Lichtstarke 35 mm für Straßenfotografie

Eigentlich hatte ich mit dem Kauf meiner Canon EOS 50 D, dem 17-85-mm -Zoom mit USM und IS sowie zusätzlich dem Tamron 10 – 24 mm trotz Crop-Faktors Frieden mit APS C geschlossen, weil man in dieser Kombination endlich auch den extremen Weitwinkelbereich wieder nutzen kann (auf KB umgerechnet 16 – 38 mm).

Canon EF 35 mm f2 (Quelle: Amazon)

Canon EF 35 mm f2

(Quelle: Amazon, Januar 2013)

Allerdings steige ich auf Grund der besseren Bildqualität und Bearbeitungsmöglichkeiten auch generell auf RAW und Lightroom um und bin auch diesbezüglich lange Zeit damit sehr zufrieden. Und weil ich mich schon so lange mit Fotografie beschäftige, habe ich inzwischen auch immer mal wieder “analoge” Canon-Objektive oder sogar alte M42-Optiken versuchsweise im Einsatz. Doch ohne nach Unterschieden zu suchen, fallen mir bei der Bildbearbeitung immer öfter kleinere oder größere Mängel auf, leichte Unschärfen oder chromatische Abberation.

In der Praxis kann man dies Dank Bildbearbeitung zwar wieder ausbügeln, bei RAW ist es sogar Pflicht nachzubearbeiten (deswegen ist es ja RAW!). Trotzdem möchte ich schon bei der Aufnahme so nah wie möglich ans Ziel kommen, nicht alles in Photoshop nachträglich “hinpfuschen”. Subjektiv — ich fotografiere grundsätzlich kein Millimeterpapier — bewahrheitet sich die alte Weisheit, daß Festbrennweiten prinzipiell schärfer sind (obwohl mir aktuelle Superzooms eher besonders “unscharf” erscheinen). Als schöner Nebeneffekt ergibt sich bei Festbrennweiten ein geringeres Gewicht, eine deutlich höhere Lichtstärke, man kommt mit weniger Licht aus und kann über Tiefenschärfe gezielter freistellen.

Für mich ergibt sich die Konsequenz, daß ich bei Neuanschaffungen a) verstärkt auf Festbrennweiten setze und b) bevorzugt in Vollformat investiere, weil es langfristig wieder eine Option ist — allerdings passen die rund 2.000 Euro für eine Vollformatkamera momentan noch nicht ins Budget.

Canon EF 35 mm

Nachdem ich mir im Spätsommer letzten Jahres bereits das mit unter 100 Euro unschlagbar günstige Canon EF 50 mm f1,8 anschaffe, schlage ich jetzt beim Canon EF 35 mm mit f2 zu. Es bietet m. E. generell ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, hat bei Amazon überhaupt keine negative Bewertung (4,6 von 5 Sternen) und ist gerade mit z. Zt. ca. 250 Euro günstig zu bekommen (Januar 2013; bisher muß man um die 275 Euro veranschlagen). Es hat zwar kein Ring-USM, auch keinen Bildstabilisator (IS), ist bei der Lichtstärke noch nicht am Maximum, aber deutlich besser als jedes Zoom in diesem Brennweitenbereich. Im AF-Modus ist der manuelle Einstellring entkoppelt, bei AF macht es zwar typische leise Geräusche, ist aber schnell und präzise, darauf kommt es mir an. Im Gegensatz zum 50er hat es ein Fenster mit der Entfernungsangabe und Markierungen zur Schärfentiefe und fällt in der Verarbeitung deutlich solider aus. Die kürzeste Einstellentfernung liegt bei 25 cm.

Alternativen

Gibt es Alternativen? Auch die nächste Preisklasse aus dem Hause Canon hat keine höhere Lichtstärke, kostet aber ca. 830 Euro. Dafür bietet es “IS” (Bildstabilisator) und USM (geräuschlos und oft schneller) — nett, mir aber keine 550 Euro Aufpreis wert. Canon kann noch mehr: Das L-Objektiv (erkennbar am roten Ring) mit f1,4 liegt dann bei ca. 1.300 Euro. Man mag ja über die Qualität der Linsen diskutieren, aber neben dem Preis ist noch etwas abschreckend: die lichtstarken Weitwinkel werden groß und schwer wie ein fettes Tele.

Auch “Fremdgehen” lohnt nicht unbedingt: Das neue Sigma 35 mm f1,4 (Vollformat) liegt ebenfalls bei rund 850 Euro. In bezahlbaren Regionen befindet sich dagegen das Sigma EX 30 mm f1,4 für 425 Euro. Da es auch aus dem “alten” Sigma-System stammt, könnte es im Preis noch sinken oder gebraucht ein Schnäppchen werden. Es hat eine gute Ausstattung und Bildqualität, ist aber leider nur für APS C bzw. DX geeignet — das wäre für mich zur Zeit nichts Halbes und nichts Ganzes…

Ein “Geheimtipp” sind ja einige Zeit die unter Walimex aka Samyang vertriebenen Objektive, die relativ preisgünstig eine hohe Lichtstärke bieten, z. B. das Walimex Pro 35 mm f1,4 für rund 400 Euro. Das war’s aber auch schon, denn der Anschluß ist nur mechanisch, kein AF, keine Blendensteuerung, keine Exif-Werte usw. (immerhin Vollformat). Und es ist ebenfalls ein Riesentrümmer, für unauffällige Straßenfotografie weniger geeignet.

(Zwischen-) Fazit

Unter dem Strich überzeugt das Original von Canon gerade für den engagierten Amateur-Bereich. Außerdem ist es meinerseits ein Testballon, ob es in der Praxis den Ansprüchen von Brennweite/Lichtstärke genügt. Für rund 200 Euro mehr bekommt man zwar 1 Blende mehr Licht, aber auch immer einen Haken, wie APS C, eingeschränkter Steuerung oder einem deutlich höheren Preis. Darüber hinaus sind die anderen Objektive größer und schwerer. Was das Ausprobieren erleichtert: Das schöne an Spiegelreflexobjektiven ist, daß sie — im Gegensatz zu den Gehäusen — relativ wertstabil sind und man später mit nur leichten Abschlägen auf- oder umsteigen kann.

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