Mit dem Schrittzähler durch die Hightech-Community — 10.000 Schritte am Tag

Es ist zwar ein wenig off topic, aber solange Oberlehrer.de offline ist, werte ich dieses Thema großzügig als “mobiles Internet”: Schrittzähler, das ist so ein Ding, mit dem der alte Nachbar meiner Eltern vor dreißig Jahren durch die Feldmark stiefelt, um hinterher mit Kilometern angeben zu können. Das Ding sieht damals eher wie ein Stoppuhr aus und über die So sieht ein moderner Schrittzähler aus (Bild: Amazon)Genauigkeit kann man nur spekulieren.

So sieht ein moderner Schrittzähler aus
(Bild: Amazon)

Eigentlich ziemlich uncool und sogar spießig — und doch gibt es heute mit “Fitbit ” etwas ähnliches. Die Zutaten: Hightech und Community.

Ich habe irgendwann davon schonmal gehört, aber zu Anfang des Jahres hält mir ein Bekannter die moderne Version eines Schrittzählers unter die Nase: einen Fitbit Fitness Tracker Ultra. Das Teil ist so winzig wie eine Restaurant-Ministreichholzschachtel (ca. 19 x 55 x 13 mm bei 12 g). Die Beschriftung ist nicht aufgedruckt, sondern wird in einem schicken OLED-Display angezeigt: Primär werden dort die Schritte angezeigt, aber auch Motivationssprüche und zuletzt ein Erfolgsblümchen — je mehr Blätter, desto näher am Ziel. Denn Fitbit ist nicht einfach nur ein Schrittzähler, sondern ein Fitness-Konzept: Wer schon Sportmuffel ist, soll wenigstens 10.000 Schritte am Tag machen. Zusätzlich kann das Gerät Höhenunterschiede im Zentimeterbereich ermitteln und erkennt so Stockwerke, wobei Treppensteigen besonders berücksichtigt wird. Gewissermaßen als Bonusfunktion gibt es eine Schlafüberwachung.

Im Gegensatz zum blechernen Vorbild muß man die Daten natürlich nicht abschreiben oder von Hand auswerten, sondern kann sie über Bluetooth in den Computer oder ein Smartfon übermitteln. Die Datenstation ist auch Ladestation, die den integrierten Akku auflädt, der dann etwa vier Tage halten soll. Per Bluetooth 4.x kann es auch mit aktuellen Smartfons verbunden werden. Damit kommen wir von Hightech zur Community, denn zur Auswertung gehört ein Portal, wo man sich mit anderen vergleichen und weitere Informationen hinzufügen kann, beispielsweise seinen Speisenplan. Was den Spaß an diesem Gimmick etwas trübt, ist der Preis von ca. 90 Euro — und natürlich nimmt einem diese Investition auch nicht die sportliche Betätigung ab… Man kann auch eine Personenwaage, die sonst wenig beachtet ihr Dasein im Badezimmer fristet, mit allerlei Features pimpen. Dementsprechend gibt es auch “Fitbit Wifi Aria” für ca. 120 Euro. Berichte zu solchen Geräten findet man beispielsweise bei Golem (Hightech-Schrittzähler soll Deutsche schlanker machen) oder Neuerdings (Personal Trainer am Hosenbund). Eine kleine Übersicht ähnlicher Produkte gibt es auch im Beitrag “FuelBand & Co.” bei T3N.

Preiswerte Alternative

Trotz aller Begeisterung für diese ausgefuchste Technik suche ich nach einer Alternative, sowohl preislich als auch mit weniger “Verpflichtung”… Deutlich günstiger fällt dann die moderne Variante eines “normalen” Schrittzählers aus, der weniger Hightech ist, z. B. der Omron “Walking Style Three” für ca. 20 Euro (je nach Farbstellung!).

Omron Schrittzähler Walking Style Three (Quelle: Amazon)

Omron Schrittzähler Walking Style Three
(Quelle: Amazon)

Zur Erstkonfiguration muß man lediglich Uhrzeit, Gewicht und Schrittlänge eingeben, dann ist das Gerät aktiv, einen Ein-/Aus-Schalter gibt es nicht. In den ersten vier Sekunden Bewegung analysiert es, ob man geht oder nur das Gerät wegräumt (weshalb es auch nicht in Echtzeit Daten anzeigt).

Tipp: Zur Ermittlung der Schrittlänge sollte man mehrfach eine exakt bekannte Strecke normal gehen (möglichst zwischen 10 und 50 m) und jeweils die Schritte zählen. Anschließend Weg in Meter durch Anzahl der Schritte teilen. — Nicht selten stimmt das mit dem vom Omron errechneten Wert überein.

Auch bei diesem Schrittzähler geht es weniger um die Protokollierung von Wegstrecken, denn um Aktivität. So kann man ihn gleich morgens in die Tasche stecken und auch schon die kleinen Wege zählen, das läppert sich über den Tag zusammen. Deshalb stört mich eine gewisse Zählungenauigkeit genauso wenig, wie die Unsicherheit der errechneten Kilometer. Interessant ist m. E. eine gewisse Vergleichbarkeit der Tage sowie zum Abend eine 10.000 ins Display zu bekommen — da geht man abends schon mal eine kleine Extrarunde. Dabei speichert der Omron automatisch die letzten sieben Tage, möchte man eine längerfristige Auswertung machen, muß man zum Bleistift oder zu Excel greifen.

Fazit: Aktivität zählt.

Der Fitbit ist ein interessantes Stück Technik und bietet viele Funktionen. Doch die sind gleichzeitig Verpflichtung, wenn man das volle Potential nutzen möchte. Als Aktivitätsmesser für Büromenschen reicht dagegen ein “Schrittzähler” wie der Omron. Leider ist die Anleitung sehr klein gedruckt und eine Klickanleitung ohne Praxisbezug — da wird m. E. viel Potential gerade hinsichtlich von Neukunden verschenkt. Wenn es speziell um sportliche Fitness geht, finden “Schrittzähler” aka Aktivitätsmesser ihre Grenzen. Dann sollte man GPS-basierte Geräte verwenden, die auch Pulsmessung bieten sowie spezielle Software zur Auswertung oder für Erstellung von Trainingsplänen.

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