Müssen Polizisten sich fotografieren lassen? [Update]

In einem Blogbeitrag berichtetWegen Videoaufnahmen drohen 75 Jahre Gefängnis (Quelle: NBC/Youtube) Rechtsanwalt Udo VetterPolizisten müssen sich fotografieren lassen” und verweist dabei auf das Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 28. März 2012, Aktenzeichen 6 C 12.11.

Wegen Videoaufnahmen drohen 75 Jahre Gefängnis
(Quelle: NBC/Youtube)

Nun bin ich kein Jurist, aber in dem genannten Urteil tauchen auch die Stichworte “Journalist” und “zeitgeschichtliches Ereignis” auf, über das berichtet werden soll (ein Schwerverbrecher wird zum Augenarzt eskortiert) — daraus zu schließen, daß nun “jeder” somit “alle(s)” fotografieren und veröffentlichen darf, halte ich für übereilt und die Überschrift entsprechend für irreführend. Es geht hier m. E. primär um schützenswerte Pressefreiheit. — Als Privatperson sollte man diesbezüglich generell vorsichtig sein…

In den Kommentaren gibt es dazu eine rege Diskussion, zumal es hinsichtlich von “Vorfällen” bei Demonstrationen auch schon recht unschöne Erfahrungen selbst in Deutschland zu berichten ist, zum Beispiel bei Stuttgart 21 oder in Berlin “Freiheit statt Angst“.

Man kann es aber noch steigern, wie es das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder einmal vormacht: Wegen Filmaufnahmen soll ein Mann zu 75 Jahren Gefängnis verurteilt werden. Dabei hat er — soweit ich es verstanden habe — gar nicht die Polizei bei einem in den USA anscheinend gar nicht so seltenen Gewaltexzesse gefilmt, sondern offenbar nur sein eigenes Grundstück wg. eines angeblich falsch abgestellten Autos.

Sicherlich nervt es, wenn immer und überall gefilmt und fotografiert wird — es ist allerdings schon komisch, daß gerade die Obrigkeit darauf empfindlich reagiert, stellt sie doch selbst überall Kameras “präventiv” auf und schränkt damit auf dem Verwaltungswege Grundrechte ein. — Im Umkehrschluß einer bekannten Weisheit, kann man nur vermuten: “Wer etwas zu verbergen hat, läßt sich nicht gern fotografieren.” Doch ein Video kann ja auch entlasten.

[Update]

The Guardian berichtet am 6.8.2012: “New York Times complains to police over treatment of photographer“, Photographer Robert Stolarik claims officer ‘slammed’ camera into his face before he was dragged to floor, kicked and arrested.

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