Lightroom: Ohhh, Seitenverhältnis und Kompositionshilfe nutzen.

Wenn es um Fotografie geht, argumentieren viele Leute leider sehr technisch und “ausschließlich” was die Kameraausrüstung angeht. Künstlerische Aspekte werden dann nur genannt, wenn man dazu ein Stück Technik kaufen muß… Software und vor allem Know-how gehören aber selten dazu.

Mohnfeld auf Rügen.

Mohnfeld auf Rügen.

Lightroom — das man als Teil der Ausrüstung kostenpflichtig einkalkulieren sollte — bietet eine Kompositionshilfe, die nichts extra kostet.


RAW — keine Vorteile verschenken

Das gute Foto beginnt schon im Kopf, noch bevor man die Kamera in die Hand genommen hat. Wer ist nicht von einem Mohnfeld fasziniert, das leuchtend rot bis zum Horizont reicht? Die Kunst, ein tolles Foto davon zu machen besteht nicht nur darin, es technisch auf Film bzw. auf die Speicherkarte zu bekommen. Ich möchte als Fotograf beispielsweise auch die Stimmung rüberbringen, die mich dazu veranlaßt auf freier Strecke anzuhalten und dort eine gute halbe Stunde zu verweilen — ein Glück, daß meine Freundin dieses Hobby teilt und nicht zu drängeln anfängt, wenn ich hin und her laufe, um Licht und Schatten zu beurteilen. Im Gegenteil, sie hat ebenfalls ein hervorragendes Foto geschossen.

Doch die Überlegungen vor Ort sind nur der erste Schritt. Im Labor — das durch Lightroom m. E. ein überzeugendes digitales Pendant gefunden hat — wird das Bild ein zweites Mal “fotografiert”: Ein RAW(!) ist mit einem latenten Bild im Film vergleichbar und bietet einen Belichtungsspielraum, der über vier und mehr Blenden reicht. Damit kann man Fehler ausgleichen oder neue Akzente setzen.

Seitenverhältnis bewußt wählen

Was dabei oft nur flüchtig beachtet wird, ist der “richtige” Ausschnitt. Oft wird er so gewählt, daß unerwünschte Bildteile abgeschnitten werden. Bis zu einem gewissen Grad ein nachvollziehbarer Gedanke, der sich aber rächen kann. Ich finde, daß zu einem guten Foto auch ein bewußt gewähltes Seitenverhältnis gehört: Spätestens, wenn ein Foto ausbelichtet wird, gibt es sonst weder passende Papierformate noch passende Bilderrahmen. Und innerhalb einer Serie sind unterschiedliche Abmessungen indiskutabel. — Meine Empfehlung:

  • 4 : 3 — das alte Fernsehformat
  • 3 : 2 — das klassische Kleinbildformat (Vollformat)
  • 16 : 9 — das neue Fernsehformat
  • 1 : 1 — das klassische Mittelformat (6 x 6)

Komposition mit “Goldenem Schnitt”

Wenn man sich für ein bestimmtes Format entschieden hat, ist das Bild noch lange nicht fertig. Es gilt den Blick zu führen oder Sichtachsen sowie einen “Fokuspunkt” zu finden (was man natürlich schon vor Ort im Blick haben sollte). Im “Entwickeln”-Modul von Lightroom kann die Kompositionshilfe unterstützen. Am besten ruft man sie per Taste [O] (Oh) auf. Nacheinander kann man dann unterschiedliche Modi durchschalten.

In Lightroom kann man unterschiedliche Hilfslinien nutzen.

In Lightroom kann man unterschiedliche Hilfslinien nutzen.

Bei meinem Motiv im Mohnfeld hilft mir das 3 x 3 Raster einerseits bei der 2/3-Regel für das Verhältnis von Vordergrund zu Hintergrund, andererseits bei der Positionierung des Motivs oder “Ankerpunktes” auf einem der Schnittpunkte (“Goldener Schnitt”). Den Linsenfleck (lens flare) — der auch beim teuersten Objektiv bei diesem starken Gegenlicht auftauchen wird — retuschiere ich nicht (mildere ihn nur etwas ab), sondern nutze ihn quasi als Gegengewicht auf der Sichtachse der Winkelhalbierenden.

Und nicht vergessen: Nicht nur für die Festplatte fotografieren! Das digitale Fotoalbum hat man heutzutage auf dem Handy oder Tablett-PC — und die besten Bilder werden in 80 x 80 cm ins Wohnzimmer gehängt.

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