Praxistest: Farbnegative scannen.

Vor ein paar Tagen “erforsche” ich das Scannen alter Schwarzweißnegative um einen Bericht mit “historischen” Bildern illustrieren zu können. Da sich Farbfilme auch technisch erheblich von Schwarzweißfilmen unterscheiden, nehme ich sie mir separat vor.

Schachtanlage von Farbnegativ gescannt und bearbeitet. (Bild: T. Luhm)

Schachtanlage von Farbnegativ gescannt und etwas bearbeitet.
(Bild: T. Luhm)

Mehr oder weniger zufällig kann ich dabei auf das gleiche Motiv zurückgreifen, wenn auch aus etwas anderer Perspektive.

Um einen Anhaltspunkt für die “richtige” Auflösung zu finden, scanne ich alle relevanten Einstellungen von 150 dpi bis zum (interpolierten) Maximum von 12.800 dpi. Standardmäßig speichere ich als Farb-TIF mit 24 Bit. Zusätzlich verwende ich 1.200, 2.400 und 3.200 dpi als 48-Bit-TIF.

Die Farbtiefe repräsentiert den darstellbaren Kontrastumfang bzw. Farbwerte. Dabei ist 48 übrigens nicht einfach das doppelte von 24, sondern als Exponent ein Vielfaches: 24 Bit sind etwa 18 Millionen Farbabstufungen, 42 Bit meiner Digitalkamera entsprechen rund 4,4 Billionen(!) Farben und 48 Bit können etwa 281 Billionen Farbnuancen darstellen.

Versuchsreihe mit einem Farbnegativ.

Versuchsreihe mit einem Farbnegativ.

Schachtanlage als Scan vom Farbnegativ.

Schachtanlage als Scan vom Farbnegativ.

Das Foto zeigt die Schachtanlage Bergmannssegen-Hugo bei Lehrte (Region Hannover), das von 1913 bis 1994 in Betrieb ist. 2003 dient es auch als Kulisse für den dokumentarischen Spielfilm “Das Wunder von Lengede”. Das Foto ist von ca. Mitte der 1980er, Fujicolor F II (21 DIN).

Auch hier stellen sich 1.200 dpi als zu mager heraus, an den Schrägen kann man Treppchen erkennen. Bei 24 Bit Farbtiefe scheinen 2.400 dpi auszureichen, bei 48 Bit Farbtiefe sind 3.200 dpi subjektiv ein Tickchen klarer (jeweils ohne irgendeine Bearbeitung durch das Scantool). Allerdings nimmt der Zeitaufwand deutlich zu, bei 4.800 dpi sind es schon ca. fünf Minuten pro Bild. Bei einer testweisen Bearbeitung in Lightroom kann man aus dem Negativ mehr herausholen als aus einem gescannten Abzug des Bildes, die 48 Bit scheinen dabei allerdings keinen Vorteil zu bieten. Wie es aussieht läuft es auch bei Farbnegativen auf 2.400 oder 3.200 dpi heraus mit 24-Bit-TIFs.

Gescannte Farbnegative -- oben 24 Bit Farbtiefe, unten 48 Bit.

Gescannte Farbnegative — jeweils 1.200, 2.400 und 3.600 dpi [nicht unbedingt in dieser Reihenfolge], oben 24 Bit Farbtiefe, unten 48 Bit.

Ich muß an dieser Stelle nochmals betonen, daß es mir darum geht, einen möglichst guten Input zur Bearbeitung mit Lightroom zu bekommen. Das heißt, Belichtung und Schärfe müssen auf jeden Fall noch bearbeitet werden. Deshalb wirken die Detailbilder möglicherweise etwas flau oder unscharf (eigentlich genau wie RAWs).

Fazit: Scannen von Farbnegativen.

Sicherlich macht sich der Laie beim Scannen wenig Gedanken über den Filmtyp — und mein empirisch gefundener Wert gibt ihm wohl recht: Auch Farbnegative gelingen m. E. am besten mit 2.400 oder 3.200 dpi, wobei eine 24-Bit-Datei ausreicht. Allerdings verlängern sich die Scanzeiten gegenüber schwarzweiß deutlich. Ein Archiv auf Verdacht zu scannen und dann auszusortieren lohnt sich nicht, schon das gezielte Scannen einzelner Bilder ist auf Grund der Handhabung sehr mühsam. Doch das Ergebnis überzeugt selbst mit einem Amateurscanner: Schwarzweiß gelingt oft besser als die alten Vergrößerungen, bei Farbbildern gibt es gelegentlich einen kleinen 80er-Jahre-Touch.

[Update]

Wenn einem die Arbeit zu aufwendig ist, kann man eventuell einen Dienstleister beauftragen. Die aufgerufenen Beträge wie beispielsweise bei http://www.filmscanner.info/ sind allerdings keine Schnäppchen. Diese Seite hat aber den Vorteil, daß sie ein wenig das Drumherum erläutert.

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