So wird aus einem alten Zeitungsbild wieder ein tolles Foto.

Vor ein paar Tagen kommt man Vater mit einem alten Zeitungsartikel an und fragt, ob ich das Bild scannen könnte. Es ist sein eigenes Foto, das dort vor rund 50 Jahren abgedruckt wurde. Leider hat er beim “Aufräumen” vor einigen Jahren die Negative weggeworfen!

EIn Zeitungsausschnitt von 1964 mit einem gelöschten Foto.

Zeitungsausschnitt

Das Scannen gerasteter Vorlagen ist nicht unproblematisch, obwohl es für den Hausgebrauch zur Dokumentation meist überraschend gut klappt. Dieses Bild soll nun aber erneut verwendet werden…


Wozu Raster?

Dazu muß man wissen, daß ein umgangssprachlich “schwarzweiß” genanntes Foto in Wirklichkeit aus Graustufen — auch Halbtöne genannt — besteht (digital 256, entspr. 8 Bit). Zeitungsdruck dagegen benötigt meist “echtes Schwarzweiß“, das tatsächlich und ausschließlich schwarz auf weiß druckt (1 Bit). Damit so ein Bild dann nicht wie ein Holzschnitt aussieht, greift man für die Grautöne zu einem Trick: Rasterung. Dabei werden Rasterpunkte verwendet, die durch Abstand oder Größe scheinbare Grautöne erzeugen, weil die schwarzen Punkte und hellen Zwischenräume beim menschlichen Sehen durch Verrechnung im Gehirn zu Zwischentönen verschmelzen. Das hat jahrzehntelang gut funktioniert und ist auch heute noch gebräuchlich.

Wenn man wie beim Scannen Punkte mit Punkten abtastet, tauchen theoretisch Moirés auf — bei meinen aktuellen Versuchen komischerweise überhaupt kein Problem. Bei den heute möglichen/üblichen hohen Auflösungen scannt man dann in der Regel das Raster klar mit. Je nach Vergrößerung taucht allerdings das Raster als solches wieder auf.

Scanner denkt mit…

Wenn man einen Zeitungsausschnitt im Original vorliegen hat, kann man schon beim Scannen mit einem Häkchen an der richtigen Stelle viel erreichen. Bessere Scanner mit ordentlicherDie Epson-Software kennt drei Rastertypen.Software bieten nämlich schon beim Scannen selbst ein “Entrastern” an.

Die Epson-Software kennt drei Rastertypen.

Dies gilt “natürlich” auch für meinen Scanner. Der bietet mir “Rezepte” für Tageszeitung, Zeitschrift oder Kunstdrucke an. Trotzdem bin ich nicht ganz zufrieden:

  1. es werden bestimmte feste Rastermaße lpi vorausgesetzt
  2. die maximale Auflösung ist in Abhängigkeit anderer Parameter in diesem Fall auf 600 dpi begrenzt
  3. es nützt mir nichts, wenn bereits eine mit Raster gescannte Datei vorliegt
    (und das Original nicht mehr zugänglich ist)

Die aktuelle Auflösung kann nicht unterstützt werden, während Rasterung ausgewählt ist. Reduzieren Sie die Einstellung für Auflösung oder Skalierung.

… ein anderer Ansatz.

Aus diesem Grund mache ich mich auf die Suche nach einem andern Lösungsansatz. Man denkt sich, kein Problem, wird Google schon etwas finden. Aber hier geht außerhalb von Fachkreisen Wissen verloren. Viele Tipps sind mehr als zehn Jahre alt oder verweisen auf Spezialsoftware, die ich nicht extra anschaffen möchte. Nach langer Recherche stoße ich zufällig auf ein interessantes Stichwort: interpolieren. Mit etwas Glück läuft dies so ähnlich wie beim menschlichen Sehen.

Der Effekt hängt vom Pixelradius ab.

Der Effekt hängt vom Pixelradius ab.

Bei meinem älteren Photoshop findet sich der passende Filter unter “Filter | Rauschfilter | Helligkeit interpolieren…”. Der entscheidende Parameter heißt “Radius … Pixel”. Wie bei PS-Filtern üblich, gibt es eine kleine Vorschau als Lupe, aber darüber hinaus die Möglichkeit die Vorschau auf das gesamte Bild auszuweiten.

Helligkeit interpolieren hilft weiter.

Helligkeit interpolieren hilft weiter.

Auch wenn der Schieberegler große Spielräume läßt, sollte man nicht nur mit 1 Pixel anfangen, sondern auch jeweils auch nur um 1 Pixel erhöhen. Bei meinem Praxistest stellt sich schon bei 3 Pixel ein positiver Effekt ein, der mit 4 Pixel variiert. Schon bei 5 Pixel wird es scheinbar wieder etwas schlechter und bei 8 oder 9 geht es in Richtung unbrauchbar. So weit, so gut. Um eine Sache vorweg zu nehmen: Die Vorschau lügt leider. Die Tendenz stimmt zwar, aber auf das Bild angewandt verschieben sich die Werte etwas. Ich bin jetzt bei 5 Pixel gelandet.

Mühle Arpke 1964 (Bild: L. R. Luhm)

Mühle in Arpke 1964
(Bild: L. R. Luhm)

Ein richtiges Halbtonbild ist daraus nicht geworden und entsprechende Einstellungen greifen nur bedingt. Trotz hoher Auflösung bleiben Details natürlich verschwunden. Bei dieser Technik fühle ich mich ein wenig an Lightroom erinnert, wo Schärfen und Rauschreduzierung nicht ohne Grund bei den “Details” zusammengefaßt sind: Die Interpolation führt zu einer Weichzeichnung. Durch eine Ebenenverknüpfung mit dem gerasterten Original und der Deckung läßt sich dies bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Selbstverständlich bleibt der Touch der guten alten Zeit erhalten. Unter dem Strich bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.

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