Es ist gar nicht so einfach, einen Fernseher zu kaufen…

Da seit geraumer Zeit mein Fernseher kleiner als die meisten meiner Monitore ist, soll ein größeres Gerät her. Neben Fernsehen geht es dabei auch um den gemeinsamen “Dia-Abend” oder ggf. als Präsentationsfläche für Workshops. Ideal wäre eigentlich ein Beamer, der sich bei Nichtgebrauch ganz klein macht, doch Kosten und Nutzen lassen noch zu wünschen übrig und für die täglichen Nachrichten wäre er auch nicht wirklich geeignet.

Über Eigenschaften an das Geräte herantasten... (Quelle: Amazon)

Über Eigenschaften an das Geräte herantasten…
(Quelle: Amazon)

Naiv und völlig unbelastet gehe ich in den nächsten Fachmarkt — und bin völlig erschlagen: Es stehen dort Hunderte von Geräten, die sich außerdem kaum voneinander unterscheiden. Als vages Kriterium kann man erstmal Größe und Preis festlegen. Dank eines kleinen Weihnachtszuschusses sind meine Eckdaten 700 Euro und 116 cm (46 Zoll). Wer nicht technikverliebt ist, wirft einfach einen Gummipfeil… — und nimmt das Gerät, das er trifft.

Oder man macht den Fehler, sich mit den weiteren Funktionen zu beschäftigen: 3D, Smartfon-Bedienung, 200 oder 400 MHz, Zahl der Anschlüsse und natürlich Käufermeinungen und Testberichte. Weil ich mit meinen Monitoren sehr zufrieden bin, informiere ich mich zu LG und nach einer kleinen Umfrage im Bekanntenkreis, rückt Samsung in die engere Wahl. Das reduziert die Menge der Geräte auf schätzungsweise 40… Da fünf Sterne bei Amazon meist der Selbstbestätigung dienen, mit einem Stern nicht selten unqualifizierte Schmähungen einhergehen, lese ich bevorzugt 4- und 3- Sterne-Bewertungen. Und weil es gerade am Kiosk liegt, werfe ich einen Blick in das Sonderheft Fernseher der Stiftung Warentest.


“Test”-Heft Fernseher

Die Pressemitteilung der Stiftung Warentest zum Spezial Fernseher verspricht:

Besseres Bild, mehr Funktionen: Fernseher des Jahrgangs 2013 toppen die 2012er. Doch einige Neuerungen sind das Geld nicht wert – welche das sind und auf was man beim Kauf eines Fernsehers achten sollte, erklärt die Stiftung Warentest im neuen Sonderheft “Spezial Fernseher“, das ab 30.11.2013 erhältlich ist.

Überwiegend gute Bilder notieren unsere Tester vorwiegend bei größeren Fernsehern mit mehr als 100 Zentimetern Bilddiagonale. In Prüfpunkten wie der Bildqualität, der Bewegtbildwiedergabe und dem Ton erzielten sie häufiger „gute“ und „sehr gute“ Noten als in den Vorjahren. Den großen Fernsehern vorbehalten sind auch die neuen Technologien, wie die von Sony entwickelte Triluminos Technik mit veränderter Hintergrundbeleuchtung und der von allen Anbietern verfolgte Trend zu ultrahoher Auflösung.

Doch noch halten die neuen Techniken nicht, was sie versprechen. „Konventionelle Modelle sind vergleichbar gut und weit günstiger zu haben“, so die Experten der Stiftung Warentest. Die meisten neuen Modelle bieten Zugriff auf die Mediathek der Sender, halten Kontakt mit Smartphone oder Tablet-PC und versprechen detailreiche Bilder. Die für dieses Heft ausgewählten Fernseher sind alle ausgereift: 55 der 83 Geräte zeigen ein „gutes“ Bild.

Das „test Spezial Fernseher“ hat 130 Seiten und ist ab dem 30. November zum Preis von 7,80 Euro im Handel erhältlich oder kann online unter www.test.de/fernseherheft werden. (Quelle: Stiftung Warentest)


Während man “früher” Fernseher nach Größe und Gehäusefarbe kauft, wird heute gerade ein technisch Unbedarfter mit technischen Daten erschlagen. In Grundlagenartikeln klärt das Heft über Stand der Technik und Fachbegriffe auf und gibt auch Ratschläge, wie man sich Auswahlkriterien erarbeiten kann. Das ist gut und hilfreich. Obwohl auf dem Titel von “mehr als 80 Fernseher im Test” die Rede ist (was auch den Einträgen im Inhaltsverzeichnis entspricht), sind es am Ende aber nur 56 Testberichte, also 27 Geräte weniger… Das liegt daran, daß zum Teil unterschiedliche Größen zu einem Test zusammengefaßt wurden, wobei die Attribute einen kleinen Anhaltspunkt zur Größenauswahl geben können:

  • bis ca. 80 cm (32 Zoll) — “meistgekauft“; 14 Geräte
  • bis ca. 102 cm (40 Zoll) — “vernünftig“; 28 Geräte
  • bis ca. 117 cm (46 Zoll) — “Kleiner Luxus“; 25 Geräte
  • bis ca. 138 cm (55 Zoll) — “Großes Kino“; 14 Geräte

Die “Testberichte” dagegen sind eher eine ziemlich lieblose und ermüdende Aneinanderreihung technischer Bewertungen, die man nur für in die Auswahl genommene Geräte lesen sollte. Pro Gerät eine Doppelseite, nach einem etwas spröden, aber hilfreichen Schema:

  • Foto der Fernbedienung bzw. -bedienungen, denn neben einer mit “allen” Funktionen gibt’s inzwischen oft eine zweite zum Zappen
  • Screenshot aus dem Bedienmenü — sieht man im Onlineshop meist gar nicht
  • Foto der Rückseite mit den Anschlüssen, so daß man den Kabelsalat abschätzen kann — Info fehlt sonst in den meisten Produktbeschreibungen
  • Gerät von vorn und seitlicher Ansicht (zum Teil mit Anschlüssen bzw. Einstellknöpfen)
  • Test: Kommentar, Bild & Ton, Handhabung & Ausstattung, Stromverbrauch
  • Testurteil nach Einzelkriterien

Den schnellen Überblick aller im Heft versammelten Geräte bekommt man auf den Seiten 14/15.


Die Qual der Wahl

Bis zu einem gewissen Grad kann man sich auch über die Amazon Fernsehberatung an ein geeignetes Gerät herantasten, zum Beispiel LED-Backlight, DVB-S eingebaut, Full HD, usw… Ich entscheide mich grundsätzlich für Samsung und nehme drei Geräte in die engere Auswahl — im Prinzip sind sie alle gleich… Auf der Samsung-Homepage gibt es eine Vergleichsfunktion, die bestätigt, daß es wirklich nur Abweichungen im Detail gibt.

Auf der Samsung-Homepage kann man bis zu vier Geräte direkt vergleichen (Quelle: Samsung)

Auf der Samsung-Homepage kann man bis zu vier Geräte direkt vergleichen
(Quelle: Samsung)

Da Samsung aber leider nur eine Tabelle zeigt, freue ich mich über den Tipp Zambullo, wo man eine kenntnisreiche Aufdröselung findet, wie beispielsweise “Unterschiede der Samsung TV F-Serie 6“.

Noch ein Wort zu dem Hz-Angaben: Bei Röhren spielt dies eine wichtige Rolle und kann auch unmittelbar verglichen werden. Bei Flachbildschirmen gibt es (bis jetzt) meines Wissens nur 50, 100 oder 200 Hz — alles was darüber hinaus geht ist Marketing-Geschwurbel und rechnet Voodoo mit ein, weshalb dan beispielsweise auch von 400 Hz CMR oder MCI die Rede ist und manche Geräte angeblich 1.000(!) Hz erreichen sollen.

Für einen Moment tappe ich dann selbst in die Feature-Falle und überlege, ob sich der Aufpreis für eine Fernbedienungsmöglichkeit via Smartfon lohnt. Was genau die kann ist allerdings nirgends wirklich erläutert, man muß es sich aus privaten Kommentaren herausfummeln. So ganz nebenbei mache ich die Probe aufs Exempel und gucke mal bei Google Play: Diese App ist mit keinem Ihrer Geräte kompatibel. — Da muß ich mir wohl erstmal keine Gedanken zu machen. Schade, daß in manchem “Testbericht” darüber hinweggegangen wird.

Das Smartphone-Feature scheint fraglich... (Quelle: Google Play, 8.12.2013)

Das Smartphone-Feature scheint fraglich…
(Quelle: Google Play, 11.12.2013)

So erfahre ich lediglich über die Kommentare, daß es im Samsung SmartView überzeugt nicht wirklich (Quelle: Google Play)Prinzip die Funktionen einer Fernbedienung entsprechen und es auf mehrere Programme verteilt ist.

Samsung SmartView überzeugt nicht wirklich
(Quelle: Google Play)

Mit einer weiteren App kann man zusätzlich das Fernsehbild auf das Gerät übertragen und Fotos vom Smartfon direkt auf den Fernseher. Das — und andere Kleinigkeiten — macht zur Zeit den Aufpreis zu sehr ähnlich ausgestatteten Geräten aus und begeistert nur bedingt. Entsprechend kommt die “Samsung SmartView“-App ziemlich schlecht davon. Aber darum muß ich mir ja keine Sorgen machen, denn keines meiner Android-Geräte ist kompatibel (wie sieht es bei iOS aus?). Wer auf technische Spielereien steht, findet noch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Streaming über DLNA oder Minicomputer à la MK808.

Preisentwicklung

Wenn man sich dann mehr oder weniger für ein Gerät entschieden hat, bleibt die Frage: Wann kaufen, und natürlich wo? Wird es Weihnachten wegen der Nachfrage teuerer oder wegen des Konkurrenzkampfes billiger? Eine wunderbare Hilfe für die Kaufentscheidung finde ich bei der Preissuche von Heise. Dort kann man die “Preisentwicklung” wie bei einem Aktienkursverlauf anzeigen lassen — hat das Gerät den Preisverfall schon hinter sich? Der ins Auge gefaßte Samsung F6500 mit 116 cm (46 Zoll) kostet im Frühjahr 2013 stolze 1.067 Euro und liegt jetzt zum Nikolaustag 2013 bei 649 Euro, was einem Abschlag von knapp 40 Prozent bedeutet. Im vergangenen halben Jahr ist er um 20 Prozent günstiger geworden, auf den letzten Monat bezogen bewegt sich der Preis praktisch seitwärts (jeweils auf den günstigsten Preis der Suchmaschine bezogen).

Preisentwicklung Samsung F6500 (Quelle: Heise)

Preisentwicklung Samsung F6500
(Quelle: Heise)

Erfahrungsgemäß werden “Auslaufmodelle” nicht unendlich billiger, sondern verschwinden fast von einem Tag auf den anderen aus den Läden — um dann mit den Neuheiten wieder entsprechend hoch einsteigen zu können. Die Entscheidung fällt dann für Samsung UE46F6500 (oder man spart nochmal ein paar Taler durch die Amazon Warehouse Deals).

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