Lightroom — Workflow [III]: Bewerten, Markieren, Verschlagworten.

Im Beitrag “Fehlschüsse sofort und schnell rauswerfen” entledige ich mich der mißlungenen Bilder. Aber dies ist ja eigentlich nur ein kleiner Schritt bei der Sichtung einer Fotosession und auf dem Weg zu einem geordneten Fotoarchiv .

Apropos: Ich nutze bei allen in diesem Workflow beschriebenen Aktionen die Ansicht “Vorheriger Import” aus dem “Katalog”-Formular der Bibliothek (linke Seitenleiste). Das dient der Übersicht frischer Bilder, natürlich kann man alles auch nachträglich auf das gesamte Fotoarchiv anwenden, wenn man beispielsweise gerade mit Lightroom startet.

Natürlich ist es wichtig, absolut mißlungene Aufnahmen sofort auszusortieren, damit man nicht immer wieder über sie stolpert. Prinzipiell wäre das Gegenstück zu “X” die Taste “P”, die Fotos mit einem weißen Fähnchen als “pick” (angenommen ) markiert. Es ist aber noch viel mehr möglich — und bei einigen Tausend Bilder auch nötig.


Noch eine “Selbstverständlichkeit” in meinem persönlichen Workflow: Ich arbeite mit zwei Monitoren, wobei links die Übersicht im Raster und rechts das Einzelbild angezeigt werden. — Verwendet man nur einen Monitor, kann man sich ein etwas ruhigeres Umfeld verschaffen, indem man mit den Tastenkürzeln “TAB”, “L” und “Leertaste” (nacheinander drücken) alle platzraubenden und ablenkenden Einstellformulare ausblendet.

 

Sternchen

Was nach dem groben Löschen mit “X” übrig bleibt, sind ja nicht automatisch alles nur top Bilder. Ich verzichte allerdings auf “P” und verwende während des Durchgangs stattdessen die Bewertungs-Sternchen, die eine etwas feinere Abstufung erlauben: 1 bis 5 Sterne können vergeben werden, die man sinnvollerweise direkt über die Tasten “1” bis “5” dem ausgewählten Bild zuweisen kann. Die “0” hebt eine Bewertung komplett auf. Das schwierigste bei der Sternchenvergabe ist, für sich einen Maßstab festzulegen, welche Bilder überhaupt einen Stern bekommen und welche Wertigkeit (für mich) dahintersteckt. Das System sollte möglichst einfach gehalten sein, damit man sich nicht lange damit aufhalten muß, wenn 100 oder 200 Bilder zu bewerten sind.

Ich verwende z. Zt. ungefähr folgende Einteilung — die aber nicht in Fels gemeißelt ist:

  1. Erinnerungsbild
  2. gute Bildidee, aber eigentlich nicht so gutes Bild
  3. gutes Bild, vielleicht noch etwas nachbearbeiten
  4. sehr gut (manuelle Bearbeitung von Belichtung und Kontrast)
  5. perfekt, z. B. für Ausstellung

Wenn man gleichzeitig die Umschalttaste (“shift”) gedrückt hält, springt die Auswahl automatisch auf das nächste Bild, man spart sich die Pfeil-Taste für “weiter”. Je nach Einstellung erscheinen die Sternchen auch auf dem “Diarahmen” (Taste “STRG-J” für Optionen).

Farben

Während Sterne primär zur Bewertung gedacht sind, kann man außerdem Farbmarkierungen zur Sortierung zuweisen: Fünf Farben stehen zur Auswahl, vier davon kann man direkt per Taste zuweisen:

  • 6 rot
  • 7 gelb
  • 8 grün
  • 9 blau
  • (?) lila

Ich verwende sie für eine grobe Sortierung immanenter Projekte — zum Beispiel:

  • Rot für Bilder die nicht von mir sind
  • Gelb, Auswahl für Zeitung oder Agentur
  • Grün …
  • Blau für mein Projekt 52pic[k]s
  • Lila — schon weil ohne Kürzel(?) — für mit Photoshop bearbeitete Bilder

In der Übersicht nimmt der “Diarahmen” die gewählte Farbe an. Ist ein Bild ausgewählt, erscheint die Farbe allerdings nur als schmaler Rahmen um das Bild selbst. — Alternativ kann man in einigen Situationen auch die Funktion Schnellsammlung einsetzen (Taste “B”).

Schlagworte

Bilder ohne Bewertung oder Farbmarkierung sind nicht perse schlecht, sondern zum Teil einfach nur Varianten gut bewerteter Bilder. Bei der Sternchenvergabe darf man nicht vergessen, daß es ja noch weitere Bewertungs- und Sortierkriterien gibt — wie beispielsweise die “Tags” (Stichwörter, Verschlagwortung), wo es um inhaltliche Dinge geht.

Ich kann jedem nur empfehlen die Funktion “Stichwortliste” in der Bibliothek zu nutzen und möglichst sofort Tags zu vergeben (bevor man Details schon wieder vergißt). Das Schwierigste ist dabei wieder das “wie”, denn man kann das Eingabefeld prinzipiell beliebig füllen. Den Grundstein kann man bereits im Import-Dialog legen und schon dort erste Tags vergeben, die auf den gesamten Import zutreffen, zum Beispiel “Berlin”, “Exkursion”, “Presseklub”. Bei der ersten Durchsicht im “Leuchttisch” (Raster) markiere ich Gruppen für Orte oder Ereignisse wie “Brandenburger Tor”, “Checkpoint Charlie” oder “Demonstration”. Je nachdem wie umfangreich der Import so ist und wie ich Lust habe ins Detail zu gehen, können dann auf einzelnen Bildern Details oder Personen benannt werden. Oft verschlagworte ich auch eine (gefühlte) Jahreszeit oder Farbdominanz.

Bild mit StichwortDas ganze macht man natürlich, um später in einem umfangreichen Archiv gezielt eine Auswahl treffen zu können:

  • man erinnert sich an ein Bild, das man an Hand der Stichworte wiederfinden möchte
  • man sucht Bilder für ein bestimmtes Thema — zum Beispiel eine Ausstellung — und läßt sich durch die Auswahl überraschen

Bilder, die “getagged” wurden, erhalten automatisch eine Markierung in Form eines “Kofferänhängers”.

Sammlung

Ein weiteres Sortierkriterium ist die Sammlung. Ein paar sind automatisch als “Smart-Sammlung” vorhanden, wie nach Lightroom Sammlung per drag & dropBewertung oder “Kürzlich geändert”.

Lightroom Sammlung per drag & drop

Man kann aber auch beliebige eigene Sammlungen anlegen. Dazu legt man einen entsprechenden Ordner an und zieht ausgewählte Bilder dann auf dieses Verzeichnis. Wie in Lightroom üblich, verschwinden die Bilder nicht aus der Übersicht, sondern erhalten eine kleine Teil einer SammlungMarkierung (die mich eher an den Serienbildmodus meiner Kamera erinnert).

Ich verwende die Sammlung beispielsweise für meinen Jahreszeitenbaum, wo seit ca. zwei Jahren immer wieder neue Bilder hinzukommen. Auch Hintergründe für Photoshop-Montagen sammele ich so, ohne sie (wie früher) in einen anderen Ordner auf der Festplatte umkopieren zu müssen. Abrufen kann man die Sammlung durch Klick auf den Verzeichnisnamen.

Zwischenbilanz…

Bei diesen ganzen Möglichkeiten darf man nicht dem Irrtum erliegen, daß es einen einzig wahren “richtigen” Weg gibt. An dieser Stelle zeige ich die Möglichkeiten auf und wie man sie nutzen kann. Sicherlich wird man mit zunehmender Vertrautheit die Kriterien immer Mal wieder anpassen. Dabei sollte man auch immer auf die Nutzung und Kombination dieser Informationen schielen: Es sind keine sich ausschließenden “oder”-Kriterien, 4 Sterne schließen weder eine Farbmarkierung “grün” noch eine Sammlung aus. Dazu kommen noch die umfangreichen Filter (Taste “STRG-L”, Filter “Kamerainformationen”), mit denen man ohne eigenes Zutun weitere Kriterien zur Verfügung hat, weil sie die Exif-Daten auswerten. So kann man nach Kameramodell, einen bestimmten Objektiv oder sogar nach einer Brennweite suchen. Der “Output” findet dann immer über einen Export statt, denn auf der Festplatte bleiben bei der Arbeit mit Lightroom immer die unveränderten Original Dateien.

[Update]

Eine der Neuerungen in Lightroom 4 ist die “Karte”. Dort kann man seine Fotos “verorten” oder “geotaggen”. Diese Funktion wird Thema eines anderen Beitrages sein.

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