Lightroom, deine Zeit ist abgelaufen…

Mit Lightroom 6 macht Adobe sich nicht nur Freunde. Das Upgrade holpert und stolpert, gleichzeitig wird offenbar das teurere Abo-Modell nun doch gegenüber den “normalen” Desktop-Programmen in Kleinigkeiten bevorzugt (die “Entdunstung” ist zumindest bis jetzt noch nicht bei den Desktop-Lizenzen angekommen).

Nach 30 Tagen ist die Progezeit abgelaufen...

Nach 30 Tagen ist die Probezeit abgelaufen…

Bei mir ist inzwischen die Testversion LR 6 CC abgelaufen. Die neuen Funktionen — Panorama und HDR — sind m. E. nicht wirklich das Argument für ein kostenpflichtiges Upgrade, die vielen unberechenbaren Bugs die seit Erscheinen immer wieder Thema sind, sprechen zur Zeit sogar dagegen. Doch was passiert, wenn der kostenlose Testmodus nach 30 Tagen deaktiviert wird?

Es gibt eine weit verbreitete Annahme zum Ablauf des Testzeitraumes: Lightroom stellt die Funktion komplett ein. Doch das stimmt nicht. Im Gegenteil, das Programm wird zwar deutlich eingeschränkt, bietet dennoch erstaunlich viel Funktionalität. Wer das Programm in der Testphase intensiv genutzt hat — also komplett über alle Module hinweg — kann seine Daten noch “retten”. Die Originalbilder sind sowieso nicht gefährdet und die automatisch angelegte Ordnerstruktur mit der Dateiumbenennung bleiben auf der Festplatte erhalten. Und die Restfunktionalität kannst du fast als eigenständiges Programm betrachten. Eine genaue Auflistung dazu gibt es meines Wissens allerdings nicht.

Lightroom mit eingeschränkter Funktionalität.

Lightroom mit eingeschränkter Funktionalität.

Dies ist eine persönliche Auswertung einer abgelaufenen LR-6.3-Installation. Wer andere Erfahrungen gemacht hat, möge sie uns bitte in den Kommentaren schildern.

Was steht, was geht?

Lightroom startet, informiert vorab, daß nur eine eingeschränkte Funktionalität zur Verfügung steht. Dann wird der Katalog geladen, alles sieht aus wie immer.

Bis zu einem gewissen Grad können Bilder noch bearbeitet werden.

Bis zu einem gewissen Grad können Bilder noch bearbeitet werden.

Die Bibliothek (Katalog) ist noch erstaunlich lebendig: Stichworte (Tags), Bewertungssterne, Farben, Ablehnen/Annehmen — alles wird angezeigt und kann sogar noch neu eingepflegt werden. Mehr noch, es können sogar weiterhin Bilder importiert und dem aktuellen Katalog hinzugefügt werden. Allerdings sind die Optionen arg zusammengestrichen: Vorschauen kannst du uneingeschränkt rendern, Minimale Bearbeitung während des Importseinzelne Bilder können in der Übersicht abgewählt werden.

Minimale Bearbeitung während des Imports.

“Zweite Kopie” ist zwar aufgeführt, geht aber nicht. Der Dateibaum wird ebenfalls nicht dargestellt. Schmerzlich vermißt wird dagegen die Dateiumbenennung und die automatische Anwendung eines Presets.

Auch die Bearbeitungsfunktionen der Bibliothek stehen zur Verfügung: Du kannst Bilder drehen und virtuelle Die Ad-hoc-Entwicklung läßt FedernKopien anlegen. Auch das Auffinden mit “In Explorer anzeigen” oder “Gehe zu Ordner in Bibliothek” stehen zur Verfügung. Dafür gibt es noch die Ad-hoc-Entwicklung, wenn auch deutlich eingeschränkt:

Die Ad-hoc-Entwicklung läßt Federn.

Es bleiben Entwicklungs-Presets (auch eigene), Weißabgleich, Autom. Tonwert und Belichtung sowie Klarheit und Dynamik. Damit kann man doch schon etwas anfangen.

Erst wenn du mehr möchtest, merkst du, daß du in einer Demo bist: Komplett gesperrt ist das Entwicklungsmodul. Dort gibt es noch nicht einmal reduzierte Funktionen, sondern nur den Hinweis, daß eine Lizenz nötig sei. Schon im Katalog ist außerdem die Funktion “Bearbeiten in…” verschwunden, obwohl es dabei ja um Photoshop und andere externe Software geht. Auch die Karte blitzt beim ersten Aufruf nur kurz auf, schaltet dann ebenfalls auf stur, hier geht nix mehr — verschmerzbar.

Fazit

Mit den anderen Modulen arbeite ich nicht so intensiv, so daß mir Abweichungen bei Details nur zufällig auffallen. Das “Buch“-Modul ist nicht deaktiviert, übernimmt allerdings nicht meine aktuell ausgewählten Bilder, sondern zeigt eine ältere Einstellung. Bei der “Diaschau” wird die Auswahl dagegen übernommen und abgespielt. Weiter zum “Drucken“: die Stichprobe funktioniert. Auch “Web” zeigt Bilder, scheint aber die Auswahl zu verändern. Dagegen kann man Templates auswählen und auch der Export funktioniert.

Die Webgalerie ändert eigenmächtig die Bildauswahl.

Die Webgalerie ändert eigenmächtig die Bildauswahl.

Kurz gesagt: Eine Menge funktioniert auch noch im Demo-Modus, lediglich das Entwicklungsmodul und der Karte sind komplett ausgeknipst. Umgekehrt kann man im Katalog vieles weiterhin nutzen, so daß (wahrscheinlich) keine Arbeit verloren geht. Entwickelte (bearbeitete) Bilder bleiben bearbeitet und können in diesem Zustand auch exportiert werden. Ordnerstruktur und Originale liegen unverändert auf der Festplatte. Wer fleißig eigene Presets angelegt hat, kann diese meist noch nutzen und so einen kleinen Teil der Einschränkungen umgehen. So steht beispielsweise mein selbst angelegter Lomo-Effekt trotz gesperrter Entwicklung noch immer zur Verfügung.

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