Libre Office: Buchexport via Plugin “Writer2Epub”

Die Möglichkeit elektronisch zu publizieren macht Autoren von Verlagen unabhängig, ist fast ohne Kostenrisiko und beschert dem Selfpublishing einen ungeheuren Boom. E-Buch und Druckwerk verbinden ist nicht einfach.Und doch möchten viele Leser am Ende ein gedrucktes Buch haben, besonders bei Fachliteratur.

E-Buch und Druckwerk zu verbinden ist nicht ganz so einfach.

Mein Praxisbuch zum Workflow mit Lightroom entwickelt sich kontinuierlich und ist als E-Book in der überarbeiteten und erweiterten dritten Ausgabe erhältlich. Doch zum schmökern oder als Seminarunterlage soll es zu Papier gebracht werden. In meinem Beitrag “Vom E-Buch zum Druckerzeugnis ” beschreibe ich die “Grundlagenforschung” und den Ansatz, die Epub-Dateien in eine Textverarbeitung zu importieren und zu einem brauchbaren Word-Dokument zu formen. Es geht, ist aber nicht auf einen Klick möglich und deshalb mit hohem Korrekturaufwand verbunden. Und auf Grund kleiner Textänderungen, Umbruch usw. hat man schnell zwei unterschiedliche Versionen… Deshalb möchte ich einen anderen Ansatz ausprobieren: Ich bleibe in Libre Office Writer, gehe den umgekehrten Weg und exportiere ins Epub-Format. Ob das auf Knopfdruck klappt?

ePUB per Plugin

Im Zuge der Bearbeitung für ein gedrucktes Buch steige ich von Microsoft Office Word auf Libre Office Writer um. Dort finde ich einige Details wie beispielsweise eine korrekte Doppelseitenansicht mit ungerader Nummerierung auf der rechten Seite oder Formatvorlagen, die einen automatischen Seitenumbruch anlegen können (wichtig für Kapitelanfänge) sowie druckereikonformem PDF-Export. Während sich bei einem gedruckten Buch wegen des Umbruchs der Inhalt gelegentlich zähneknirschend der Form unterordnen muß, spielt dies bei einem E-Buch kaum eine Rolle. Deshalb hoffe ich, daß beim nun umgekehrten Weg nicht so viel Nachbearbeitung notwendig sein wird. Dreh- und Angelpunkt ist ein Epub-Export-Plugin für den Writer. Es handelt sich um Writer2ePUB von Luca “Luke” Calcinai (getestet mit Office 5.x). Alternativ bieten sich das Writer2XHTML-Plugin oder eine reine Konvertierung via Calibre an.

Writer2ePUB

Im Idealfall verwende ich also den letzten Stand der Original Druckdatei (ODT-Format) und exportiere ein inhaltlich identisches ePUB. Wenn es perfekt läuft, werden ebenso Auszeichnungen, Überschriften, Stichwortmarker usw. übernommen. Das Plugin installiert drei Icons: Über das eine steuerst du einige Einstellungen des Plugins (“Index” meint übrigens ein Inhalts- nicht ein Stichwortverzeichnis), das zweite sammelt die Metadaten für das elektronische Buch, das dritte startet dann den Konvertierungsprozeß.

Nicht alle Formatvorlagen werden unterstützt.

Nicht alle Formatvorlagen werden unterstützt.

Beim ersten Durchlauf eine Fehlermeldung: Selbst angelegte Formatvorlagen werden nicht ohne weiteres unterstützt: Erst mit der zusätzlichen Kennzeichnung “w2e_” (mit Unterstrich) sollte es klappen. Vorsicht, dann müssen davon abgeleitete bzw. verbundene Formate eventuell darauf angepaßt werden! Nicht schön, aber noch akzeptabel, da dieser Anpassungsaufwand nur einmal durchgeführt werden muß und beim nächsten Projekt weiß man es besser.

Kontrolle in Sigil

Das Ergebnis wird in einer nach dem Original benannten Datei abgelegt, die deutlich größer als das von Hand optimierte Vorbild ist. Ein generelles Problem von Konvertern oder rangestrickten Exportmodulen.

Das Layout wird ganz schön durchgeschüttelt.

Das Layout wird ganz schön durchgeschüttelt (Calibre Viewer).

Über den Calibre Viewer teste ich die automatisch gefertigte Datei — leider läßt das Ergebnis “out of the box” (bei mir) zu wünschen übrig. Gerade bei Bildern gerät die Darstellung aus den Fugen, obwohl Illustrationen in der Vorlage selbstverständlich als einzelne Zeile/Absatz eingebunden sind. Spielchen wie Umfließen usw. sollte man sich sowieso verkneifen.

Zunächst beanstandet Sigil eine fehlerhafte HTML-Umsetzung — die sich zum Glück automatisch ausbügeln läßt. Es sieht schlimmer aus als es ist. Wenn man sich mit HTML und CSS auskennt, läßt sich ein ordentliches Buch daraus machen. Aber: Es bedeutet wieder intensive Nachbearbeitung.

Sigil ist nicht zufrieden.

Sigil ist nicht zufrieden.

Auffällig ist, daß aus den rund 20 Kapiteln/Dateien der ursprünglichen, “handgemachten” Epub-Datei fast 400 XHTML-Dateien mit abstrakter Benennung geworden sind. Das Gebilde mag zwar ein ePUB sein, ist aber für eine Weiterentwicklung nur rudimentär zu gebrauchen.

Ob in Word oder Writer, ich arbeite seit Jahren mit Formatvorlagen — das sollte sich doch als Style problemlos umsetzen lassen (siehe Namenskonvention oben). Leider nicht. Einfache Hervorhebungen im Text wie kursiv oder fett werden erkannt. Kästen haben zwar einen CSS-Style, werden aber trotzdem nicht korrekt angezeigt. Das ist nicht nur fürs Layout ärgerlich, sondern der Infotext landet eingestreut zusammenhangslos im Brottext, was natürlich verwirrend ist. Querverweise innerhalb des Buches verschwinden leider ebenso wie markierte Stichworte und damit das Stichwortverzeichnis. Witzigerweise tauchen externe Links des ursprünglich in Word importierten Ur-Epubs wieder auf, die ich im ODT nicht konsequent gelöscht habe…

Alternativen & Fazit

Aus dem Traum, auf Knopfdruck aus einem Writer-Dokument ein E-Buch zu zaubern, wird vorerst nichts. Es gibt eine Menge anderer Programme — besonders unter den Autorentools — die versprechen, alle Formate direkt zu unterstützen. Oft genannt werden Papyrus oder Jutoh. Ich habe sie nicht alle getestet, bin mir aber sicher, daß keines “perfekt” arbeitet. Du mußt dich (vorerst) also für die Primärfunktion entscheiden und bei anderen Formaten Abstriche machen.

Dabei muß man auch das Genre berücksichtigen: Romanautoren brauchen Unterstützung, was Charaktere und Handlungsorte angeht. Am Ende geht es dann um technisch einfach handhabbaren “reinen” Text. Ich schreibe Sachbücher und nutze deshalb intensiv interne und externe Verlinkungen/Verweise, Stichwörter, hierarchische Überschriften, Infokästen sowie Abbildungen, die elektronisch oder gedruckt sehr unterschiedlich umgesetzt werden müssen.

Bisher kann weder vom problemlosen Import eines E-Buches, noch von einem zufriedenstellenden Export über eine Textverarbeitung die Rede sein, wenn du sowohl elektronisch als auch gedruckt ein gutes Ergebnis erzielen möchtest. Beide Fälle habe ich nicht nur “angetestet”, sondern mit einem umfangreichen Projekt ernsthaft umgesetzt und jeweils bis zu einer Veröffentlichung erprobt. Zur Zeit pflege ich Korrekturen und Ergänzungen jeweils getrennt und von Hand ein. Ich “forsche” also weiter, wie man doppelte Arbeit vermeiden kann.

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