Laserdrucker für 29 Euro — geht das ohne Haken und Ösen?

Ich bin seit Jahrzehnten ein Fan von Laserdruckern. Da springt mir doch der Draht aus der Mütze, wenn ich sehe, daß Comtech gerade einen Laserdrucker für 29,90 Euro anbietet.

Laserdrucker Ricoh SP 211 für 29 Euro. (Quelle: Comtech)

Laserdrucker Ricoh SP 211 für 29 Euro.
(Quelle: Comtech, 15.5.2015)

Ricoh SF 211. Taugt der was? Wo ist da der Haken? Stichworte: Toner, Trommel, GDI, …

Während man in den 1990er nicht nur zu Hause, sondern auch in den meisten Büros noch auf den Nadeldrucker wartet, fällt Blatt um Blatt meiner Examensarbeit in den Ausgabeschacht — schnell, in bester Qualität, aber bei Anschaffungskosten um die 1.000 Euro.

Preise im niedrigen zweistelligen Bereich kennt man vom Discounter. Meist handelt es sich jedoch um Tintenstrahler, die zwei gravierende Nachteile haben: 1) Die niedrigen Gerätepreise werden durch überproportionale Kosten bei Verbrauchsmaterialien — der Tinte — refinanziert. Gleichzeitig wird versucht, mit zweifelhaften Patenten Drittanbieter auszusperren, was mal “gut” und mal weniger gut gelingt. Manche Farbpatrone gibt es nur in Kombination mit einem integrierten Druckkopf. 2) Gerade bei wenig Durchsatz kann Tinte eintrocknen, zumindest im Druckkopf selbst. Die automatische Selbstreinigung verbraucht in der Regel ebenfalls Tinte (ohne zu drucken). — Das Schnäppchen kann also so oder so teuer werden…

Beim Laser spielt Herumstehen praktisch keine Rolle (sofern man ihn nicht komplett einstauben läßt). Bei den Verbrauchsmaterialien gibt es aber ebenfalls “dirty tricks”: Bei der Erstausstattung werden nicht selten kleinere (z. T. extra für Neugeräte) Kartuschen mitgeliefert und es gibt Laserdrucker, wo Tonerkartusche und Belichtungseinheit fest miteinander kombiniert sind — und es teuer macht. Gerade preiswerte Modelle lagern außerdem Intelligenz an den PC aus und sparen so selbst RAM und CPU.

Kommen wir mit diesen Hintergrundinfos auf das Schnäppchen für 29 Euro zurück. Irgendwo muß der Preis ja herkommen — man kann es sich schon denken wie.. Sofern ich das Datenblatt richtig verstanden habe, nutz man alle Kostspielige Konstruktion aus Toner und Trommel. (Quelle: Amazon a. a. O.)Stellschrauben: (alle Angaben ohne Gewähr!):

Kostspielige Konstruktion aus Toner und Trommel.
(Quelle: Amazon a. a. O.)

  • Toner und Belichtungseinheit müssen zusammen getauscht werden. Es gibt ein “Starter-Kit” für 700 Drucke, die “normale” Kartusche soll für 1.500 Seiten reichen. Das macht den Toner unnötig teuer, so kostet beispielsweise ein Set vom Drittanbieter schon rund 50 Euro — ist also doppelt so teuer wie das Schnäppchen selbst oder etwa dem normalen Anschaffungspreis entsprechend (bei Amazon z. Zt. ca 50 Euro).
  • Es handelt sich um einen sog. GDI-Drucker. Das wurde mal als “ganz tolle Technik” bejubelt. In Wirklichkeit wird Drucktechnik in den Computer ausgelagert, was m. W. nicht nur der Geschwindigkeit abträglich ist: Ohne den exakt passenden Treiber, läuft dann nämlich nichts. In der Praxis heißt das: Bei Windows kaum Probleme, K. O. bei Linux und Mac OS (siehe auch Beschreibung bei Comtech).
  • kein USB-Kabel — auch wenn es nur ein paar Euro sind…

Das Gerät ist also nur in einem ganz speziellen Umfeld wirklich ein Schnäppchen (wobei wir über Qualität usw. noch gar nicht gesprochen haben). Es ist aber nicht das einziger dieser Art und Preisklasse. Als Alternative bietet sich beispielsweise der Brother HL-1112 an: Bei Brother sind Toner und Trommel getrennt erhältlich. (Quelle: Brother Homepage)Er ist bei Amazon für zur Zeit knapp 60 Euro zu haben.

Bei Brother sind Toner und Trommel getrennt erhältlich.
(Quelle: Brother Homepage)

Das Datenblatt weist ihn allerdings ebenfalls als GDI-Modell aus (Treiber nur für Windows, obwohl auf der Produktseite auch ein Linux-Logo prangt), ein USB-Kabel kostet wohl auch extra. Aber: Wenn der Neugeräte-Toner für 700 Seiten schlapp macht, kann man ihn separat nachladen (beim Drittanbieter an ca. 13 Euro) — denn für die separate Trommel wird nämlich eine Lebensdauer von 10.000 Seiten angegeben.

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