Recherchedienste — Fluch oder Segen?

Im gelobten Land der Dichter und Denker wird es immer schwieriger als verantwortungsvoller Redakteur/Journalist von seiner Arbeit leben zu können. Vor allem freiberufliche Tätigkeit und sorgfältige Recherche schließen sich fast aus, zumal die über das angeblich notwendige #Leistungsschutzrecht jammernden Verlage nicht selten rechtswidrig eine unbezahlte Mehrfachnutzung der Artikel praktizieren.

Können sog. Recherche-Dienstleister die Lösung sein? Der Knackpunkt: So weit ich es verstehe, ist es meist im Prinzip eine Pressemitteilungen-Datenbank bzw. Auskunftsdienst, der über zahlende PR-Abteilungen finanziert wird. So erläutert es die Autorin Lisa Srikiow in ihrer Info zum Anbieter Recherchescout: Ihr Geschäftsmodell basiert auf der Theorie: Journalisten wollen Informationen, Unternehmen Öffentlichkeit. (…) Unternehmen wiederum bezahlen dafür, ihre Themen zu lancieren. (Quelle: a. a. O.)

Die Fachzeitschrift Journalist berichtet in “5 Recherche-Dienstleister im Test” über die Alltagstauglichkeit (Ausgabe 11/2013). Da die Autorin sich für den Praxistest ein Gesundheitsthema aussucht, überwiegen in der Stichprobe darauf spezialisierte Dienste:

  1. Recherchescout
  2. idw
  3. Medien-Doktor
  4. Medical Press
  5. ResponseSource

Fazit: Durchwachsenes Ergebnis — und die Gefahr einseitig “informiert” zu werden. Wenn man dann aus Sicherheitsgründen wieder mehrere Dienste beauftragen und deren Empfehlungen überprüfen muß, stellt sich die Frage nach der angestrebten Arbeitserleichterung… Bedauerlich, daß unabhängiger Journalismus solche Überlegungen anstellen muß und inzwischen manche PR-Abteilung diesbezüglich aktiver und unabhängiger ist als manche Redaktion.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.