Manipulation: Schöne neue Bilderwelt.

Bildbearbeitung gehört zum täglichen Workflow. (Bild: Luhm)Gerade werden die Preisträger des “World Press Photo“-Wettbewerbs 2015 gekürt. Es gibt rund 98.000 Einsendungen von etwa 5.500 Fotografen, von denen 42 ausgezeichnet werden.

Bildbearbeitung gehört zum täglichen Workflow.

Nur am Rande kommt dabei ein ernstes Thema zur Sprache: In der Vorrunde werden rund 20 Prozent der eingereichten Bilder disqualifiziert, weil sie manipuliert wurden.


World Press Photo

Dabei ging es nicht um Aufhellungen oder kleinere Retuschen. Vielmehr waren Bildinhalte entfernt oder hinzugefügt worden.”, berichtet Der Spiegel. Das ist erstaunlich, da 2014 bereits 8 Prozent der Fotos aussortiert und die Regeln verschärft werden: Wer in die engere Auswahl kommt, muß die “Originale” wie sie aus der Kamera kommen vorlegen. 7oom.net weist schon vor zwei Jahren auf entsprechende Erfahrungen in der Tierfotografie hin, wo gestellte Bilder anscheinend an der Tagesordnung sind.

Tagesschau: Hubschrauber fliegt von Syrien in die Ukraine. (Quelle: TAZ a. a. O.)

Tagesschau: Hubschrauber fliegt von Syrien in die Ukraine.
(Quelle: TAZ a. a. O.)

Nachrichten nehmen es nicht so genau…

Leider spiegelt sich das auch im Redaktionsalltag wider, wo journalistische Qualität immer mehr unter kurzfristigem Profitdenken und mangelnder Medienkompetenz leidet. Seit Wochen sind auch die Nachrichtensendungen in den Schlagzeilen, weil sie in ihrem Bebilderungszwang es offenbar nicht so genau nehmen: Ob Hubschrauber bei der Tagesschau, Raketen oder Panzer, die mal im Kaukasus (Bild 2009 bei “ntv”) und mal in der Ostukraine (Bild 2014 bei “WDR”) unterwegs sein sollen. Dabei fängt es im Sommer 2005 scheinbar ganz “harmlos” mit dem Schweißfleck von Angela Merkel an: Beim huldvollen Winken zeigt ein Fleck, daß das Deo versagt hat — kein Problem für den Bayerischen Rundfunk, schließlich kann man Photoshop. Und guckst hin auf Fleck ist er plötzlich weg. Darf man das, weil es unschön aussieht und die Bildaussage des Besuchs in Bayreuth “eigentlich” nicht verändert oder ist es eine Manipulation, die verschleiert, daß auch Frau Bundeskanzlerin schwitzt? Im Original DPA-Bild ist der Fleck vorhanden.

Unrühmliche Tradition auch ohne Photoshop

Dabei ist die Manipulation keine Erfindung des digitalen Zeitalters, sondern hat eine lange Tradition wie beispielsweise der Beitrag “12 Historic Photographs That Were Manipulated” zeigt. Leider ist es aber mit Photoshop & Co. nicht nur deutlich einfacher geworden, sondern auch das schlechte Gewissen schwindet zunehmend (besonders bei “people & fashion“).

Auch hierzulande kann man sich bereits seit dem letzten Jahrtausend anschaulich informieren: Die WanderausstellungX für U – Bilder, die lügen” der Stiftung Haus der Geschichte in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, tingelt seit 1999 durch die Lande.

Entscheidung für Rot-Rot-Grün... (Quelle: Twitter / Pohl)

Merkel: Entscheidung für Rot-Rot-Grün…
(Quelle: Twitter / Pohl)

Nicht nur durch Hinzufügen, sondern auch durch Weglassen, kann man .... Bankrotterklärung der SPD (Quelle FAZ / Meedia)Aussagen bewußt verändern — hier spaßeshalber von Ines Pohl, der Chefredakteurin der “taz” (via Twitter): “Merkel: Entscheidung für Rot-Rot-Grün“.

…. Bankrotterklärung der SPD
(Quelle FAZ / Meedia)

Dabei geht die Überschrift der Frankfurter Allgemeine Zeitung weiter: … Bankrotterklärung der SPD.

Persönliches Fazit

Bei einem künstlerischen Foto ist vieles erlaubt, inzwischen sogar das Hinzufügen von montierten oder sogar komplett gerenderten Bildteilen üblich. Bei einem journalistischen Bild muß dagegen Fingerspitzengefühl walten, denn es ist grundsätzlich dokumentatorisch. Das ist auch der Grund, warum ich seit einigen Jahren schwerpunktmäßig mit dem RAW-Entwickler Lightroom arbeite, weil sich das Programm auf die wesentlichen Entwicklungsfunktionen beschränkt, dafür aber eine sehr gut verzahnte Bildverwaltung bietet.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.