Olivetti Quaderno als Vorkämpfer für mobiles Schreiben

Obwohl der Deutschunterricht der Schule nicht gerade bekannt dafür ist, kreatives Schreiben zu fördern, ist es doch meine Berufung geworden. Meine ersten Texte tippe ich im Adlersuchsystem noch mit offizieller Erlaubnis auf der Reiseschreibmaschine Olympia SF meines Vaters — die sonst im mitgelieferten Köfferchen “unantastbar” verpackt in seinem Arbeitszimmer steht.

Olivetti Quaderno

Olivetti Quaderno als Vorkämpfer für mobiles Schreiben.
(Foto: Thorsten Luhm)

Allerdings interessiere ich mich auch für “Heimcomputer” und nutze sie von Anfang an mehr zum Schreiben meiner Aufsätze als für Spiele. Leider ist man bei den ersten Computern an das Zimmer und den Schreibtisch gebunden, wobei “damals” das elektronische Gerät oft den Kürzeren zieht, wenn draußen die Sonne scheint. Mangelnde Mobilität ist später auch beim beruflichen Schreiben oft ein Manko, weshalb ich mich immer brennend für tragbare Computer interessiere — die auch bezahlbar sind, wie beispielsweise der Olivetti Quaderno.

Etwa 1992 kommt der Olivetti Quaderno auf den Markt, der eigentlich in vielerlei Hinsicht eine Sensation ist. “Eigentlich”, weil es außer mir nur wenige so empfinden. Damals wie heute entscheidet der Massenmarkt, daß Mobilität “natürlich” nicht zu Lasten von Komfort gehen darf: Im Gegensatz zum Büro-PC hat der Olivetti Quaderno keinen Farbbildschirm, keine grafische Benutzeroberfläche (DOS statt Windows; 80 x 25 Buchstaben bzw. 640 x 400 Pixel) und nur bedingt Rechenpower: Er basiert auf einem NEC V30 mit 16 MHz, 1 MB RAM und 512 kB ROM. Die Festplatte umfaßt 20 MB, ein 3½-Diskettenlaufwerk wird extern angeschlossen. Der “einfache” LCD-Bildschirm hat allerdings den Vorteil, daß er auch bei Sonnenschein gut ablesbar ist. Den damaligen Preis weiß ich leider nicht mehr genau (geschätzt ca. 800 Euro, vermutlich ein Drittel von “Business-Notebooks”).

Das mag alles sehr wenig klingen, ist in der damaligen Zeit aber gar nicht so weit weg von einfachen Schreibtischgeräten. — Aber: Das alles paßt in ein Gerät mit einer DIN A5 großen Standfläche, ist mit ca. 1 kg wirklich transportabel und läßt sich mit Akku oder sechs Mignon-Batterien betreiben. Ein Teil der Software muß nicht installiert werden, sondern ist im ROM verfügbar. Dazu gibt es neben einer kleinen, aber vollständigen Schreibmaschinentastatur sogar noch einen Ziffernblock für den Taschenrechner. Der Hammer ist m. E. allerdings das eingebaute Harddiscrecording mit dem damals der Atari STE bzw. Falcon Furore macht: Auf dem Displaydeckel gibt es “Kassettenrekordertasten” mit denen du auch bei zugeklappten Gerät Tonaufnahmen wie bei einem Diktiergerät machen und abspielen kannst (zehn Minuten benötigen ca. 1 MB Speicher).

Im Grunde genommen nimmt der Olivetti Quaderno m. E. vieles vorweg, was später als PDA oder Netbook den Markt erobert. Für mich ist völlig ausreichend, wenn ich mit Word für DOS meine Artikel auch auf dem Balkon oder notfalls unterwegs schreiben kann und sie anschließend “irgendwie” ins Redaktionssystem rüber bekomme. Digitalfotos bzw. Bildbearbeitung spielt in diesem Zusammenhang übrigens noch keine Rolle. Mein Foto von etwa 1992 (nicht nachgestellt, mit 3.200 dpi vom Diapositiv gescannt) zeigt den Winzling neben einer üblichen PC-Tastatur.

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