(K)eine Milchmädchenrechnung — wie man sich eine Fotoausrüstung zusammenstellt

Wer sich heutzutage hobbymäßig oder (semi-) professionell mit Fotografie beschäftigt, muß etwas anders kalkulieren als beim Kauf einer analogen Schnappschußkamera. Neben “der Kamera” fallen noch eine Menge “Nebenkosten” an, die unerwartete Ausgaben oder unerfreuliche Kompromisse bedeuten.

Wie stellt man sich die richtige Fotoausrüstung zusammen?

Wie stellt man sich die richtige Fotoausrüstung zusammen?

Immer wieder beobachte ich, daß beim Einstieg in das Fotohobby bzw. Anschaffung einer Kameraausrüstung fast das ganze Budget in ein möglichst neues und prestigeträchtiges Gehäuse fließt. Doch bei Berücksichtigung der gesamten Bearbeitungskette fallen noch eine Menge Kosten an, die man keinesfalls vernachlässigen sollte. — Hier meine Checkliste:

  • Wenn wir von einer Spiegelreflexkamera reden, gibt es zur Zeit in den wesentlichen Dingen keine wirklich schlechte Kamera, es gibt nur eine Menge unterschiedlicher Modelle. Deshalb sollte man das Gehäuse (Body) auch nicht nach langen Featurelisten auswählen, bei denen es sich nicht selten um “prestigeträchtiges” Klickibunti handelt, das oft gar nichts mit guten Fotos zu tun hat. In vielen Fällen kann man mit einem Einstiegsmodell, dem Vorjahresmodell oder einer gebrauchten Kamera eine Menge Geld sparen, das man besser in einen der folgenden Punkte investiert. — Und nicht vergessen: Von dem ganzen hier genannten Equipment verliert der Body am schnellsten an Wert, seit die großen Anbieter fast jährlich ein Nachfolgemodell präsentieren.
  • Gerade Einsteiger kaufen Objektive gern im Set, weil sie ganz zu Anfang noch gar nicht einschätzen können, was für ihre Art zu fotografieren das “richtige” ist. Je nach Vorkenntnissen sollte man aber auch in Betracht ziehen, Body und Optik getrennt anzuschaffen. Damit meine ich allerdings nicht eine Sammlung an “Gummilinsen” (Zoomobjektive), sondern im Sinne einer bewußten fotografischen Arbeit eventuell auch eine hochwertige Festbrennweite. — Und: Von dem ganzen hier genannten Equipment sind gute Objektive am wertstabilsten, beliebte Modelle kann man u. U. zum Einstandspreis wieder verkaufen.
  • Gern übersehen wird Zubehör wie eine oder zwei Speicherkarten (es müssen nicht die größten und schnellsten sein) sowie mindestens ein Reserve-Akku und die Backup-Festplatte für die Bilder. In Anbetracht der horrenden Preise für Systemblitzgeräte halte ich diese erstmal für entbehrlich, vor allem wenn die Kamera einen kleinen Aufklappblitz hat. Außerdem arbeiten auch Geräte mit simpler X-Synchronisierung wunderbar und man kann die Wirkung über das Kameradisplay gut kontrollieren.
  • Während zu analogen Zeiten das Fotolabor — engl. “Darkroom” — eher die Ausnahme ist, ist das elektronische Pendant zumindest für den engagierten digitalen Amateur heute selbstverständlich — die damit verbundenen Kosten werden aber selten berücksichtigt. Man muß zwar nicht extra einen Highend-Rechner anschaffen, aber der vorhandene sollte nicht aus dem letzten Loch pfeifen. Statt einer teueren CPU bringt eine Speicheraufrüstung meist mehr.
  • In dieser Liste sehr oft vernachlässigt wird der Monitor. Viele achten nur auf die Größe, bei einem hochintegrierten “all in one”-Computer hat man oft gar keine Wahl. Da man gerade beim “Entwickeln” vieles nach Sicht einstellt, sollte man auch auf die Art und Qualität der Farbdarstellung und ggf. Kalibrierung achten. Ich verwende einen Monitor mit IPS-Panel und LED-Beleuchtung.
  • Und dann ist da natürlich die Software. Natürlich kann man mit Freeware und preiswerten Programmen schon viel erreichen und ist für den Gelegenheitsnutzer oft ausreichend. Doch solche Nischenprodukte habe meist den Nachteil, daß es keine Fachliteratur gibt und auch der Austausch mit anderen Nutzern wegfällt. Als zentrale Software ist Lightroom m. E. sein Geld Wert, für Spezialaufgaben kann man allerdings auch auf Nischenprodukte setzen.
  • Leider wird auch gekaufte Software von Markenherstellern nur noch selten mit einem echten Handbuch ausgestattet, meistens ist es eine leseunfreundliche PDF-Datei, die nur aus Pflichterfüllungsgründen beigelegt ist. Deshalb fallen auch Kosten für Fachliteratur an — zum Glück kann man inzwischen mit einem E-Book preisgünstig einsteigen.
  • Ganz unbeliebt ist es, Geld für Kurse auszugeben — wo man doch schon soviel für das Gehäuse investiert hat… Kurse oder wenigstens offene Interessensgruppen wie sie sich über das Internet zusammenfinden, können das “aha”-Erlebnis fördern (zum Beispiel Foto-Community oder Kelby Photowalk).

So, und jetzt schaue dir nochmal diese ganze Liste an, bevor du dein Geld ausgibst. Wer sich ernsthaft mit Fotografie auseinandersetzen möchte, sollte von seinem Budget auch Ausgaben für die zweite Hälfte dieser Auflistung einplanen. Ungeachtet dessen, bleibt einem das Lernen und Ausprobieren — sogenanntes Lehrgeld — trotzdem nicht erspart, aber beim Fotohobby ist ja eigentlich auch der Weg das Ziel.

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