sergej Müller, das die Daten bei Serverstate abfragt und ins WordPress-Backend überträgt, so hat man alles im Blick und muß nicht extra ins Backend von Serverstate wechseln. Die notwendigen Einstellungen nimmt man direkt in einem Formular im Dashboard vor, wo später auch die Statistik erscheint. Die Initialisierung dauert allerdings, da sollte man nicht beginnen, wenn anschließend “schnell noch etwas anderes” machen möchte.

Testphase

UptimeRobot signalisiert auf den ersten Blick auf fast allen Sites einen nahezu durchgehend grünen Balken mit 100 Prozent Verfügbarkeit, nur manchmal gibt es einen kleinen schwarzen Strich für eine Unterbrechung (wenn man den mit der Maus trifft, gibt’s direkt eine kleine Infobox).

Welche Seiten sind bei Strato gehostet?

Welche Seiten sind wohl bei Strato gehostet?

Erst mit einem Klick auf das Statistik-Icon am Ende der Zeile erhalte ich eine etwas ausführlichere Info in Textform: Sie belegt das ungute Gefühl der Serverausfälle, im Screenshot sind fast alle Einträge vom 20.3.2013 (vorsicht, amerikanische Schreibweise), also viermal “down” allein an diesem Tag.

Statistik von UptimeRobot

Statistik von UptimeRobot ist einfach gehalten.

Serverstate liefert eine deutlich ausführlichere Auswertung und so eine Grafik bringt es viel deutlicher auf den Punkt. Auch hier signalisieren viele rote Balken, daß es Probleme gibt.

Serverstate gibt detailliert Auskunft.

Serverstate gibt detailliert Auskunft.

Die obige Abbildung zeigt ja nur einen Tag, die “Monatsstatistik” faßt es folgendermaßen zusammen:

  • Uptime: 97,99 Prozent
  • durchschnittliche Antwortzeit: 6953 ms
  • Ausfälle: 31 mit 3 Stunden 15 Minuten

 

Die Wochenübersicht bringt es auf den Punkt.

Die Wochenübersicht bringt es auf den Punkt.

Warum Anführungsstriche bei Monatsstatistik? Weil es sich wg. dieses Tests nur um “netto” 7 Tage handelt (Tag der Einrichtung, 7 Tage Betrieb, Tag des Ablesens). Nicht alle Tage fallen so mies aus, es gibt zwischendurch auch ziemlich gute Werte. Doch wie sieht dann erst ein ganzer Monat aus?

Fazit

Ich habe jetzt die beiden Monitordienste UptimeRobot und Serverstate gut eine Woche machen lassen (“Hosttest ” hat auf meine Anfrage nicht geantwortet, ich hab’s halt nicht gefunden…). UptimeRobot ist kostenlos und sehr übersichtlich — was zumindest bis jetzt ein tendenziell zu optimistisches Bild liefert. Serverstate liefert fürs Geld eine deutlich detaillierte Auswertung. Das anfangs erwähnte Plugin für WordPress überzeugt mich dagegen nicht, da es oft ewig den “busy”-Kreisel anzeigt und dann nur “Antwortzeit” und “Erreichbarkeit” als Linie darstellt.

Serverstate-WP-Plugin mit Weretn für Uberspace

Serverstate-WP-Plugin mit Werten für “Uberspace”.

Nun bin ich kein Hostingexperte und typische Ausreden der Anbieter bei schlechter Erreichbarkeit bzw. Antwortzeiten sind “das ist normal” oder “Sie haben keine Ahnung“. Daraus ergibt sich die Frage, wie zuverlässig die Messungen der Monitoringdienste sind und was “gute Werte” sein können. Wie immer mache ich eine Gegenprobe mit bei anderen Anbietern gehosteten Websites, zum Beispiel “STRG-U.de” bei Uberspace. Dort liefert Serverstate in der Zusammenfassung für den selben Zeitraum “100 Prozent Uptime” und eine “durchschnittliche Antwortzeit von 756 ms” — fast zehnmal(!) so schnell und das bei shared hosting. Selbst wenn man über die absoluten Werte diskutieren kann, zumindest die Relation dürfte stimmen. Bei den Details kommt es natürlich immer auf die eigenen Ansprüche an. Sicherlich gibt es noch viele andere Dienste — Empfehlungen bitte in die Kommentare.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.