Schwarzweiß oder Farbe fürs Kindle E-Book? [Update]

“Früher” sind viele Bilder in Zeitungen und Büchern schwarzweiß, weil Fotografie und Druck nur in schwarzweiß bezahlbar sind. Und obwohl sich auch im Printbereich diesbezüglich einiges getan hat, spielt das Thema “Farbe oder schwarzweiß?” noch immer eine Rolle. Im konkreten Fall geht es um die “ideale” Vorlage für ein KindleE-Buch.

Farbbild mit 100 QualitätGraustufen 100 Qualitätechtes schwarzweiß

Foto mit 16 Millionen Farben, 256 Graustufen und echtes schwarzweiß mit 1 Bit.

Neben den rein künstlerischen Aspekten spielt bei der Erstellung eines elektronischen Buches für den E-Book-Reader die Farbe sowohl technisch als auch wirtschaftlich eine Rolle:

  1. Mit explizit für das Lesen entwickelten Geräten hält eine neue Anzeigetechnik Einzug, die als elektronische Tinte (E-Ink) in der Darstellungsqualität verdammt nah an einen konventionell gedruckten Text heranreicht und dabei so wenig Strom benötigt, das so ein Gerät z. T. wochenlang nicht geladen werden muß. Leider können solche Displays bisher nur “schwarzweiß” bzw. maximal 16 Graustufen.
  2. Abgesehen davon, daß die meisten E-Book-Reader technisch nur Graustufen können, kommt speziell bei der Publikation via Amazon noch ein wirtschaftlicher Aspekt hinzu: Bilder vergrößern den reinen Dateiumfang eines E-Buches und Amazon läßt sich z. Zt. den Transfer zum Kunden via “Whispernet” mit 12 Cent/Megabyte bezahlen. Das kann sich besonders bei kleinen Publikationen im 99-Cent-Bereich überproportional negativ auswirken. Und ab einer bestimmten “Gewichtsklasse” setzt Amazon außerdem einen höheren Mindestpreis fest.

Versuch

Es stellt sich also die Frage, ob es sich lohnt, Bilder vorab in Graustufenbilder umzuwandeln: Nützt es a) der Darstellungsqualität auf einem Schwarzweißbildschirm und verringert sich b) die Dateigröße signifikant?

Dies ist eine empirische Untersuchung, sprich: es wird ausprobiert. Als Software verwende ich dazu den sehr vielseitigen Bildbetrachter Irfanview. — Falls jmd. die Ergebnisse mathematisch erklären möchte, würde ich mich über eine E-Mail freuen.

Komprimierung
Qualität

16 Mio.
Farben
256
Graustufen
16
Graustufen

Original

10.445

100

350

260

299

90

115

100

123

80

80

70

80

70

65

58

64

60

55

49

54

50

48

43

47

40

42

38

40

30

35

32

33

20

27

24

25

10

16

15

15

1

7

5

5

Dateigrößen, alle Angaben in kByte.

Für diesen Test reduziere ich die Bildgröße eines Fotos zuerst auf die native Auflösung eines Kindles mit 800 x 600 Pixel — wird gern vergessen und reduziert die Dateigröße schonmal von mehr als 10 Megabyte auf rund 350 Kilobyte. Anschließend speichere ich das Bild in unterschiedlichen Qualitätsstufen: Einerseits in Farbe, andererseits in Schwarzweiß (jeweils vom Original in voller Qualität ausgehend).

Auswertung

Das Graustufenbild ist zwar immer kleiner als das Farbbild, doch schon ab der Qualitätsstufe “90” nimmt der Vorteil rapide ab. Weil dabei 16 Millionen Farben nur 256 Graustufen gegenüber stehen, ist die geringe Differenz überraschend. Ich verwende deshalb zusätzlich die Option “Als Graustufen-JPG speichern” (im “Optionen”-Bereich beim “Speichern”-Dialog) — leider mit identischem Ergebnis.

Noch kurioser wird es, wenn man das Bild vorab auf 16 Graustufen reduziert: Die Dateigröße reduziert sich nicht etwa auf 1/16, sondern wächst an, übertrifft immer das “normale” Graustufenbild und bei “90” sogar das Farbbild.

Fotograf und Computertechniker haben außerdem von “schwarzweiß” unterschiedliche Vorstellungen: Streng genommen besteht auf dem Computer ein Schwarzweißbild tatsächlich nur aus schwarzen Punkten auf einer weißen Fläche (1 Bit Farbtiefe). Für den Fotografen gehören zu “schwarzweiß” ganz selbstverständlich auch graue Zwischentöne (Halbtonbild) — was die Computertechnik entsprechend Graustufenbild nennt (8 Bit Farbtiefe).

Selbst die radikale Reduzierung auf “echtes Schwarzweiß” mit 1 Bit Farbtiefe erreicht als JPG bei voller Qualität “100” eine Dateigröße von stolzen 305 kByte. Erst als ich das Speicherformat auf GIF wechsele, kommt eine Dateigröße von 33 kByte heraus. Da dies in der Dateigröße allerdings Farbe/Graustufen in 30er Qualität entspricht, ist dies nicht wirklich ein Gewinn. Als letzte Probe speichere ich das Farbbild ebenfalls als GIF. Obwohl dieses Format auch in Farbe auf 256 Farben beschränkt ist, bringt es mit 288 kByte keine wirkliche Ersparnis.

Fazit

Weil die Bildgröße mit 600 x 800 Pixel vorgegeben ist und man keine Reserven für Bildbearbeitung oder gar Vergrößerungen benötigt, kann man das Verhältnis von Qualität zu Größe gut steuern:

  1. Nur bei bester Qualität bringt rein der Wechsel von Farbe auf Graustufen eine signifikante Ersparnis beim Dateiumfang. Schon bei 90 sind die Unterschiede sehr gering, was den Nachteil gegenüber Farbgeräten nicht rechtfertigt.
  2. Viel effektiver ist es dagegen, den Qualitätsfaktor zu reduzieren. Mit 40 oder ggf. 30 erreicht man einen guten Kompromiß. Notfalls kann man im Einzelfall sogar noch darunter gehen — denn: Jedes Bild beansprucht allein praktisch genauso viel Speicherplatz wie oft der gesamte Text des Buches.

Egal wie man sonst noch weiter experimentiert, man bekommt die Bildqualität — wobei ich großzügig nur von “Erkennbarkeit” ausgehe — zwar noch “schlechter”, aber die Ersparnis hinsichtlich der Dateigröße steht dann in keinem Verhältnis. JPG 40 mit 800 x 600 Pixel scheint das ideale Format zu sein.

[Update]

Screenshot eines Farbbildes auf Kindle.Dank meines Kindle-Praxistests konnte ich es jetzt auch auf echter Hardware überprüfen. Das Farbbild wurde als E-Mail auf das Gerät geschickt und dort als azw abgelegt.

Screenshot eines Farbbildes auf Kindle.

Durch das Amazon-Gateway hat sich Umfang des Originalbildes auf 101 Kilobyte verringert (die anderen Formate habe ich nicht durchgetestet). Die automatische Umwandlung ist nicht schlecht, aber manuell läßt sich eben doch eine bessere Platzersparnis erzielen. Das Bild ist mit den 16 Graustufen gut erkennbar.

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