Hochzeitsvideos sind gefragt

Es ist mir ein Rätsel, wieso heutzutage jede Hochzeit per Foto und Video minutengenau dokumentiert werden muß — vor allem, wenn man sich als Gast anschließend die Bilder ansehen muß (Bekannte hatten bei dieser Gelegenheit 5 x 120 Minuten auf den Tisch gelegt…). Doch wenn man die heutige FAZ liest, gibt es demnach nicht nur Fans von Hochzeitsvideos, sondern sogar einen Schwarzmarkt wo dafür gezahlt wird: “Hochzeitsvideos sind in Kundus ein Verkaufsschlager” (FAZ vom 5.2.2012, Seite 6, “Heiße

Des Rätsels Lösung — es gibt “Nachholbedarf”, denn auf der Straße gibt es ja Dank Kleiderordnung nichts sehen, zumindest keine hübschen Frauen. Aber auf Familienfesten ticken die Uhren anders. Auch in Afghanistan gibt es diese unsäglichen Fotohandys (und oft auch einen offiziellen Videomann). Dann wächst zusammen, was nicht unbedingt zusammen gehört: Private Fotos und Videos der festlich wie geradezu “freizügig” gekleideten Gästinnen werden erst im Bekanntenkreis herumgezeigt und dann von Handy zu Handy oder PC zu PC getauscht (wie auf dem Schulhof) …

Aber es geht noch weiter. Wer sein Handy zur “Reparatur” zu dem Mann mit dem Bauchladen bringt, muß damit rechnen, daß der sich erstmal ein “Backup” vom Speicher macht — und dann die Bilder hemmungslos weiterverkauft. Manchmal bekommt er sie aber auch freiwillig gebracht — wenn jmd. ein bißchen Unfrieden in die Familie bringen möchte.

Es hört sich ein wenig an wie die bunte Seite zum Schmunzeln, aber im Prinzip kann einem das alles auch hierzulande passieren… Auch hier versagen Politik und Gesellschaft bei der Anpassung von möglicherweise überholten Gesetzen und Regeln an die Realität.

[Update]

Der Autor des FAZ-Artikels, Ahmad Nawid, berichtet im Web unter Afghanistan Today.

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