Praxistest: Braucht man ein Makro-Objektiv? — Teil 1

Wenn man mich fragt, was fotografierst du denn so, muß ich auch nach vielen Jahren der Praxis antworten, “alles“. Das hört sich immer ein wenig nach ahnungslosem “Newbie” an, der sich nicht auskennt. Doch für mich beinhaltet Fotografie immer(!) zwei Seiten einer Medaille: das Foto selbst und die Kenntnis des Sujets. Deshalb bin ich so wenig spezialisiert, man kann immer eine Menge dazulernen.

Eine gelungene Aufnahme mit Zwischenringen.

Eine gelungene Aufnahme mit Zwischenringen.

So hat sich nach einiger Zeit der Abstinenz die Nah- und Makrofotografie wieder etwas in den Vordergrund gespielt: Sei es, daß man sich nach einem langen dunklen Winter besonders für die aufblühende Natur interessiert, in der Fotorunde von “Erwin Bommel” oder Ulrich super Makroaufnahmen gezeigt werden oder Kumpel Detlef sich mal wieder wißbegierig nach den Grundlagen für #Neuland erkundigt.


Nah, makro oder mikro?

Ob man von Nah-, Makro- oder Mikro-Fotografie spricht, hängt im wesentlichen vom Abbildungsmaßstab ab. Sicherlich gibt es Leute, die gern genaue Zahlen dazu haben möchten, doch die gibt es m. W. nicht. Ich möchte deshalb (m)einen ganz pragmatischen Ansatz darlegen:

  • nah — was man mit einem normalen Objektiv bei der kürzesten Einstellentfernung erreichen kann, also ungefähr 1 : 10 bis 1 : 4.
  • makro — was man mit speziellen Makroobjektiven oder üblichem Zubehör wie Nahlinse oder Zwischenring schafft (1 : 1 bis 4 : 1 — 4fache Vergrößerung)
  • mikro — was mit Spezial(lupen)objektiven oder größeren Geschützen wie beispielsweise einem Mikroskop möglich ist

Und wie immer gibt es die Frage, was braucht man für ordentliche Makrofotos? Da ich erklärtermaßen ein Gegner von Technikschlachten bin, versuche ich mit vorhandenem oder preiswertem Equipment auszukommen — andere schwören dagegen auf spezielle Makroobjektive. Nun habe ich Gelegenheit, einmal ein wenig rumzuprobieren…

Tamron hat eine ganze Batterie mit 60, 90 und 180 mm im Programm und stellt mir das f2,0 / 60 mm zur Verfügung. Sigma hat mit 50 und 150 mm ebenfalls mehrere Makroobjektive im Programm, rückt aber keine Teststellung heraus (wohl einmal zu oft zu kritisch über die schwachen DP-Modelle berichtet). Kein Problem, “Handgemenge” hat das 50-mm-Objektiv in seiner Sammlung und stellt es mir zur Verfügung. Tamron und Sigma versprechen einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1 : 1 ohne weiteres Zubehör. Auch von Canon gibt es mehrere Makroobjektive, aber es steht mir keines zur Verfügung. Stattdessen kommen aus meinen eigenen Beständen das preiswerte 50 mm, das “altertümliche” Revuenon sowie das sehr geschätzte 35er zum Einsatz.

Charakteristisch sind die Unterschiede in den technischen Eckwerten und Handhabung:

  • das Sigma beginnt mit f2,8 für ein 50er Festbrennweite relativ lichtschwach, bietet aber auch als kleinste Blende ungewöhnliche f45; beim Fokussieren fährt es nach “traditioneller” Methode dem Tubus sehr weit aus; es hat einen Schalter, um den Fokusbereich auf Makro zu limitieren; der Fokusring ist nicht entkoppelt
  • das Tamron ist mit f2 relativ lichtstark; es ist innenfokussiert; der Fokusring ist entkoppelt
  • mein 35er bietet mit 20 cm als Nicht-Makro einen guten Nahbereich; das 50er ist mit 45 cm für Makro nicht besonders praktisch; Zwischenringe erforderlich

Praxistest Makroobjektive

Mein Test heißt Praxistest, weil ich kein Millimeterpapier fotografiere, sondern mich auf ein Motiv konzentriere, das ich auch sonst gern fotografiert hätte. Das macht allerdings etwas Probleme in Sachen Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit, zum Beispiel bei den unterschiedlichen Brennweiten immer den selben Bildausschnitt hinzubekommen oder bei einer Blüte Bewegung oder andere Veränderungen auszuschließen…

Mit dem 60er Tamron mache ich vorab einen Test im Moor zur Kalmia-Blüte. Ich fotografiere nicht nur frei Hand oder vom Stativ, sondern nutze auch einen Tablett-PC zur Steuerung der Kamera. So führe ich auch Focus-Stacking-Versuche mit der Helios -Software durch — bzw. es bleibt bei dem Versuch, denn leider gelingt das Setzen der Fokuspunkte nicht, ra(s)tlos fährt der Autofokus hin und her. Der selbe Aufbau arbeitet dagegen problemlos mit meinem 35er Canon-Objektiv, auch mit einer Nikon D300 und einem anderen Sigma-Makro. Bleibt die Frage nach der genauen Ursache: Verträgt sich die Helios-Software generell besser mit einer Nikon D300 mit ihren vielen Fokussensoren und mag die Software die Canon 50D einfach nicht? Oder harmonieren in diesem Extremfall Software von Objektiv und Kamera nicht? Wohlgemerkt, im Normalbetrieb gibt es mit dem Tamron keine Probleme (das o. g. Sigma stand zu diesem Zeitpunkt leider nicht zur Verfügung).

Testreihen zu schießen kann ganz schön mühsam sein...

Testreihen zu schießen kann ganz schön mühsam sein…

Ein wenig systematischer gehe ich bei meinem zweiten Versuch vor, wobei ich auf der Terrasse ein Blüte fotografiere (ist das eigentlich eine Aubrieta bzw. ein rosa Blaukissen ?). Ich mache erstmal nur eine Versuchsreihe mit den drei “50”er mit rund 60 Bildern. Aus fotografischer Sicht bin ich zufrieden, allerdings hält die Blüte nicht still, so daß ich in Sachen Vergleichbarkeit/Reproduzierbarkeit wohl nicht um eine weitere Versuchsreihe mit einem anderen Motiv herumkommen werde.

1 : 1 Darstellung der Aufnahme mit Normalobjektiv.

1 : 1 Darstellung der Aufnahme mit “Normalobjektiv”.

Nicht nur auf Grund der technischen Darstellung (Schärfe & Belichtung) entscheide ich mich “technisch unkorrekt” erstmal für ein Foto, das ich mit dem “billigen” 50er und zwei Zwischenringen mit zusammen 32 mm Auszug mache. Mir gefällt gegenüber den anderen (Test-) Bildern eben auch der Bildausschnitt/Perspektive. Die 1 : 1 Darstellung zeigt, daß das Objektiv zumindest brauchbare Bilder liefert. Ich hoffe, daß ich für meine verbesserte Versuchsreihe ein ähnlich spannendes Motiv finde, das dann aber für einen exakten Vergleich taugt…

(Das Tamron-Objektiv wurde vom Hersteller/Verkäufer ohne redaktionelle Auflagen als kostenlose Teststellung zur Verfügung gestellt, das Sigma-Objektiv ist eine private Leihgabe, alles andere eigene Ausrüstung.)

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