ODT zu EPUB — oder: Elektronisch auf Papier publizieren.

E-Buch und Druckwerk verbinden ist nicht einfach.Da denkt man, wenn man sowieso schon “alles im Computer” hat, ist es ein leichtes aus einem E-Buch ein gedrucktes Werk zu machen (weil viele Leser mein Praxisbuch Workflow gern handfest hätten). Irrtum, es geht, ist aber beschwerlich, wie ich in “Vom E-Buch zum Druckerzeugnis ” berichte.

E-Buch und Druckwerk zu verbinden ist nicht so einfach wie gedacht.

Nachdem ich mich mit dem Libre Office Writer einigermaßen angefreundet habe, weil er ein Buchlayout so schön unterstützt, aber dennoch eine praktikable Textverarbeitung bleibt, möchte ich den umgekehrten Weg ausprobieren: Fällt der umgekehrte Weg von der Textdatei zum E-Buch leichter?

Besonderheiten beim Sachbuch

Beim ersten Versuch “Buchexport via Plugin ‘Writer2Epub’“, setzte ich auf das bekannte Plugin von Luca Calcinai (bei LO nennt sich ein “Plugin” eigentlich Extension). Nun ja, man bekommt ein brauchbares Grundgerüst, aber es ist eine Menge Nachbearbeitung notwendig. Dies gilt zumindest für ein Sachbuch, das sich technisch einigermaßen von einem Roman unterscheidet:

  • viele Abbildungen
  • Querverweise (interne Links)
  • Quellenangaben (externe Links)
  • Infokästen mit Symbol und Rahmen
  • Marker für Stichwörter (Index)
  • gegliedertes Inhaltsverzeichnis

Während “phänotypische” Formatvorlagen meist gut umgesetzt werden, geht bei den “Sonderfunktionen” leider einiges schief. — Deshalb nochmal nachgedacht: Was ist eigentlich ein ePUB? In der Hauptsache ein ZIP-Archiv mit speziell angeordneten XHTML-Dateien. Beim Stöbern im Extensions -Katalog von Libre Office stoße ich auf Writer2xhtml bzw. lande bei Writer2LaTex.

Erster Eindruck

Probedurchlauf ohne besondere Einstellungen: Erster Eindruck im Calibre Viewer: Sieht ja aus wie das Original! Lediglich einige wenige Sonderzeichen verschwinden bzw. werden vertauscht, leider auch “Doppelpfeil nach oben”.

Das Ergebnis überzeugt.

Das Ergebnis von Writer2LaTex überzeugt.

Was man bei solchen Projekten in Richtung E-Buch sowieso lassen sollte, ist das Umfließen von Bildern. Das geht auch hier schief, betrifft aber nur zwei unbedeutende Stellen im Anhang, sonst gilt bei meinen Projekten “ein Bild pro Zeile/Absatz” auf der Grundlinie als Zeichen. Leider gibt es immer wieder “Profis”, die noch immer in Bleisatz und starrem Layout denken, obwohl ein eBuch ein genauso flexibles “Layout” — heißt: eigentlich kein Layout im herkömmlichen Sinne — wie das responsive Design einer modernen Website erfordert. Zu den Merkmalen eines echten E-Buchs gehört darüber hinaus, daß der Leser Schriftgröße, Flatter- oder Blocksatz und sogar Schriftschnitt nach seinen Bedürfnissen einstellen kann.

Inspektion in Sigil

Im Gegensatz zu Writer2Epub legt Writer2LaTex das Buch mit den Standardeinstellungen in nur einer Datei an. Allerdings kann man sie über die Optionen in Kapitel aufspalten lassen. Die Verwendung eigener Formatvorlagen erfordert keine spezielle Kennzeichnung wie beispielsweise “w2e_”. Sogar die Querverweise bleiben erhalten und funktionieren korrekt — kleiner Schönheitsfehler: der Referenztext ist immer “1” (wo im Print die absolute Seitenzahl genannt wird). Das läßt sich wahrscheinlich mit globalem Suchen/Ersetzen gegen etwas passenderes tauschen. Auch die Stichwortmarker funktionieren, leider erscheint der Suchbegriff im Index pro Fundstelle (statt einer Numerierung hinter dem Begriff).

Es ist ein Export in unterschiedlichen Formaten möglich.

Es ist ein Export in unterschiedlichen Formaten möglich.

Wenn ich dann das ePUB für die MOBI-Ausgabe wie gewohnt durch den Kindle Previewer jage, kommen allerdings noch ein paar Kleinigkeiten zu Tage: Die Schriftgröße ist sehr klein eingestellt (verwendet pt statt em) und der Schriftschnitt scheint auch zu eng definiert. Beides läßt sich über einen Eingriff in die (leider sehr umfangreiche) Styles-Beschreibung korrigieren.

Das Plugin erzeugt auf Wunsch auch ein ePUB.

Das Plugin erzeugt auf Wunsch auch ein ePUB.

Außerdem lohnt es sich, die Optionen auszuprobieren. Abweichend von den Standardeinstellungen teste ich:

  • Use original image size — ermöglicht im späteren Dokument eine Vergrößerung (zumindest im MOBI)
  • Ignore empty paragraphs — löscht die Leerzeichen, die der Umbruch gefordert hat
  • Document division (page breaks) … at heading level 1 — teilt die Textdatei in Kapitel auf

Und siehe da, mit den Einstellungen “Original Formating” sind nun auch alle Sonderzeichen verfügbar. Überraschenderweise funktioniert auch die hierarchische Kapitelnumerierung, die im Original teilweise nicht erscheint, lediglich auf negative Einzüge (auf den Steg bzw. Rand) muß ich verzichten.

Fazit

Auch das Plugin Writer2XHTML erfordert Korrekturen, liefert m. E. ein ePUB ein besseres Grundgerüst als Writer2ePUB. Außerdem erspart man sich das Umbenennen eigener Formatvorlagen. Sobald eine Neuauflage fällig ist, werde ich es mit diesem Plugin bis zum bitteren Ende ausprobieren — und dann berichten.

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