Lightroom 6: Panorama überzeugt (leider) nicht.

Als die neuen Features bei Lightroom 6 bekannt werden, bin ich einigermaßen überrascht: Mit HDR und Panorama (sowie Gesichtserkennung) gibt es diesmal nicht nur Detailverbesserungen, sondern “richtig neue” Funktionen, die sonst nur mit zusätzlicher Software gelöst werden können.

Panorama mit Lightroom 6: Der Lichterbergplatz in HAnnover.

Panorama mit Lightroom 6: Der Lichtenbergplatz in Hannover.

Eines meiner Lieblingsmotive im Frühjahr sind blühende Kastanien. Ein hervorragendes Fotomotiv, besonders wenn sie so schön wie hier auf dem Lichtenbergplatz in Hannover regelrecht auf dem Präsentierteller steht.

Die Weite des Platzes lädt zu einem Panorama ein, das ich schon mehrmals abgelichtet habe. Mit einem Klick geht es mit meinem 10-mm-Objektiv (für APS C, 16 mm KB entsprechend). Bei meinem “immer drauf” stehen mir nur 17 mm zur Verfügung (ca. 27 mm KB), was für den inneren Teil ausreicht, aber leider zu wenig Tiefe läßt.

Tipp: Die Einzelaufnahmen für ein Querformat-Panorama mache ich im Hochformat und umgekehrt. So vermeide ich, daß das Bild zum Schlauch wird.

So mache ich elf Aufnahmen im Hochformat. In Lightroom stelle ich im Entwickeln-Modul lediglich die Profilkorrektur sowie die Korrektur Chromatischer Aberration ein. Gerade bei diesem Objektiv hat es einen erfreulichen Effekt. Belichtungseinstellungen bleiben unverändert.

Daraus ein Panorama zu machen, ist ganz einfach: Die Teilbilder auswählen, “Bilder zusammenführen” oder [Strg] [M] und es erscheint eine Vorschau. Dort kannst du die “Projektion automatisch auswählen” oder hast per Klick die Wahl zwischen kugelförmig, zylindrisch und perspektivisch. Darüber hinaus kann man “Automatisches Freistellen” anwählen. Das ist alles. Nun heißt es warten…

Auf den ersten Blick ist das Ergebnis beeindruckend und überzeugend. Auf den zweiten Blick muß leider ein “Aber” folgen…

Anschlußprobleme

Pnaorama-Funktion in Lightroom 6: Licht und Schatten...

Panorama-Funktion in Lightroom 6: Anschlußprobleme…

Wer schon öfter ein Panorama zusammengesetzt hat, weiß wo normalerweise die Schwächen liegen: Das LR-Panorama überzeugt insofern, als daß keine Helligkeitsübergänge erkennbar sind und das Bild insgesamt ausgewogen wirkt. Doch LR hat leider typische Anschlußprobleme. Interessanterweise findet man sie mehrfach in der Kabelaufhängung der Lampe. Es überrascht, daß ein deutlicher schwarzer Strich vor blauem Hintergrund für die Software schlechter zu bearbeiten ist als die komplexe Struktur einer Fassade — die offenbar deutlich mehr Anhaltspunkte gibt.

Das kommt vor. Ärgerlich bei einem Programm wie Lightroom ist die 1-Klick-Konstruktion — man kann weder vorher noch nachher bezüglich des Zusammensetzens irgendetwas beeinflussen oder korrigieren. Es lassen sich weder Hilfspunkte markieren, noch Teilbilder verschieben.

Blitzer

Panorama: Kein Auffüllen der Blitzer...

Panorama: Kein Auffüllen der Blitzer…

Das zweite Problem tritt typischerweise auf, wenn man Freihand fotografiert (je nach Bildwinkel auch vom Stativ): Der Bildrand ist mehr oder weniger unregelmäßig. Kein Problem, denkst du dir, kleine weiße Blitzer kann ich mit der Bereichsreparatur wegmogeln. — Nein, kannst du nicht. In Lightroom sind die weißen Flächen nicht zugänglich und können nicht “übermalt” werden.

Wenn das Bild sonst in Ordnung ist, kann man es natürlich exportieren und mit einer anderen Software bearbeiten. Aber das ist schon irgendwie komisch, wenn ich gerade mit einer Bildbearbeitung wie Lightroom arbeite. In Lightroom selbst kann man sonst nur im Panorama-Importdialog die Funktion “Automatisch beschneiden” aktivieren bzw. später im Freistellungswerkzeug “Auf Bild beschränken”, womit die weißen Ränder automatisch abgeschnitten werden.

Fazit

Die Panorama-Funktion in Lightroom 6 läßt mich mit gemischten Gefühlen zurück: Einerseits hat sie mit Anschlußfehlern und fehlender Korrekturmöglichkeit deutliche Schwächen, andererseits bietet sie den Komfort nicht mit zusätzlicher Software jonglieren zu müssen. Auch die ausgewogene Belichtung ohne Streifen und die Weiterbearbeitung auf Basis eines DNGs (bei RAW) sind Pluspunkte. Sicherlich liefert auch andere Panorama-Software kein perfektes Ergebnis auf einen Klick — und hat deshalb “komplizierte” Korrekturmöglichkeiten. So ist das Panorama in Lightroom wohl eher ein “mee too”-Feature für den Gelegenheitsknipser, der Profi wird bei seiner Spezialsoftware bleiben (müssen!).

[Update]

Die Erwartungen an den Photoshop-Platzhirsch Adobe isind hoch, entsprechende Leistungen erhofft man sich von Lightroom. Da ist die Enttäuschung groß, wenn dabei kein “perfektes Ergebnis” herauskommt, ist man enttäuscht. Ich habe deshalb mit Photoshop und frei verfügbarer Software die Gegenprobe gemacht — mit überraschendem Ergebnis…

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