Notizen zum E-Buch: Shareconomy, Buchhandel, Selfpublisher, Interview Emily Bold.

Das E-Buch wird nicht selten mit Skepsis betrachtet, weil es oft als kostensparender, aber unbequemer Ersatz eines Handbuches herhalten muß oder viele Hobbyautoren unausgegorenen Kram als “Buch” ins Netz stellen, sogar “Spam-Bücher” gibt es bereits. Doch niemand stellt ebenso das Konzept der Tageszeitung in Frage, nur weil es die “Blöd”-Zeitung gibt…

Obwohl es das Konzept elektronischer Bücher nun schon seit Jahrzehnten gibt, bekommt es erst durch brauchbare Hardware seit zwei, drei Jahren neue Impulse: Man ist zum Lesen nicht mehr an den Bürocomputer gefesselt, mit einem handlichen Kindle kann man gemütlich auf der Terrasse oder sogar in der Strapazenbahn lesen. Trotzdem gibt es noch immer einen latenten Rechtfertigungsdruck…

Im Artikel “Amazon und die Buchfee” befaßt sich Michael Angele von der Kulturredaktion “Der Freitag” mit Amazon, dem Buchhandel und dem ganzen Rest. Ist das E-Buch tatsächlich der Sargnagel für den Buchhandel? Eine informative Betrachtung von “Reuß nennt E-Reader ‘killing machines'” bis “Spiegelbest”, wo es die Bücher der Spiegel-Bestseller-Liste zum Download gab. Auf der anderen Seite steht durch DRM eine digitale Enteignung, trotzdem lautet das Motto der diesjährigen CeBit “Shareconomy“. E-Book-News Autor Ansgar Warner greift dies in “Hallo Buchhandel, E-Books zum Tauschen gesucht!” auf. Heise stellt fest: Schöne E-Books braucht die Welt — das kann ich nach meiner ForschungsreiseAuf dem Weg zum E-Buch” leider nur bestätigen. Obwohl auf XHTML basierend kann man leider nicht aus dem Vollen schöpfen, was CCS an sauberen Auszeichnungen zu bieten hat. Selbst Tabellen und Sonderzeichen sind leider kritisch.

Neben der eifersüchtigen Regelungs- und Kontrollwut großer Verlage und unwissender Politiker (siehe #LSR) entwickelt sich stetig das Selfpublisher-Pflänzchen und bietet sonst chancenlosen Projekten Raum, wie beispielsweise “Netzkinder gegen Offliner“. Kosten: gratis Download, freiwillige Bezahlung per Paypal oder Flattr.

Es gibt sogar “success storys”, überraschenderweise hauptsächlich bei “Frauenliteratur”. Das Schöne dabei: Viele Selfpublisher kann man sogar persönlich fragen, wie beispielsweise das Interview mit Emily Bold “Wie man Bücher erfolgreich selbst verlegt” (ca. 16 Minuten) mit Literaturcafé zeigt. Über Vorzeige-Selbstverlegerin Martina Gercke “Holunderküsschen” schwebt inzwischen leider ein Plagiatsverdacht.

[Update]

Aufregung in Schlumpfhausen: Da wagen es die Sparkassen in einem bundesweiten(!) Online(!)-Gewinnspiel tatsächlich drei Kindle und dazu einen Amazon-Gutschein auszuloben — und bekommen prompt eine Beschwerde vom örtlichen(!) Buchhandel, weil der Einzelhandel übergangen werde…

Meiner Meinung nach liegen die Sparkassen mit dem Preis genau richtig: Bei einem Online-Gewinnspiel ist ein E-Reader passender — und hätte man Buchhändler zufrieden gestellt, wäre es ein Tolino Shine gewesen? Statt sich gegen das E-Buch zu stemmen, sollte man lieber konstruktiv mitmachen. Der Erfolg speziell des Kindles geht auch auf die Unfähigkeit der anderen zurück. Außerdem ist das E-Buch kein Ersatz, sondern eine Ergänzung wie das Paperback zum Hardcover.

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