Lightroom: So machst du mit Lens Tagger alte Optiken klar für Exif.

Es ist schon verrückt: Einerseits werden Kameras mit 99 AF-Sensoren angeschafft, andererseits werden per Adapter manuelle alten Linsen als auch moderne ohne jegliche Elektronik verwendet (vom Preisbrecher Walimex bis zum kostspieligen Zeiss). Viele solcher Objektive werden dabei oft nur mechanisch mit der Kamera verbunden. Eine elektronische Steuerung von Blende und AF findet i. d. R. nicht statt, noch nicht einmal rudimentäre Exif-Daten werden dabei übertragen.

Lohn der Mühe sind vollständige Exif-Daten.

Lohn der Mühe sind vollständige Exif-Daten.

Problem: In den Exif-Daten findest du dann nur, was vom Kameragehäuse aus gesteuert wird, also Aufnahmedatum, Belichtungszeit und ISO, während Brennweite, Blende und genaue Bezeichnung der Optik fehlen. Solche Angaben schreibe ich daher meist als Notiz in die Stichworte. So geht die Information zwar nicht gleich verloren, aber so richtig toll ist das nicht… Ein Plugin hilft weiter.


Plugin “LensTagger” installieren

Ein möglicher Workaround ist, noch vor dem Import nach Lightroom den betreffenden Bildern mit einem der zahlreichen Exif-Tools zu Leibe zu rücken. Dabei muß man aber ganz genau den Überblick haben, um welche Bilder es konkret geht und was wie geändert werden muß. Das kann auch ganz gewaltig daneben gehen. Als geübter Lightroomer bevorzugt man eine Lösung in Lightroom selbst. Das Plugin “LensTagger” verspricht Abhilfe. Es greift letztlich ebenfalls auf ein Exif-Tool zurück, organisiert den Workflow aber innerhalb von LR.

Tipp: Ich habe einen festen Plugin-Ordner, damit er beim Backup nicht vergessen wird. Dorthin kopiere ich das Verzeichnis LensTagger.lrplugin und aktiviere es anschließend in LR über “Datei | Zusatzmodul-Manager –> Hinzufügen”. Nicht vergessen auch das “ExifTool” dort zu installieren (Windows Executable bzw. Mac OS X Package).Unter “Options” des Plugins exiftool.exe auswählen.

Das Tool erfüllt zwei Funktionen:

  1. Du kannst Objektiv-Daten als Datensatz anlegen und den ausgewählten Bilder zuweisen. Unterschiedliche Objektive können als Preset gespeichert werden.
  2. Ein Analog-Fan kann darüber hinaus Film- und Scannerdaten hinterlegen.

Lightroom: Mit LensTagger Exif-Daten nachrüsten.

Lightroom: Mit LensTagger Exif-Daten nachrüsten.

Diese Operation machst du am besten vor einer aufwendigen Bildbearbeitung, weil das externe Speichern der vorhandenen Metadaten eigentlich eine Krücke ist und man nie weiß…

Klickreicher Workflow

Über “Datei | Zusatzmoduloptionen” Lens Tagger rufst du das Tool auf. Folgende Schritte sind im Workflow notwendig:

  1. Bilder auswählen, denen ein bestimmtes Profil zugeordnet werden soll.
  2. Mit Strg-S ausnahmsweise eine XMP-Datei anlegen und somit die vorhandenen Meta-Daten extern parken.
  3. Über Datei|Zusatzmoduloptionen den LensTagger aufrufen.
  4. Daten anlegen oder aus einem Preset laden.
  5. Mit “Run Command” (“Edit” abgewählt) Daten zuweisen.
    — Exif Tool is running, please stand by… Mit “Close” Plugin verlassen.
  6. Rechtsklick auf die ausgewählten Bilder und “Metadaten|Metadaten aus Dateien lesen”.
  7. Einen Moment warten, es dauert ein wenig bis die Daten erstmals angezeigt werden.

Da ich manches alte M42-Schätzchen sowohl an Vollformat als auch an APS C (Cropfaktor 1,6) und MFT (micro four thirds, Cropfaktor 2,0) verwende, gebe ich im Formular keinen festen Cropfaktor ein — wer unsicher ist, sollte für jede Verwendung (Kameramodell mit abweichendem Cropfaktor) ein eigenes Profil anlegen. Peu à peu legst du dir in Schritt 4 Profile für deine manuellen Objektive an. Die Bearbeitung in Schritt 5 dauert relativ lange, selbst bei nur wenigen Bildern mußt du 10 bis 20 Sekunden warten. Irgendwo bei 50 oder 60 Bildern scheint das Tool aufzugeben, es dauert mehr als eine Minute oder es werden schlicht nicht alle bearbeitet. Bei meinem Test mit rund 250 Fotos Man kann nach den neuen Daten auch filtern.bleiben am Ende 11 übrig, die sich nichts sagen lassen wollen. Wen die XMP-Dateien stören kann sie jetzt bzw. später generell löschen.

Man kann nach den neuen Daten auch filtern.

Das Einpflegen solcher Objektivdaten ist nicht nur eine kosmetische Angelegenheit. Diese Metadaten erweitern auch die Filterfunktionen [Strg] [L], so daß du in Zukunft in den Objektiven beispielsweise nach dem Auto Revuenon suchen lassen kannst.

Fazit LensTagger

Mit dem Umweg über die externen XMP-Dateien ist die Handhabung etwas umständlich, funktioniert aber. Leider ist die Massenbearbeitung bei erstmaliger Nutzung nicht ganz zuverlässig, im täglichen Workflow mit wenigen Bildern relativiert sich dies aber. Die nachträgliche Zuordnung könnte noch besser funktionieren, wenn M42- oder MFT-Adapter zur besseren Unterscheidung wenigstens Exif-Fake-Daten liefern würden, wie es beispielsweise bei einigen für Canon der Fall ist, wenn ein Chip für die manuelle Fokussierhilfe eingeklebt ist. Wenn du auf diese Weise eine komplizierte Belichtungsreihe nachträglich taggen möchtest, ist es eine mühsame Fleißarbeit. Am besten erledigt man so etwas sofort. Das Plugin “Lens Tagger” ist ein nützliches Tool, das noch nicht ganz rund läuft.

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