Kindle kann mehr: Korrespondenz, Konzepte und Webartikel bequem lesen.

Kindle E-Book-Reader

Kindle E-Book-Reader.

Ein E-Book-Reader ist für E-Books — ja, auch… Wie so oft geht man bei Amazon mit dem Kindle einen Schritt weiter, denn du kannst auch persönliche Dokumente auf dem Gerät lesen. Dabei bist du nicht auf das spezielle E-Buch-Format festgelegt:

  • MOBI und AZW (Kindle E-Buch)
  • DOC bzw. DOCX (Microsoft Word)
  • HTML (Website)
  • RTF (rich text format)
  • TXT (reiner Text)
  • JPG (Bild)
  • GIF (Bild)
  • PNG (Bild)
  • BMP (Bild)
  • PDF (portable document format)

Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Dokumente auf das Gerät gelangen können und welche tollen Vorteile darin verborgen liegen…

Wie immer, wenn es um E-Bücher geht, ein wichtiger Hinweis: PDF ist kein E-Buch, bestenfalls ein Behelf. Der Kindle kann zwar ein PDF darstellen, doch da diese meist auf DIN A4 angelegt sind, werden sie entsprechend verkleinert seitenweise komplett angezeigt. Nutzt du dann die Zoom-Funktion, wird nicht die Schrift, sondern das gesamte Dokument vergrößert, so daß du es hin und her schieben mußt — Lesen macht so keinen Spaß. Wenn du beim Download von Dokumenten die Wahl hast, bevorzuge MOBI (AZW) oder EPUB.

Da inzwischen auch die kostenlose Kindle-Software per E-Mail erreichbar ist, kannst du diese Tipps auch ohne “echten” Kindle einsetzen, beispielsweise mit einem Tablett-PC (Voraussetzung ist natürlich ein Konto bei Amazon). Der Fire zählt natürlich auch als Kindle

Wenn du Inhalte per E-Mail auf dem Kindle empfangen möchtest, mußt du im Backend eine Positivliste von autorisierten Absendern angeben, damit Fremde dich nicht mit unerwünschten Dokumenten bombardieren können. Leider kannst du dies nicht vorweg konfigurieren, sondern mußt beim Experimentieren immer wieder mal dran denken die Liste zu ergänzen. Außerdem solltest du Adresse free.kindle.com bevorzugen, da dann keine 3G-Gebühren anfallen.

1. E-Mail

Da jeder Kindle über eine eigene E-Mail-Adresse verfügt, ist dies der einfachste Weg, eigene Dokumente auf den Kindle zu bekommen: Einfach das gewünschte Dokument an eine Nachricht an das eigene Gerät hängen und los geht’s. Dabei kannst du auch mehrere Dokumente gleichzeitig und sogar als ZIP-Archiv versenden, sofern du unter 50 Megabyte bleibst.

  • Es dürfen maximal 25 Dateien auf einmal geschickt werden.
  • Dateien bis 5 Megabyte werden i. d. R. innerhalb von 5 Minuten zugestellt.
  • Dateien dürfen maximal 50 Megabyte groß sein (ohne Komprimierung)
  • maximal an 15 Empfänger

Für kleine Arbeitsgruppen interessant: Ein Dokument kann auf diesem Weg auch an mehrere Empfänger gleichzeitig gesandt werden.

Tipp: Da PDF kein echtes E-Buch ist, kannst du einen Trick anwenden: Schreibe convert (ohne Anführungszeichen) in den Betreff der E-Mail. Je nach Komplexität des Dokuments gelingt eine automatische Umwandlung in ein echtes E-Buch, das alle gewohnten Funktionen bietet.

Wenn der empfangende Kindle nicht sofort erreichbar ist, versucht Amazon 60 Tage lang die Dokumente zuzustellen.

2. USB

Ist USB eine einfache oder “komplizierte” Möglichkeit, Dokumente auf den Kindle zu bekommen? Da sich der Kindle als “Massenspeicher” anmeldet, kannst du Dokumente direkt auf das Gerät in den Ordner “documents” kopieren.

Hinweis: Wenn im Hintergrund ein anderes Tool gleichzeitig auf das Gerät zugreift, kann es hakelig werden (z. B. es reicht, wenn Calibre gestartet ist).

Handelt es sich um sehr viele Bücher im richtigen Format, ist das “Rüberkopieren” einfach und schnell. Aber man muß am Computer sitzen und das richtige Kabel parat haben. Im Gegensatz zu anderen mobilen Geräten bist du aber nicht auf eine spezielle Software angewiesen, die deine Bücher ungefragt in die Cloud überträgt. Wenn du auch sonst skeptisch bist, kommst du sogar ohne Amazon-Account oder WLAN aus.

3. Send to Kindle

Eine zweite Möglichkeit bietet Amazon mit dem Tool “Send to Kindle” (z. Zt. nur englisch): Über das Kontext-Menü reicht ein Klick, um ein Dokument auf den E-Reader zu schicken. Hier kannst du zwar nicht beliebige Empfänger angeben, aber mehrere Geräte, die mit deinem Account verknüpft sind.

Mit Send to Kindle Dokumente diret aufs Gerät.

Mit “Send to Kindle” Dokumente direkt aufs Gerät.

In den Einstellungen muß dazu einmalig der Zugang hinterlegt werden. Außerdem solltest du die Funktion “Convert PDF documents to Kindle format” aktivieren, was den Lesekomfort deutlich verbessern kann. Empfehlenswert ist außerdem, “Archive documents in your Kindle Library” zu deaktivieren (oder sehr sparsam zu verwenden), da dir sonst schnell das Archiv zugemüllt wird — und das Backend myKindle ist leider noch immer primitiv, so daß das Löschen Hunderter veralteter Dokumente leider in eine Klickorgie ausartet.

Für Google Chrome und Firefox bietet Send to Kindle via Plugin noch eine weitere Funktion: Du kannst Webseiten auf den Kindle schicken. — Solche Plugins für den Browser erfüllen meist zwei wesentliche Funktionen:

  1. Weblayout konvertieren und bis zu einem gewissen Grad von “Spam” säubern
  2. Versand auf den Kindle-Account (der es auf das Gerät weiter leitet)

Wozu soll das gut sein? Natürlich nicht für den Einkauf im Webshop, aber sehr nützlich, wenn du einen langen Text gefunden hast, für den du jetzt gerade keine Zeit hast oder den du einfach nicht am Bildschirm lesen möchtest. Im Ergebnis hast du ein Dokument, auf das du alle Kindle-Funktionen anwenden kannst, z. B. Schriftgröße oder Notizen.

Push to Kindle, PastePad, Later on Kindle, Readability

Wenn dir Send to Kindle nicht gefällt oder für dein Gerät nicht verfügbar ist, gibt es eine Menge ähnlicher Tools, beispielsweise Push to Kindle via fivefilters. Dieses Tool gibt es für Chrome, Firefox, Safari, Opera, Android, iPhone, Fire und sogar Windows Phone. Bevor es das Dokument abschickt, gibt es eine kleine Vorschau — und den “Preis” für das Angebot, ein bißchen Werbung im Bedienformular.

FiveFilters bietet darüber hinaus noch einen weiteren Dienst: PastePad ist ein Text-Eingabeformular über das du einen freien Text an den Kindle senden kannst: Kurz wie eine E-Mail oder per copy & paste auch lange Passagen (alternativ Download als PDF oder EPUB). Natürlich sollte man über so ein Formular keine vertraulichen Inhalte versenden, da es prinzipiell im Netzwerk abgehört werden kann (die Warnung ist etwas mißverständlich übertrieben).

Webseite als persönliches Dokument.

Webseite als persönliches Dokument.

Weitere Anbieter sind beispielsweise Later on Kindle oder Readbility. Neben dem simplem Klick auf den bequemen Sessel stehen auch Tastenkürzel zur Verfügung — standardmäßig [Shift][Strg][K] fürs Beamen auf den Kindle.

4. Calibre

Calibre ist vielen Benutzern zur Verwaltung und Konvertierung von eBooks vertraut und ist inzwischen in der Version 2.56, für Windows 7, 8 und 10 sowie Linux und Mac OS verfügbar. Allerdings wird hier und dort etwas drangestrickt und auch Plugins sind möglich, so daß manche interessante Funktion übersehen wird.

Calibre kombiniert Nachrichten zu einer Zeitung.

Calibre kombiniert Nachrichten zu einer Zeitung.

Neben E-Books bietet Amazon für den Kindle auch ein spezielles Zeitungs- und Zeitschriften-Format. Trotz aller Begeisterung will ich aber eine komplette Tageszeitung nicht auf einem 6-Zoll-Display lesen (auch nicht mit 10 Zoll). Aber Calibre bietet unter “Nachrichten abrufen” eine interessante Funktion: Dort werden frei zugängliche RSS-Feeds zu “Zeitungen” zusammengestellt und an deinen Kindle übermittelt (kann ggf. aber auch direkt in Calibre gelesen werden).

Es gibt eine sehr lange Liste vorkonfigurierter Zeitungen und Fachzeitschriften aus aller Welt, leider auch mit sehr unterschiedlicher Qualität und Quantität: Manche Zeitung liefert vollständige Texte, andere nur Teaser. Das muß man ausprobieren oder durch eigene Feeds ergänzen. Neben “kostenlos” hat das den mega Vorteil, daß du so auf einfache Weise auch auf fremdsprachige Texte zurückgreifen kannst: Englisch für die große weite Welt, Französisch etwas aufpolieren und für meine Freundin “extravagantes” Bulgarisch — schön, daß der Kindle auch mit kyrillisch klarkommt.

Kindle4rss & Send to Reader

Um RSS-Feeds an den Kindle senden zu können, muß Calibre auf einem Computer laufen, was unpraktisch ist. Alternativ kann man auf einen Online-Dienst zurückgreifen, wie beispielsweise Kindle4rss.

Feeds auf den Kindle senden.

Feeds auf den Kindle senden.

Dieser Dienst sammelt ebenfalls RSS-Feeds ein und sendet sie auf den Kindle. Die Feeds kannst — mußt — du selbst einkopieren oder aus “popular feeds” übernehmen. In der kostenlosen Version bist du auf 12 Feeds je 25 Beiträgen begrenzt — leider ist der automatische Versand nur in der kostenpflichtigen “Pro”-Version verfügbar, sonst mußt du leider einen “send”-Button klicken. Pro bietet dann auch 300 Feeds mit unbegrenzten Nachrichten, kostet aber rund 2 US-Dollar/Monat. Außerdem kannst du bei Pro Listen von Feeds importieren, sonst nur exportieren. Wichtig ist das Häkchen bei “don’t archive issues”, sonst läuft dein Archiv in myKindle schnell zu.

Lange Zeit nutze ich Send to Reader bis es komplett kostenpflichtig ist (6 US$/Monat) — jetzt gibt es wieder einen “free”-Account. Leider gehört auch dort die Funktion “Create periodical newspapers from any RSS feed” noch immer zum kostenpflichtigen Part. Dafür kannst du “Curate & share any number of public magazines” kostenlos nutzen. Auch bei IFTTT gibt es ein paar Skripte, um den den Kindle mit Lesestoff zu versorgen.

Fazit

Die E-Mail-Schnittstelle verbunden mit den Tools erlaubt eine vielfältige Nutzung des Kindles über das reine Bücherlesen hinaus. Ich nutze ihn etwa 50/50 für Bücher und eigene Dokumente.

Comments

comments

Leave a Reply

Your email address will not be published.