Kann man RAW komprimieren?

Auch ambitionierte Amateure fotografieren fast nur noch digital, Milliarden von Bildern lagern auf immer größeren Festplatten — wo man sie mit einem Klick oder durch einen Hardwareschaden von einer Sekunde zur nächsten verlieren kann. Foto als RAW mit 20 MegabyteDabei wird einem bewußt, um wieviel robuster so ein analoges Negativ ist und wie wichtig eine Sicherungskopie.

Foto als RAW mit rund 20 Megabyte

Als wir uns neulich über die “richtige” Backup-Strategie unterhalten, stellt sich auch die Frage: Kann man RAW noch komprimieren bzw. lohnt sich das? Das wird interessant, wenn man Daten nicht mehr lokal, sondern in der Cloud speichern möchte. Dabei spielt die Dateigröße sowohl bei einem noch immer recht langsamen Upload eine Rolle als auch beim zusätzlichen Verschlüsseln. Für mich ist — gefühlsmäßig — eigentlich klar, daß es nichts bringt, ein technisch versierter Fotofreund bringt aber gute Gegenargumente. Also überprüfen wir das…

Ohne mir allzu viele Gedanken über die Theorie zu machen, probiere ich es heute einfach aus. Schon bei der Auswahl meines Testbildes stoße ich auf eine kleine Überraschung: Die RAW-Dateien sind nicht wie erwartet alle gleich groß, es gibt Schwankungen von etwa ±1 Megabyte. Wie kann das bei einem unbearbeiteten Foto sein, wenn in der Datei doch nur die Rohdaten des Sensors gespeichert werden sollen?

Es werden eben nicht nur die Sensordaten gespeichert, sondern viele Zusatzinformationen. Dazu gehört beispielsweise ein eingebettetes gar nicht mal so kleines JPG als Vorschaubild für das Display der Kamera und den Dateimanager. Dieses unterliegt je nach Motiv einem unterschiedlichen Komprimierungserfolg und somit schwankender Dateigröße. Dazu kommen natürlich noch eine Menge Exif-Daten, auch wenn sie bei dieser Dateigröße wohl eher eine theoretische Größe darstellen.

Ungeachtet dessen teste ich unterschiedliche Komprimierungen. Ich verwende dabei TUGzip, das sich ins Kontextmenü integriert und eine Vielzahl an Formaten unterstützt.

 

Format Größe (Byte) Differenz Ersparnis %
raw (cr2) 20.941.356 0 0,00
zip 20.639.700 301.656 1,46
7z 20.589.934 351.422 1,71
lzh 20.643.661 297.695 1,44
dng 17.462.376 3.478.980 19,92
jpg (100) 7.747.199 13.194.157 170,31
jpg (80) 1.407.663 19.533.693 1.387,67
jpg (45) 597.149 20.344.207 3.406,89

Wie vermutet bringt die verlustfreie Komprimierung zu zip, 7z, oder lzh praktisch nichts (geringe Einsparung möglicherweise auf Grund o. g. JPGs und Exif-Daten). Alternativ probiere ich darüber hinaus dng aus, das Adobe ja gern als raw-Standard etablieren möchte. Ich exportiere es ohne besondere Einstellungen aus Lightroom. Die Datei ist knapp 20 Prozent kleiner, wobei mir allerdings nicht klar ist, wie dieses “Wunder” zu Stande kommt. Nur durch Weglassen kameraspezifischer Informationen (welcher AF-Sensor war aktiv?) geht das wohl nicht. Im Gegenteil, es gibt ja noch die Option zusätzlich das Original RAW einzubetten. Auf der anderen Seite bietet Canon in den Kameraeinstellungen kleinere RAW-Formate an, die ich allerdings nicht weiter in Erwägung ziehe, da sie mit Sicherheit verlustbehaftet sind (vermutlich besonders in Sachen Auflösung).

Fazit: Komprimierung mit typischen Archiv-Programmen lohnt sich nicht. Wenn man der Adobe-Behauptung vertraut, daß DNG alles wesentlich aus RAW enthält, kann man damit gut 20 Prozent einsparen (ein neues Format ist angekündigt). Ansonsten bleibt nur JPG, was aber als Archiv nicht taugt. — An anderer Stelle “erforsche” ich weitere Backup-Möglichkeiten, ob sich beispielsweise neben einer gespiegelten Festplatte ein Bluray-Brenner lohnt, um das Archiv auf zwei unterschiedliche “Risiken” und Orte verteilen zu können.

[Kommentar] Mit dem Wechsel zu RAW — zumindest in meiner Spiegelreflex — entscheide ich mich bewußt für ein größeres Dateiformat. Den Geschwindigkeitsnachteil(!) in der Kamera kompensiere ich weitgehend durch eine UDMA-fähige Speicherkarte, zumal ich gar nicht so viele Serienbilder am Stück mache. Auf der Festplatte spielt die Größe praktisch keine Rolle, wenn es sich auch ganz schön zusammenläppert — aber gerade ist eine 3-TB-Platte für 100 Euro im Angebot. Lediglich beim Backup auf einen Online-Speicher und einer Verschlüsselung, spielt die Größe eine signifikante Rolle. Da eine Größeneinsparung z. Zt. aber nur zu Lasten der Bildqualität geht, steht dies nicht zur Debatte. Das würde RAW ad absurdum führen.

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