Mit der Lichtfeldkamera in die 4. Dimension?

Während die einen am Stammtisch noch mit 3d angeben, erreicht die wunderbare Welt der Fotografie schon längst das nächste technische Wunder: Die Lichtfeldfotografie auch als plenoptische Kamera bekannt. Hört sich merkwürdig an, ist es auch irgendwie. Denn statt einfach nur in 2d Lichtpunkte wie übliche Digitalkameras aufzunehmen, werden zusätzlich Stärke und Richtung aufgezeichnet.

Lytro Lichtfeldkamera im Einsatz (Bild: Lytro)

Lytro Lichtfeldkamera im Einsatz (Bild: Lytro)

Und das neue Schlagwort heißt dann im Marketingsprech: 4d. Der Vorteil soll in der Möglichkeit bestehen, die Schärfenebene eines Bildes nachträglich bestimmen zu können bzw. die Schärfentiefe deutlich zu erhöhen.

Raytrix

Zuerst stoße ich dabei auf die Produkte der Firma Raytrix in Kiel. Die Kameras sehen nicht gerade wie ein gewohnter Fotoapparat aus und zu den Die Raytrix R29 (Bild: Raytrix)Preisen wird gar nicht erst was gesagt (die dürften bei mehreren Tausend Euro liegen). Vom “look & feel” sowie der Preisklasse dürfte es hier eher um Qualitätskontrolle in der Industrie oder Dokumentation von Experimenten gehen.

Die Raytrix R29 (Bild: Raytrix)

Zur Zeit werden vier Modelle angeboten von R5, R11, R29 bis RX. Für das Spitzenmodell wird eine effektive Auflösung von 7,25 Megapixel und 30 bis 100 Tiefenebenen genannt. Interessant, daß man “normale” Objektive von Nikon, Canon oder M58 anschließen kann. Weitere Informationen bietet eine Broschüre, die auch als PDF herunter geladen werden kann.

Lytro

Deutlich preiswerter und eher für klassische Fotografie gedacht ist dagegen die “Lytro“, die auf Forschungsarbeiten im Rahmen einer Dissertation zurückgeht. Auf den ersten Blick erinnert sie schon ein wenig an die “Guckies“, die in den Lytro: Erinnert an ein Guckie (Bild: Lytro)1970er Freunde und Nachbarn als Urlaubssouvenirs mitbringen, wo man ebenfalls in ein buntes Plastikkästchen gucken muß.

Lytro: Erinnert an ein Guckie (Bild: Lytro)

Die Bilder müssen mit einer speziellen Software bearbeitet werden (die z. Zt. nur für Apple verfügbar ist). Die Kamera bewegt sich in erschwinglichen Preisregionen, wobei man leider die Unsitte eines fest eingebauten Speichers pflegt, so daß man sich entscheiden muß: 400 Dollar mit 8 Gigabyte Speicher oder 500 Dollar mit 16 GB? — Wie wird der Aufschlag für Zahlmeister Europa bzw. Deutschland sein? Bei Amazon (Deutschland) gibt es im Herbst 2011 leider noch kein Angebot…

Einige Bilder kann man sich in der “Gallery” ansehen. Allerdings sind die Bilder noch nicht so überzeugend, der Reiz liegt eher in der neuen Technologie. Schwachpunkt ist außerdem die maue Auflösung.

Braucht man als Fotograf so etwas? Immerhin kaufen sich eine Menge Leute lichtstarke Objektive, um die Tiefenschärfe gerade möglichst gering zu halten und gezielte Unschärfe hat eine große gestalterische Bedeutung. — Für Industrieroboter könnte diese Technik natürlich ein entscheidender Vorteil sein.

Ein Bereich, wo man auch in der gewohnten Fotografie nach einer möglichst großen Schärfezone lechzt, ist die Makrofotografie. Dort kann man sich allerdings mit der “Focusstacking” Technik behelfen — gewissermaßen HDR/DRI für Schärfe.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.