Kindle: Jailbreak & Co.

Ich habe gerade einen Kindle Keyboard zur privaten Nutzung angeschafft. Nach einer Schamfrist von 3 Monaten Wochen Tagen ist es nun soweit: Da traue ich mich, was ich bei Teststellungen natürlich nicht mache: Wie gut funktioniert ein sog. Jailbreak, um ärgerliche Kindle KeyboardEinschränkungen loszuwerden oder sogar Möglichkeiten zu erweitern?

Kindle Keyboard

Man kennt es vielleicht von den Knebelverträgen rund ums Apple iPhone , wo man zwar viel Geld ausgeben muß, aber hinterher trotzdem nicht Herr im Hause ist. Auch die Kindle-Geräte unterliegen einigen Einschränkungen:

  • den Kindle Keyboard gibt es ausschließlich mit englischer Menüführung
  • Kindle Keyboard und Touch: Sperrung der Text-to-Speech-Funktionen für deutsche Texte
  • fest vorgegebene Bilder im Bildschirmschoner bei allen Modellen

Mit einem Jailbreak — “Gefängnisausbruch” — Rooting oder Firmwarehack versucht man solche Einschränkungen aufzuheben. Ein bißchen kommt man sich dabei wie Max und Moritz vor, die durch den Schornstein nach Hähnchen auf dem Herd in der Küche angeln: Offizielle Unterlagen gibt es meist nicht, wenn man etwas ändern möchte, geht es oft nur von hinten durch die Brust ins Auge. Allerdings basiert die Kindle-Software auf Linux und weil die Nutzung eine Veröffentlichung bedingt, findet man den Source Code für alle Kindles ganz offiziell auf der Amazon-Seite “Source Code Notice ” zum Download. Für Leute, die sich auskennen, ist dies sicherlich ein guter Anfang. Da spielen sich Unzufriedenheit und Experimentiergeist zu.


Hinweis: Diese Informationen dienen Forschungs-, Lehr- und Experimentierzwecken. Verwendung auf eigene Gefahr, insb. hinsichtlich Garantieverlust u. ä. sowie ohne rechtliche Gewähr für Lizenz- oder urheberrechtliche Aspekte.

Wenn man kein Software-Experte ist, muß man eben “how to”-Skripte studieren. Solche “Jailbreaks” gibt es für praktisch alle Kindle-Modelle — sogar die neuen Fire. Dieser exemplarische Workshop bezieht sich allerdings primär auf den Kindle 3 aka Keyboard (vieles dürfte sich aber auch auf den “neuen Kindle” aka Kindle 4 realisieren lassen, bei Anleitungen bitte genau hinsehen ).

Voraussetzung ist ein Jailbreak

Die aktuelle offizielle Firmware-Version für den Kindle Keyboard ist die 3.4 (Amazon Deutschland). Von der 3.3 kann man direkt updaten, von älteren Versionen sukzessive erst auf 3.1, von 3.1/3.2 auf 3.3.

Es gibt mehrere Ansätze: Umfangreich ist DuoKan, das quasi als eigenes OS speziell EPUB direkt zugänglich machen will. Man kann es parallel installieren und beim Booten auswählen. Der andere Weg öffnet als Jailbreak das Gerät für Neuerungen, während es im Großen und Ganzen unverändert bleibt — darum geht es hier.

Über den Beitrag “How to install the Jailbreak Hack” finde ich die notwendigen Dateien. Es ist immer ein ganzes Archiv mit allen möglichen Varianten (zur Zeit beispielsweise kindle-jailbreak-0.11.N.zip). Dort muß man sich an Hand der Seriennummer die passende Datei für das Gerät heraussuchen. Dabei geht es weniger um die Nummer an sich, als um die Identifizierung der Baureihe als solche — beim Kindle Keyboard läuft es in Deutschland meist auf zwei Varianten hinaus (neben Geräteaufkleber usw. auf via Tastenkombination ALT + Umschalt + . [Punkt] abrufbar):

  • mit Wifi: B008… -> Hack mit Kennung k3w
  • mit 3G: B00A… -> Hack mit Kennung k3g

Aus o. g. Archiv verwende ich dann update_jailbreak_0.11.N_k3w_install.bin für einen deutschen Kindle 3 WiFi (Achtung, besonders auf Geräte mit Firmware-Version älter als 3.2.x achten). Sie wird einfach in das Wurzelverzeichnis des Kindle gelegt und dann über “Settings | Update your Kindle” eingespielt. Wenn alles geklappt hat, verschwindet diese Datei und es erscheint dafür ein neuer Ordner “jailbreak”. Damit ist die Sache prinzipiell erledigt — allerdings hat sich auch im Verhalten des Kindle noch nichts geändert.

Deutsche Menüs für Kindle

Eigentlich habe ich mit englischsprachigen Menüs keine Probleme, aber wenn man mit mehreren Geräten arbeitet, irritieren die unterschiedlichen Bezeichnungen manchmal doch. Während man aktuelle Geräte der 4. Generation auf diverse Sprachen umstellen kann, ist für den Kindle Keyboard z. Zt. nicht damit zu rechnen — trotzdem schließt Amazon bisher eine offizielle Sprachanpassung aus, auch beim kürzlich erfolgten Update auf 3.4 hat sich daran nichts geändert. Deshalb scheint man — zumindest inoffiziell — nichts gegen ein entsprechendes “homebrew” zu haben, über das sogar im offiziellen Kindle-Forum diskutiert wird. Mit Hilfe einer speziellen Anpassungsdatei kann man die Menüs auf Deutsch umstellen. Bekannter Bug: Unter Umständen werden die “parental controls” ausgeschaltet oder die “Home”-Taste(?) funktioniert nicht. — Bitte in o. g. Quellen vorher genau nachlesen! (Vielleicht folgt später ein kleiner Workshop dazu.)

Eigene Bilder für Screensaver

Man muß sich erstmal daran gewöhnen, daß auch ein ausgeschalteter E-Ink-Kindle ein Bild anzeigt. Allerdings sind die “dead people” auf Dauer langweilig, vor allem wenn man selbst schöne Fotos macht. Mit Hilfe eines eigenen “Updates” kann man eigene Bilder in das System einspielen. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte man die Bilder entsprechend bearbeiten. Die grundlegenden Informationen findet man bei MobileRead in dem ausführlichen Thread — demnächst hier auch einen kleinen Workshop dazu.

Spiele als Osterei

Wer sich nicht ans System herantraut, freut sich vielleicht über ein sogenanntes Osterei: Eine Runde Minesweeper auf dem KindleIm Kindle Keyboard sind zwei kleine Spiele versteckt: Minesweeper und GoKoku.

Eine Runde Minesweeper auf dem Kindle

Minesweeper kennt man vllt. von Windows, wo es darum geht unbeschadet ein Minenfeld zu räumen. GoKoku erinnert an “tic tac toe” oder “Vier gewinnt”, hier müssen fünf X bzw. O in eine Reihe gebracht werden.

Über die Tastenkombination “Umschalt + Alt + G” startet man ins Spielvergnügen. Von da aus gelangt man über “G” zum zweiten Spiel bzw. mit “M” wieder zurück. — Schöne Überraschung, denn die angekündigten Kindle-Apps sind (im alten Europa) nicht verfügbar.

Preferences

Manche Dinge kann man auch mit einem kleinen “Hack” lösen: Wer sich über fest eingestellten Blocksatz ärgert, kann ihn normalerweise auch im Schriften-Menü nicht ändern. Über das Calibre-Plugin “Kindle Collections” kann man die Auswahl auf “Links” (Flattersatz) oder “Vollständig” (Blocksatz) erweitern. Dahinter steckt im Grunde genommen nur die Änderung einer versteckten “pref”-Datei in der man noch andere Vorgaben anpassen kann, z. B. Breite des Randes.

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