Lehrter Parkhaus — der Bauplatz. [vor 40 Jahren]

Du merkst, daß du über 30 bist, wenn du historische Ereignisse aus deinem eigenen Archiv bestücken kannst… Dieses Foto zeigt die Vorbereitung für den Bau des ersten Lehrter Parkhauses ab ca. 1980. Das genaue Datum weiß ich nicht, denn so etwas komfortables wie Exif-Daten gibt es damals nicht, erst recht nicht in der einfachen Kamera, die mir als Kind/Jugendlicher zur Verfügung steht. Ich bin darauf angewiesen, was ich mir auf der Negativtasche notiere — und später wieder richtig einsortiere (was bei einem hektischen Labortag nicht selten schiefgeht). Auch im “allwissenden” Netz finde ich bisher keine genauen Angaben, wann beispielsweise die alten Gebäude abgerissen und der Bauplatz “besenrein” übergeben wird. Ein Foto von der Grundsteinlegung folgt in einem weiteren Beitrag.

Bauplatz für erstes Lehrter Parkhaus.

Bauplatz fürs erste Lehrter Parkhaus.

Es ist ein schöner Streetfoto-Schnappschuß, der mehrere Bauarbeiter beim Aufbau der Absperrung vor Baubeginn zeigt. Sicherlich habe ich damals nicht darauf geachtet — oder mich möglicherweise sogar darüber geärgert — aber der ins Bild radelnde Radfahrer gibt der Szene den letzten Pfiff.

Der Ort

Es ist der Blick in die Poststraße von der Einmündung der heutigen Berliner Allee/Burgdorfer Straße aus, wo heute noch das Eckhaus mit dem (inzwischen geklauten?) alten Fritz auf dem Dach steht (Fußgängerampel). Ursprünglich gibt es dort ein Hotel/Kino(?), dahinter werden auch ein paar alte Wohnhäuser abgerissen, worum es ein großes Getöse gibt. Man erkennt im Mittelgrund das neue Hotel Alte Post (wo vorher tatsächlich das alte Postamt ist) sowie im Hintergrund Kaufhaus Wäsch bzw. heute “best labels” und weiter hinten das Hochhaus in der Mittelstraße. Am linken Bildrand ein Lädchen sowie den alten Tunnelzugang zum Bahnhof.

Die Kamera

Was man dem Foto im 2:3-Format nicht gleich ansieht ist, daß es sich gewissermaßen um einen Kontaktabzug handelt: Das Schwarzweißnegativ selbst liegt im Format 6 x 9 cm vor! Während heute jedes Kind mit dem “Telefon” fotografiert, bekomme ich als “Spielzeug” die Agfa Fotobox von meiner Mutter. Die verwendet 120er Rollfilm, wohl nicht zuletzt deshalb, weil so einfach herzustellende Kontaktabzüge schon ein passables Fotoformat von 6 x 9 cm haben und man ohne aufwendigen Vergrößerungsapparat auskommt. Die Kamera hat jeweils für Hoch- oder Querformat einen eigenen Sucher, zwei Blendenstufen und einen zuschaltbaren Gelbfilter.

Da ich so ein großes Negativformat nicht mit meinem Durchlichtscanner digitalisieren kann, greife ich auf KISS zurück, halte es möglichst einfach (keep it simple short): Ich klebe das Negativ vorsichtig auf eine sehr helle Tageslichtlampe und fotografiere es ab, sogar frei Hand und ohne Makroausrüstung. Die Unschärfen am Rand sind Original von der Einfachlinse der AGFA-Box.

Und immer wieder muß ich betonen, wie wichtig solche alltäglichen Aufnahmen für unsere Kultur sind! Viel wichtiger als der ganze Promischeiß. Schade, daß man heutzutage dabei oft behindert wird.

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