Minimalistisch und doch komfortabel: Amstrad Notepad NC100.

Obwohl der Deutschunterricht der Schule nicht gerade bekannt dafür ist, kreatives Schreiben zu fördern (statt endloser “Interpretationen” toter Dichter), ist es trotzdem meine Berufung geworden. Meine ersten Texte tippe ich mit über den Tasten kreisendem Finger und “offizieller” Erlaubnis auf der Reiseschreibmaschine Olympia SF meines Vaters — die sonst im mitgelieferten Köfferchen “unantastbar” verpackt in seinem Arbeitszimmer steht.

Amstrad Notepad NC100

Minimalistisch und doch komfortabel: Amstrad Notepad NC100.
(Foto: Thorsten Luhm)

Allerdings interessiere ich mich auch für “Heimcomputer” à la C64 (aka Brotkasten ), Atari XL (aka Türstopper) oder den den Apple ][ kompatiblen Banana -Computer und nutze sie von Anfang an mehr zum Schreiben meiner Aufsätze oder kleiner Berichte als für Spiele. Leider ist man bei den ersten Computern an das Zimmer und den Schreibtisch gebunden. Mangelnde Mobilität ist später auch beim beruflichen Schreiben oft ein Manko, weshalb ich mich immer brennend für tragbare Computer interessiere — die auch bezahlbar sind, wie beispielsweise das Amstrad Notepad NC 100 .

Etwa 1992 bekomme ich mit dem Amstrad Notepad NC 100 ein interessantes Gerät zum Test, das scheinbar nur wenig mit dem beginnenden Notebookboom gemein hat — gerade ist auch das Atari ST Book eingetroffen (als Jungredakteur muß man da zurückstecken). Im Gegensatz zum Massenmarkt bin ich schon immer der Meinung, daß mobile Geräte mobil sein sollen, was vor allem Größe, Gewicht und Laufzeit betrifft — und bin selbstverständlich bereit, in anderen Bereichen Abstriche zu machen. Das fällt mir nicht zuletzt dadurch leicht, da es mir meist schlicht um “Texterfassung” geht. Rechenpower und Speicherkapazität für Digitalfotografie und Bildbearbeitung oder Layout spielen damals keine Rolle (wenn auch ich erste Erfahrungen mit dem Logitech Fotoman sammele).

  • das Gerät hat eine Stellfläche von ca. DIN A4
  • es wiegt ca. 1 kg
  • es läßt sich problemlos mit handelsüblichen Batterien betreiben
  • es hat eine große Schreibmaschinentastatur
  • die LCD-Anzeige ist auch bei hellem Sonnenlicht ablesbar
  • man muß kein Zubehör mitschleppen

Das Gerät basiert auf einem Zilog Z80 Prozessor mit 64 kB RAM. Das Speicherkonzept nimmt etwas heute selbstverständliches vorweg: Es gibt keine eingebaute Festplatte und auch keine andockbare Diskettenstation (später beim NC 200 integriert), sondern alles spielt sich im RAM ab. Über einen PCMCIA-Slot läßt sich eine Speicherkarte(!) mit 1 MB verwenden (batteriegepuffertes SRAM). Die Verbindung zur Außenwelt geht über die serielle Schnittstelle (RS232) bzw. den Druckeranschluß (Centronics). Programme befinden sich unverlierbar in 256 kB ROM, dadurch ist der Computer sofort startklar. Der Bildschirm in LCD-Technik bietet 8 Zeilen je 80 Zeichen bzw. 64 x 480 Pixel. Energie bezieht der NC 100 aus 4 Mignon-Batterien.

Das reicht wunderbar, um mit der eingebauten Textverarbeitung meine Artikel (vor-) zuschreiben. Immerhin gibt es eine Rechtschreibkontrolle und sogar eine Serienbrieffunktion. Für mich ist völlig ausreichend, wenn ich meine Artikel auch auf dem Balkon oder notfalls unterwegs schreiben kann und sie anschließend “irgendwie” ins Redaktionssystem rüber bekomme. Mit der RS232-Schnittstelle ist das allerdings nicht ganz so einfach, da eine Terminalverbindung zu einem anderen Computer aufgebaut werden muß. Doch mit einem Nullmodenkabel und den kleinen Dateien von einigen kB ist es akzeptabel. — Im Grunde genommen nimmt das Amstrad Notepad NC 100 m. E. einiges vorweg, was später einen PDA auszeichnet: Neben der Textverarbeitung gibt es eine Tabellenkalkulation, einen Terminkalender usw. sowie BBC Basic für eigene Programme.

Mein Foto von etwa 1992 (nicht nachgestellt, mit 3.200 dpi vom Diapositiv gescannt) zeigt den NC 100 auf meinem Schreibtisch (die Gesprächsnotiz ist etwa DIN A5 groß plus Traktorlochung).

Mit dem NC 200 gibt es ein Jahr später ein vertrauterer erscheinendes Modell (das ich allerdings selbst nicht in Händen hatte): Das Display hat doppelt so viele Zeilen und ist klappbar, zwischen Arbeitsmodus und Tastaturabdeckung. Der Arbeitsspeicher wird auf 128 kB verdoppelt und es gibt ein eingebautes 720-kB-Diskettenlaufwerk, was den Datenaustausch sicher etwas vereinfacht. — Aber eigentlich ist das “Aufmotzen” doch ein Rückschritt gegenüber der ursprünglich minimalistischen Schreibmaschine.

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