Praxistest: Simvalley SP-140 Smartphone 4,5 Zoll und Android 4.

Während dieser Tage die Fanboyz wieder überlegen, wie sie aus dem noch laufenden Vor-Vor-Vertrag rauskommen und die nötigen Simvalley SP 140Kröten fürs neueste iPhone und den nächsten Knebelvertrag irgendwie zusammenkratzen können, freue ich mich auf eine neue Teststellung aus dem Hause Pearl.

Simvalley SP 140, Smartphone
mit Android 4 und IPS-Display.

Ich mache ja keinen Hehl daraus, daß ein vertragsgebundenes Handy für mich nicht mehr infrage kommt, erst Recht nicht der “goldene Käfig” von Apple. Solche Verträge haben trotz 2jähriger Bindung und angeblicher “flat”-Rate kaum Kostenvorteile und inzwischen sind die “subventionierten” Geräte nur selten wirklich preisgünstiger als frei verkäufliche — aber die wenigsten Nutzer rechnen die Gesamtkosten über zwei Jahre tatsächlich nach und lügen sich gern selbst was in die Tasche (“einen Vertrag brauche ich ja sowieso” — nein, braucht man nicht…). Auf solche Bequemlichkeit können sich die Marketingfritzen verlassen.

Das vollkommen vertragsfreie Simvalley SP-140 mit 4,5-Zoll-Display und Android 4 scheint mir eine gute Alternative, wenn man sich für ein Smartphone nicht verschulden, aber trotzdem up to date sein möchte.

Eigentlich brauche ich ja nicht unbedingt ein neues Handy, mein Nokia E50 ist unkaputtbar, bietet gute Sprachqualität und meine E-Mails kann ich damit auch unterwegs abrufen (ist sogar noch erhältlich). Allerdings gibt es keinen neuen Programme, im Gegenteil, das empfehlenswerte Snaptu ist inzwischen unter die Räder gekommen, so daß ich Twitter über das E50 leider nicht mehr nutzen kann. Eine App für Foursquare gibt es auch nicht. Damit ist auch klar, was ich mit einem Smartphone gern besser machen möchte. Ein bißchen Spaß muß sein.

Technische Daten

Vorab die technischen Daten aus dem PearlKatalog:

  • Quadband-Handy für GSM 850/900/1800/1900
  • hochwertiges 4,5″-IPS-Display mit Multitouch, 11,4 cm
  • brillantes Bild mit QHD-Auflösung: 960 x 540 Pixel
  • 2 Kameras, Auflösung 5 MP bzw. 2 MP
  • GPS-Empfänger & G-Sensor
  • Betriebssystem: Android 4.0
  • Google App-Pack: Mail, Message, Maps & Google Play
  • Prozessor: 1 GHz
  • Speicher: 3 GB Flash, per microSD bis zu 32 GB
  • Daten: HSDPA 3.5G bis 14,4 MBit, WLAN bis 54 MBit/s, GPRS EDGE, Bluetooth 2.1 EDR mit A2DP
  • Multimedia: Videos (MPEG4, H.263, H.264, WMV), Audio (MP3, MIDI, AAC, eAAC+, AMR, OGG, PCM, WAV), Fotos (JPEG, GIF, BMP, PNG)
    Anschlüsse: 3,5-mm-Stereo-Klinke (4-Pin), Micro-USB2.0
  • Li-Ion-Akku (2000 mAh): 240 Min. Sprechen, 200 Std. Standby
  • Maße: 133,5 x 68,5 x 10,3 mm, 138 g

Was hierbei heraussticht, ist nicht nur die Displaygröße von 4,5 Zoll, sondern auch die IPS-Technologie. Im Gegensatz zu vielen “Sonderangeboten” anderer Anbieter verfügt es über ein ziemlich aktuelles Android 4.x ohne fremde GUI. Der Akku mit 2.000 mAh verspricht eine gute Laufzeit.

Es geht los

Das Smartphone in Betrieb zu nehmen beginnt mit einer kleinen Bastelstunde. Dabei entdeckt man beim SP-140 gleich eine Besonderheit: Das Gerät verfügt über zwei SIM-Slots für die gleichzeitige Verwendung von zwei unterschiedlichen SIM-Karten. Ideal, um “privat” und “Business” oder “Telefonie” und “Daten” zu trennen — bei mit seit Jahren mit kostengünstigen Prepaid-Karten gelöst.

Das SP-140 kann einiges einstecken: SIM-Karten, SD-Karte, Akku.

Das SP-140 kann einiges einstecken: SIM-Karten, SD-Karte, Akku.

In den Android-Einstellungen kann man dann die Dienste für jede Karte einzeln zuordnen. Ungewöhnlich ist der SD-Karten-Slot rechts oben, der eher wie ein SIM-Slot anmutet. Um die Kamera nutzen zu können ist eine SD-Karte Pflicht, sie muß aber nicht riesig sein (aber was kosten heute schon 32 Gigabyte…). Eine große Karte ist Zwei SIM-Karten sind sehr nützlich.dagegen nützlich für Videos, MP3-Sammlungen und wenn man große Applikationen auf die SD-Karte verschieben möchte (z. B. Navigation). Beim Einschalten des Telefons muß man sich natürlich entsprechend zweimal anmelden. Auch wen es umständlich erscheint, sollte man dieses Sicherheitsfeature nicht abschalten.

Zwei SIM-Karten sind sehr nützlich.

Wenn man schonmal dabei ist, sollte man auch gleich das WLAN einrichten, damit man zu Hause oder im Büro nicht für die Datenübertragung zahlen muß. — Nicht vergessen: Wenn man die Sicherheitsfunktionen seines Routers aktiviert hat, muß man erst neue Clients zulassen.

Auch auf einem Android-Handy ist man nicht an eine Google-E-Mail-Adresse gebunden, ich verwende mit dem E-Mail-Client meine normalen Konten (Google-Konten können sich dagegen automatisch mit neuen Nachrichten melden).

Spätestens jetzt sollte man unter “Persönlich | Sicherheit” zusätzlich die Gerätesicherung aktivieren, z. B. als Zeichenmuster. Dabei kann die Zeit getrennt vom Ruhezustand eingestellt werden: Also nach 2 Minuten Ruhezustand zum Stromsparen, aber erst nach 10 Minuten sperren, dann muß man nicht jedesmal das Muster zeichnen oder den Code eingeben — denn wir wissen ja: Auf Bequemlichkeit können Hacker oder Diebe sich sonst verlassen.

Nanu, ein Anruf und es klingelt nicht? In den Einstellungen ist (zumindest bei mir) kein Klingelzeichen ausgewählt, also klingelt es auch nicht, der Anruf wird lediglich im Display angezeigt. Man sollte beim Einrichten also sicherheitshalber auch dort nachschauen. Apropos: Die mittellange Liste besteht leider fast nur Melodien u. ä., ich vermisse abstraktes Klingeln im Sinne von “Signal” (sind m. E. nur 2 oder 3 Stück). Müßte man aber selbst nachrüsten können.

Apps

Im Grunde genommen ist ein Smartphone heute, was man “früher” PDA oder PIM nennt: Ein tragbarer, sehr kleiner Computer, heute allerdings mit Internetanschluß und Telefonie. Aus den Tausenden von Programmen kann man sich seine Apps individuell zusammenstellen, vieles auch einfach mit Spaß-Faktor.

Twitroyd Foursquare

Twittern mit Twitroyd und GPS per Foursquare.

Fotoverfremdung à la Manga Chrome gibt's auch für Android.

Fotoverfremdung à la Manga
und Chrome gibt’s auch für Android.

Neben einem Twitter– und dem Foursquare-Client installiere ich mir eine Menge Foto-Apps, z. B. den Manga-Generator (dazu später mehr). Neben dem “Browser” und “Dolphin” verwende ich vor allem “Chrome“, der meine Websites sehr gut darstellen kann. Mit einem Doppeltipp auf den Haupttext wird dieser auf Bildschirmbreite passend gezoomt.

Tipp: Wenn man bei der Installation “automatische Updates” aktiviert, sollte man diese aber gleichzeitig auf die WLAN-Verbindung beschränken, um Mobilfunkkosten zu vermeiden.

 

(Foto-) Praxis

In Sachen Erinnerungsfoto graben die Smartphone-Kameras den üblichen Schnappschußkameras langsam aber sicher das Wasser ab (umgekehrt kommen dort allerdings immer Social-Media-Funktionen zum Einsatz, z. B. Coolpix S800c). Im praktischen Einsatz ist die 5-Megapixel-Kamera nicht schlecht. Sie reagiert zwar auf “Gegenlicht” ziemlich empfindlich und rauscht auch bei Nachtaufnahmen (aber nicht so schlimm wie viele andere Kameras mit so kleinem Chip). Dafür liefert sie aber bei guten Lichtverhältnissen erstaunlich schöne Resultate, gut genug für übliche Webanwendungen, mit etwas Bearbeitung aber auch für kleine Abzüge zu gebrauchen.

Für eine Handykamera ein gute Qualität.

Für eine Handykamera ein gute Qualität.

Das o. g. Bild ist ein 100-Prozent-Ausschnitt (1.068 x 780 Pixel) aus dem Originalbild (2.560 x 1.920 Pixel). Wenn man den Exif-Daten trauen mag, regelt die Kamera dabei auf 125 ISO (22 DIN) herunter, während sie bei Dunkelheit auf über ISO 800 geht.

AhornblattDahlieErleuchtungWasserturm

Einige Beispielfotos, mit Instagram & Co. etwas bearbeitet.

Zum Fotografieren verwende ich übrigens gern die mitgelieferte Kamera-App. Sie ist einfach zu bedienen und liefert gute Ergebnisse. Vom “Foto”-Modus kann man sie direkt auf “Video” umstellen. Sehr gut arbeitet auch die “Panorama”-Funktion: Man macht das erste Foto und schwenkt dann nach links, rechts, oben oder unten. Damit das Anschlußbild paßt, wird im Sucherbild ein Quadrat angezeigt, das mit einem zweiten in Deckung gebracht werden muß — dann wird automatisch ausgelöst und man schwenkt weiter bis die Reihe voll ist.

Das Bild wird direkt zusammengesetzt.

Das Panorama setzt man direkt bei der Aufnahme zusammen.

 

Fazit

Das SP-140 erreicht mit seinem 4,5-Zoll-Display ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendiger Größe und Handhabbarkeit: Das Display ist fürs Apps, Webseiten und Texteingaben groß genug, aber beim Telefonieren hat man nicht das Gefühl, sich einen Backstein ans Ohr zu halten. Auch die Aufwertung mit einem IPS-Display ist eine gute Entscheidung, die Bildqualität ist gut (lediglich bei rein weißen Einstellhilfen für ein Panorama. Flächen erscheint es etwas ungleichmäßig) — auch dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bereits im Frühjahr getesteten SPX-5. Beibehalten wurden die vier Sensor-Tasten am unteren Rand. Das ist praktischer als Software-Tasten, die immer ein Stück vom Bildschirm abknapsen oder übliche Druck-Tasten, in denen sich nicht selten Staub sammelt.

Einstellhilfen für ein Panorama-Foto mit dem SP-140.

Die Kamera wird zwar nicht meine gute, alte G7 ablösen, ist aber für “immer dabei” schon ganz gut zu gebrauchen. Die sonstige Hardware protzt zwar nicht mit Rekorden, ist aber bei meinen Anwendungen vollkommen ausreichend. rechenintensive Spiele teste ich nicht, weil ich auch keine nutze. Twitter und Foursquare (mit GPS-Nutzung) laufen einwandfrei, ohne Aussetzer oder gar Abstürze. Preislich liegt das Simvalley SP-140 mit 220 Euro fast gleichauf mit dem größeren SPX-5 mit 5,2-Zoll-Display und stellt somit eine interessante Alternative dar.

 

[Update]

Das Thema Handykamera vs. “point ‘n shoot” greift auch Mobile Geek auf. Gerade für das Web 2.0 ist super Qualität oft nicht notwendig, dafür aber eine “online”-Funktion (wobei da sogar inzwischen dSLR nachrüsten). Die Softwareschmiede DxO untermauert diesen Eindruck mit dem Vergleich “DxOMark Mobile first quick glance: Smartphones beat 5-year-old DSCs“, wenn auch ein wenig optimistisch in Richtung Handy. Gerade das Fehlen eines optischen Zooms und generell langer Brennweiten schränkt die Handycam doch auf Schnappschüsse im Nahbereich ein.

 

(Das Gerät wurde vom Hersteller/Verkäufer ohne redaktionelle Auflagen als kostenlose Teststellung zur Verfügung gestellt.)

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