Industar-50-2: Pfannkuchen-Objektiv für dSLR (Pancake)

Da will sich ein Freund doch glatt ein be*** Canon ST-M 40-mm-Objektiv für fast 300 Euro anschaffen, nur weil es etwas kleiner als sein Standard 50er ist (Preisempfehlung!).

Größenvergleich Canon EF 50 mm vs. Industar 50-2.

Größenvergleich Canon EF 50/1,8 mm vs. Industar 50-2/3,5.

Mal abgesehen davon, daß für etwa das selbe Geld die ideale Ergänzung das ganz hervorragende 35er/2,0 wäre (Leistungsempfehlung! Vorsicht, Nachfolger ist fast doppelt so teuer). Klein ist etwas anderes… Pancake ist doch was für Luschen — hier ist die russische Antwort darauf: das Industar-50-2.

Technische Daten

Das Objektiv hat schätzungsweise 40 Jahre auf dem Buckel. Es hat eine Bauhöhe von ca. 2 cm und wiegt ca. 70 Gramm. Abgeleitet vom Zeiss Tessar Industar-50-2 -- Vollformat mit 50 mm Brennweite.(vier Linsen in drei Gruppen) und ursprünglich für M39 (Industar 50) entwickelt (Leica M und Voigtländer Bessa lassen grüßen) gibt es auch eine M42-Variante (Industar 50-2).Hergestellt von KMZ (Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod) seit 1959, wobei es als Industar noch weitere Objektive gibt.

Industar-50-2 — Vollformat mit 50 mm Brennweite.

Dank M42-Anschluß ist das hier nicht nur ein Canon-Thema, sondern für alle Kameras interessant, die einen brauchbaren Adapter bieten (Achtung, Linsen fahren hinter/vor die Fassung zurück). Je nach Zustand und Einkaufsglück bekommt man es um die 20 Euro.

Praxistest

Beim Auspacken denke ich zunächst, daß ich versehentlich ein anderes Objektiv bekommen habe. Unglaublich wie klein ein M42-Anschluß wirken kann — obwohl das ganze ein Vollformatobjektiv ist. An einer “fetten” dSLR wirkt es fast wie ein Spielzeug à la Holga Pinhole. Das Industar hat also berühmte Vorfahren bei Zeiss und nicht zuletzt deshalb gelten alte Objektive oft als WInzling an Canon EOS 50d.Geheimtipp. Leider läßt die russische Fertigungsqualität zu wünschen übrig und Jahrzehnte der Lagerung gehen meist auch nicht spurlos vorüber. Auch mein ursprünglich als “tadellos” gekauftes Objektiv muß neu gefettet werden, ist nun aber prima.

Winzling an Canon EOS 50d
(und hier ist die Optik schon auf 0,7 m ausgefahren).

Wie macht es sich nun an der Kamera? Ich freue mich, daß ich ein solides Gehäuse habe, das ich mit einer Hand halten kann. Man muß sich schon gut auf den Entfernungseinstellring konzentrieren und das Sucherbild beobachten, da es ja leider keine der alten Einstellhilfen bereitstellt (Schnittbild, Mikroprismen usw.). Leider liegt die kürzeste Einstellung bei nur 0,65 m, wobei man dann schon einmal fast ganz rum ist. Als kleine Hilfe nutze ich einen Adapter, der die Kontrolllämpchen des AF manuell aufleuchten läßt, wenn das Bild scharf eingestellt ist.

Eine richtige Herausforderung ist dann der Blendenring, der eher wie ein Rändelrad vor dem Objektiv sitzt. Er ist sehr klein, leichtgängig und ohne Rasten. Da es auch keine Springblende gibt, kann man es nur bei Arbeitsblende einstellen.

Bisher habe ich einige Schnappschüsse gemacht, keine (langweilige) Testreihe (Tests findet man u. a. zum Bokeh im Vergleich zu anderen alten Optiken.). Dabei funktioniert die Zeitautomatik bei Offenblende sehr gut, beim Abblenden auf f8 neigt sie (bei mir) zur Überbelichtung. Da muß man ausprobieren, was am besten paßt oder gleich manuell arbeiten. Durch die exponierte Lage der Frontlinse ist das Objektiv m. E. anfällig für Streulicht.

Klatschmohn mit Industar-50-2 aufgenommen.

Klatschmohn mit Industar-50-2 aufgenommen.

Trotz einiger Einschränkungen bin ich positiv über die Bildqualität überrascht, zumal ich wg. der Blendensteuerung vieles bei Offenblende mache. Schärfe, Kontrast, Farben — hängen natürlich auch von der Kamera und Entwicklung ab. Vielleicht kommt mir dabei zu Gute, daß ich mit APS C nur die Bildmitte nutze (ich habe aber auch ein paar analoge Bilder mit Vollformat gemacht — Film ist noch nicht voll…). So ein Objektiv kann begeistern, wenn man den Technikfetischismus satt hat. Inzwischen habe ich meine analoge Ausrüstung wieder hervorgeholt und liebäugele mit einer echten Meßsucherkamera (dann vielleicht mit der M39-Ausführung oder doch lieber ein Jupiter8).

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